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mob e.V. - Obdachlose machen mobil

Übergangshaus Kiefholzstraße - „Jeder bekommt eine Chance!“

Foto: Andreas Düllick
Foto: Andreas Düllick
Das Übergangshaus in der Kiefholzstraße, kurz ÜHK genannt, besteht seit 1992 und ist eine Einrichtung der Bürgerhilfe gGmbH. Es verfügt über zweiunddreißig Wohnplätze, aufgeteilt in Ein- Zwei- und Dreiraumwohnungen, wobei dort jeder Bewohner ein Einzelzimmer hat. Das Angebot an Betreuung richtet sich nicht an eine spezifische Zielgruppe. Es kommen dennoch vorwiegend Menschen dort hin, die suchtkrank oder von der Wohnungslosigkeit bedroht sind, aus anderen Einrichtungen entlassen worden sind und die sozialen Probleme wie Schulden und Arbeitslosigkeit haben. Auch Drogenabhängige können aufgenommen werden. Um all diese Menschen kümmert sich ein Team von sieben hauptamtlichen Betreuern, bestehend aus Sozialarbeitern und Sozialpädagogen, einem Hausmeister sowie mehreren Ehrenamtlichen (fast alle ehemalige Bewohner). Die Betreuung findet wochentags von 9 Uhr bis 19 Uhr, am Wochenende von 15 bis 19 Uhr statt. Viele der Menschen, die hier Hilfe suchen, haben auch gesundheitliche Probleme. Das Haus nimmt Männer und Frauen auf. Dabei ist es egal, ob es Deutsche oder Ausländer sind. Fast alle der Bewohner sind Hartz IV-Empfänger. Das heißt, dass in der Regel das Sozialamt die Kosten als Tagessätze für Miete die Betreuung und das JobCenter die Miete übernimmt. Die Länge der Aufenthaltsdauer hängt vom Kostenträger ab. Sie beträgt zwischen sechs und zwölf Monaten. Es gibt jedoch Ausnahmen.

In der Regel ist das Übergangshaus ausgelastet, d. h., dass alle 32 Wohnplätze besetzt sind. Das bedeutet, dass neue Bewerber zuerst auf die Warteliste kommen. Generell ist eine Aufnahme aber kurzfristig möglich. Das Mindestalter der Bewerber ist 18 Jahre, nach oben offen. Einzige Bedingung ist die Bereitschaft, seine eigene Situation verändern zu wollen. Das Übergangshaus arbeitet niedrigschwellig. Das heißt, dass diese Menschen in Maßen Alkohol trinken dürfen. Das Hilfsangebot richtet sich nach dem Wunsch der Betroffenen. Wenn jemand zum Beispiel vom Alkohol oder Drogen wegkommen will, dann bekommt er von den Sozialarbeitern Hilfestellung, z. B. die Vermittlung in eine Langzeittherapie. Eine Langzeittherapie bringt aber nur dann etwas, wenn der Betroffene auch genug motiviert ist und Ziele hat. Dabei helfen die Betreuer im Vorfeld der Therapie.

Weitere Betreuungsziele des Übergangshauses können aber auch der Aufbau eines betreuungsunabhängigen und selbstständigen Lebens sein, u. a. die Hilfe bei der Suche und Vermittlung eigenen Wohnraums. Langfristig geht es darum, dass individuelle Lösungsstrategien erarbeitet werden, so z. B. die Reintegration ins Arbeitsleben, aber auch alltagspraktische Fähigkeiten, die für die Bewältigung eines eigenständigen Haushalts nötig sind.

Es gibt jedoch auch Menschen, die nicht aufhören wollen mit dem Trinken. Diese Leute werden dann meist in Wohnheime vermittelt. Das sind dann Einrichtungen wie das „Haus Schöneweide“ oder „Haus Langhans“. Gezwungen wird dazu allerdings niemand. Natürlich wird es von der Betreuerseite lieber gesehen, wenn Bewohner sich für neue Perspektiven öffnen und auch eine Therapie für sich als Möglichkeit sehen. Laut Konzept ist es aber nicht vorgeschrieben. Wenn ein Suchtkranker weiter konsumieren will, dann ist es schwierig, ihm Perspektiven aufzuzeigen. Es ist dann erfahrungsgemäß auch problematisch, ihn wieder ins „normale“ Arbeitsleben zu integrieren. Das klappt meistens nur nach einer abgeschlossenen Therapie.

Die Angebote für Bewohner werden alle nach dem Bezugsbetreuerprinzip umgesetzt. Das heißt, dass jeder Klient für die gesamte Zeit seines Aufenthaltes im ÜHK einen festen Ansprechpartner hat. Das schafft auch eher Vertrauen. Regelmäßige Einzelgespräche helfen und bilden die Grundlage für ein Vertrauensverhältnis, z. B. wenn es Probleme innerhalb des Hauses oder in der Gruppe gibt. Auch Gruppensitzungen erfüllen diese Funktion. Der Aufbau einer festen pädagogischen „Stammgruppe“ wird angestrebt. Darüber hinaus werden einmal in der Woche ein gemeinsames Essen und regelmäßige Hausversammlungen angeboten. Gemeinsame Freizeitangebote, Kino, Ausflüge und Radtouren gehören ebenso zum Programm. Einmal im Jahr gibt es zudem ein Hoffest und alle großen Feiertage werden zusammen mit denen, die möchten, gefeiert.

Mein persönlicher Eindruck über diese Einrichtung war sehr positiv. Es ist zweifellos notwendig, dass es solche Einrichtungen gibt. Sie können viel Leid und Elend verhindern und Menschen neue Perspektiven vermitteln. Wenn Leute von der Straße kommen, dann brauchen sie die Möglichkeit, sich wieder langsam in die Gesellschaft einfinden zu können. Dass dabei auch Süchtige kontrolliert weiter konsumieren können, finde ich wichtig. Vielleicht bekommen sie auf diesem Weg mit, dass es nüchtern zwar nicht unbedingt einfacher, aber allemal selbstständiger und besser gehen kann.
Martin Hagel

Infos:
Bürozeiten: Montag – Freitag 9.00-19.00 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertage 16.00-19.00 Uhr
Telefon: 030/536 83 40; Fax: 030/532 18 935
E-Mail: uehk-soz@buergerhilfe-berlin.de,
Adresse: Kiefholzstraße 21, 12435 Berlin
Verkehrsverbindung: S-Bahn Treptower Park, Bus 104, 194