Trödelpoint
Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten wie Sie bei uns einkaufen können, was Sie tun müssen, wenn Sie gerne etwas an uns abgeben möchten oder ob Sie bei uns mitarbeiten können, dann schauen Sie mal hier.
Rumtrödeln erlaubt
Für die einen ist es ein Sozialwarenkaufhaus, für die anderen die größte Kruschtelkiste im Prenzlauer Berg.
Der Trödelpoint des Vereins mob – obdachlose machen mobil e.V. in der Prenzlauer Allee 87 bietet nützliches Gebrauchtes für die Wohnungseinrichtung sowie Alltag und Zeitvertreib. Wer wenig Geld hat, ist froh um die Gelegenheit, Gebrauchtes wieder einem Nutzen zuführen zu dürfen, und die Spender sind dankbar, dass sie noch Brauchbares, womöglich ehemals Heißgeliebtes, nicht wegschmeißen müssen. Und die Mitarbeiter helfen natürlich beim Abtransport.
Die Idee ist schon über zehn Jahre alt und im Frühjahr 2000 wurden schließlich Nägel mit Köpfen gemacht. Mit einem Trödelladen wollte der mob e. V. gleich drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Wer brauchbare Gegenstände nicht mehr benötigte, sollte diese kostenlos abgeben können und sie nicht in den Müll geben, was ein wichtiger Umweltaspekt ist. Zweitens sollten ehemalige Obdachlose günstig eine Wohnung mit dem Nötigsten einrichten können. Und drittens bildete der Trödel ein weiteres Standbein, auf das sich der Verein stützen und Kosten decken konnte.
Wurde das Angebot zu Beginn jede Woche auf dem Trödelmarkt am Ostbahnhof aufgebaut und feilgeboten, hat der Trödelpoint inzwischen längst einen festen Standort mit eigenem Showroom, wie man heute sagt, im Keller des Vereins unweit der S-Bahnhaltestelle Prenzlauer Allee.
Hier, hinter einer stabilen Eisentür, steht all das zu Besichtigung und Kauf bereit, was die Männer des hauseigenen Abholservices mit dem gemieteten Laster ranschaffen. Gesucht wird, was noch genutzt werden kann und nicht erst aufwändig repariert werden muss. Das wurde früher einmal gemacht, inzwischen lohnt es nicht mehr. Schließlich braucht es dazu Fachkräfte, den Elektriker für Fernseher und Co., den Tischler für Möbel. Doch im Trödelpoint arbeiten in teils wechselnder Besetzung vor allem Ehrenamtliche sowie MAE-Kräfte (Mehraufwandsentschädigung sagt die Arbeitsagentur, 1-Euro-Job der Volksmund), und auch wer lieber arbeitet, anstatt im Knast zu sitzen, findet hier eine Tätigkeit. Spenden werden vor dem Abtransport daher an Ort und Stelle begutachtet. Was sich erst später als Schrott herausstellt, muss ans andere Ende des Stadtteils zum Hof der Berliner Stadtreinigung (BSR) gefahren werden.
Das Brauchbare steht gar nicht erst lange rum. Ideal ist, wenn es morgens angeliefert wird und noch
am selben Tag einen Käufer findet, sagt Ronny, der Koordinator des Trödelpoints. Das gilt besonders für große Möbel wie Schränke. Selten ist auch mal eine Küche dabei. „Wie müssen immer wieder auch schöne Stücke ablehnen, weil wir nicht genügend Platz dafür haben“, gesteht Ronny. Es gibt weitere K.O.-Kriterien: „DDR-Möbel“, grinst er. „Die werden wir kaum wieder los.“ Und das, obwohl der DDR-Schick ja angeblich ein Revival feiert. Nostalgiker dürften hier jedenfalls das eine oder andere frühere Schmuckstück finden und auch Ausstatter bei Film und Theater könnten für ihren Fundus fündig werden. Wo sonst gibt es den original AEG-Fön, der sich damals noch Foen schrieb und den man mit einer Trockenhaube verbinden kann, die ein Orgasmotron aus einem Woody-Allen-Filmen sein könnte?!
Dumm nur, dass nach einem bundesweit gültigen Urteil nur noch „Bedürftige“ in den so genannten Sozialwarenhäusern einkaufen dürfen. Einerseits verständlich, denn der Verein hat mit den Arbeitskräften weniger Kosten als ein kommerzieller Trödelladen. Andererseits hat sich der Kundenstamm drastisch reduziert, und wer „qualifiziert“ ist – durch einen Hartz-IV-Bescheid etwa oder einen Berlin Pass – ist nicht besonders kaufkräftig. Es gibt zwar durchaus Möbel im unteren zweistelligen Bereich – Stühle für zehn bis zwanzig Euro das Stück –, aber eine gut erhaltene Schrankwand mit Glasvitrine kostet auch hier um die 120 Euro.
Günstiger ist da schon der obligatorische Kühlschrank, ein Stapel Porzellan, Besteck und Kochtöpfe sowie das Fondue-Set für die Küche, oder gar eine Mikrowelle zum Garen. Für den unterhaltsamen Abend dann die Ministereoanlage und den Röhrenfernseher, oder wie wäre es mit einem Regal voll Bücher? Die gibt es hier zum Kilopreis. Ja, Wissen ist Macht, wiegt aber auch schwer.
Es ist wahr, das Stigma der Bedürftigkeit, die nur hier den Einkauf erlaubt, schmeckt niemandem besonders, weder den Mitarbeiters des Trödelpoints, noch den Käufern. Dafür zu schämen braucht man sich jedoch nicht, denn es wird immer mehr zu Normalität. In Berlin sind fast eine Dreiviertelmillion Menschen beim Trödelpoint willkommen.



