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mob e.V. - Obdachlose machen mobil

„Sin ma nu hüben oder drüben?“

Die Aufnahmelager Marienfelde und Röntgental

Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde in Berlin Tempelhof-Schönberg; Foto:Belinda B.
Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde in Berlin Tempelhof-Schönberg; Foto:Belinda B.
Bis 1990 verließen rund vier Millionen Menschen als Flüchtlinge oder als Ausgereiste die DDR. Sie mussten sich in einem der drei Bundesnotaufnahmelager in Uelzen, Gießen und Marienfelde (West-Berlin) melden. Allein Marienfelde passierten von 1953 bis 1989 rund 1,35 Millionen Menschen.

Zwei Dinge schildern Zeitzeugen immer wieder. Zum einen eine Vermischung von gegensätzlichen Gefühlen wie Freude über den Neuanfang, Befremden über den bürokratischen Aufwand des Aufnahmeverfahrens und Sorge vor eingeschleusten Spionen des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Zum anderen das Warten. Warten auf die Befragung durch die alliierten Sichtungsstellen, Warten auf die Entscheidung des Bundesnotaufnahmeausschusses – insgesamt zwölf Stationen mussten auf dem Laufzettel abgearbeitet werden, bis geklärt war, ob man die Aufenthaltserlaubnis für die BRD und West-Berlin bekam.

Das Pendant der DDR zu den Bundesnotaufnahmelagern der BRD waren fünf Aufnahmeheime, eines davon war das 1979 eröffnete, am Rande Berlins gelegene Zentrale Aufnahmeheim Röntgental. Von 1984 bis 1989 wurden knapp 4.000 Personen in Röntgental aufgenommen; DDR-weit belief sich die Zahl von 1949 bis Ende der 60er Jahre auf rund 600.000.

Der monatelange Aufenthalt war zermürbend, denn jeder wurde verhört, auf seine „Republiktauglichkeit“ geprüft und durch regelmäßige Dia-Vorträge auf die zukünftige Heimat DDR eingestimmt. Hinzu kamen der psychische Druck durch das lange Warten und die Ungewissheit über die Bewilligung der Aufnahme. Wer einreisen durfte, wurde von Röntgental aus auf sogenannte Bezirksheime verteilt, die für die Wohnungs- und Arbeitsplatzsuche zuständig waren.

Mit dem Umbruch 1989/1990 stellten die Aufnahmelager ihre Arbeit ein. Marienfelde dient noch bis Ende 2008 als Zentrale Aufnahmestelle des Landes Berlin für Aussiedler; Röntgental beherbergt seit 1989 ein Altenheim.
B. Bindig & D. Schwesig


Zeitzeugen der deutsch-deutschen Geschichte gesucht!

StudentInnen der Humboldt Universität Berlin sind auf Ihre Hilfe angewiesen

Seit Herbst 2007 beschäftigen sich zehn StudentInnen am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt Universität Berlin mit dem Durchgangsheim Marienfelde, das als Notaufnahmelager für Flüchtlinge und Ausgereiste aus der DDR bekannt wurde. Anhand des Durchgangsheims Marienfelde beleuchten die StudentInnen die unterschiedlichen Bereiche der deutsch-deutschen Geschichte und lenken ihre Aufmerksamkeit dabei weg von großen historisch-politischen Zusammenhängen hin zu den Akteuren, den Flüchtlingen, den Ausgereisten und den Spätaussiedlern. Das Forschungsprojekt findet in enger Zusammenarbeit mit der Erinnerungsstätte „Notaufnahmelager Marienfelde“ statt, mit dem Ziel, einen Beitrag für eine Ausstellung in der Erinnerungsstätte im Winter 2008 zu leisten.

Zwei Studentinnen sind auf der Suche nach Zeitzeugen. Belinda Bindig hat sich als Forschungsschwerpunkt den Alltag der Menschen mit Ausreiseanträgen in der DDR gewählt. Sie sucht (ehemalige) Kindergärtnerinnen, die bereit sind, über ihre Erfahrungen mit der Stellung eines Ausreiseantrags zu berichten. Wie reagierten Familie, Freunde, KollegInnen etc. auf die Stellung des Ausreiseantrags und welche Konsequenzen ergaben sich daraus?

Eine Untersuchung des Ost-West-Verhältnisses wäre unvollständig, würde nicht auch berücksichtigt werden, dass mehrere tausend Personen den Weg von West nach Ost wählten. Durchgangsstation hierfür war das Aufnahmelager Röntgental in Zepernick. Melden Sie sich bei Denise Schwesig, wenn Sie in Röntgental waren. Wie haben Sie Ihren Aufenthalt dort erlebt?

Wir sind gespannt auf Ihre Geschichten und danken Ihnen für Ihre Mithilfe!
B. Bindig & D. Schwesig

Informationen und Kontakt:
Belinda Bindig , Denise Schwesig ; hinterlassen Sie bitte Ihre Telefonnummer im Sekretariats des Instituts 030-20933703 oder kontaktieren Sie uns per E-Mail zeitzeugen@web.de