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kehrseite I - Fantasy, wie sie ist und war. Was „Saramee“ besser macht.

„Saramee – Stadt der Verdammten“

Foto: Autor
Foto: Autor
Fantasyliteratur erlebte in den letzten Jahren einen großen Aufschwung. Dieser hat nicht nur einige Spartenverlage aus ihren Nischen geholt, sondern auch so manchen Autoren über Nacht berühmt gemacht.

Es liegt in der Natur der Sache, dass daraus nicht nur Gutes erwächst: Aufgrund der gestiegenen Nachfrage und der wachsenden Konkurrenz sahen sich Verlagshäuser dazu genötigt, die Fantasysparte zu revolutionieren. Die Folge ist, dass die entsprechenden Abteilungen der Buchläden von Romanen überquellen, die eigentlich nur so viel gemein haben, als dass sie Debütromane von Autoren sind, deren Talent vermutlich nur dazu reicht, die Rechnungen der Telekom zu tippen. Unglücklicherweise sind es genau die Romane, die das tollste Cover und die schönsten Rezensionen auf der Rückseite haben. Um das ganze noch schlimmer zu machen, haben alle diese Romane kein richtiges Ende, sondern sind bewusst so offen gelassen, dass der Verlag, im Falle eines Erfolgs noch einen Nachfolger anhängen kann.

Selbstverständlich spricht nichts dagegen, junge Talente zu fördern und es ihnen leicht zu machen, sich im Buchmarkt zu etablieren. Jedoch ist es für den unerfahrenen Autoren nicht einfach, mit den geforderten „epochalen Meisterwerken“ zu glänzen, die am besten an der 1.000-Seiten-Marke kratzen. Um dennoch die vom Verlag gewünschte Länge zu erreichen, verzetteln sich die Autoren in Belanglosigkeiten. Das spannende der Fantasy, das Abenteuer zu erleben und eine neue Welt zu entdecken, kommt häufig zu kurz.

Im Gegensatz dazu sind Romane aus der „Saramee“-Reihe mit ungefähr 70 Seiten recht kurz, allerdings stehen hier Abenteuer und Entdeckung im Vordergrund. Der Leser bleibt von politischen Intrigen, ellenlangen Detailbeschreibungen und schier endlosen Dialogen verschont und kann sich ab der ersten Seite auf Spannung gefasst machen. Die Serie spielt in der gleichnamigen Stadt, einem autonomen Ort für Abenteurer, Söldner, Gesetzlose und Querdenker, die in einer schwer erreichbaren Bucht gelegen ist. Ein solches Setting liefert von Natur aus Potenzial für Degengefechte auf dem Mast eines Piratenschiffes, Erforschungen von Tempelruinen im Dschungel oder zünftige Keilereien in der Taverne. Glücklicherweise wird dieses von den Autoren, einem deutschen Team, voll ausgenutzt.

Der starke Actionbezug birgt allerdings nicht nur Vorteile in sich: Es wird viel Aufmerksamkeit vom Leser verlangt, um bei den rasanten Handlungssprüngen nicht den Ball zu verlieren. Zu oft verliert der eilige Leser, in seiner Hast die letzte Zeile der Seite übersehend, völlig den Überblick um das Geschehen. Noch sitzt der Held gemütlich in einer Taverne, schon steht er in irgendwelchen düsteren Verließen, mit Fackel und Schwert bewaffnet einer Horde von Untieren gegenüber.

Auch die Motivationen der Hauptpersonen werden weder begründet, noch hinterfragt. „Warum schleicht der denn jetzt alleine in das Lager der Räuber? (...) Ach ja, damit er den Schatz nicht teilen muss!“ Was in vielen Büchern nur allzu erschöpfend behandelt wird, kommt hier leider wirklich zu kurz. Hier und da ein paar Seiten mehr, hätte nicht geschadet.

Anders als in vielen herkömmlichen Serien gibt es in „Saramee“ keine Hauptperson. Die einzelnen Bände der Reihe erzählen viel mehr Geschichten aus der Stadt und deren Umgebung. Im Verlauf der Bücher erfährt der Leser immer mehr um die Hintergründe dieser geheimnisvollen Stadt, die von uralten, vergessenen Wesen erbaut wurde.

Insgesamt macht die Reihe einen sehr guten Eindruck auf mich. An manchen Stellen hätten mehr Details oder Hintergründe nicht geschadet, die wunderbare Abenteuerstimmung, wie sie auch in „Indiana Jones“ nicht schöner war, macht das jedoch wieder mehr als wett.

Die nicht abgeschlossene Reihe umfasst momentan elf Bände und erscheint im „Atlantis“-Verlag. Die einzelnen Bücher sind mit 4,90 Euro relativ preiswert.
Matthias