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mob e.V. - Obdachlose machen mobil

Tuberkulose – einstmals fast ausgerottet und heute weltweit auf dem Vormarsch

Mycobacterium tuberculosis bacteria, Aufnahme mit dem Elektronenmikroskop (15.550fache Vergrößerung); Quelle: phil.cdc.gov
Mycobacterium tuberculosis bacteria, Aufnahme mit dem Elektronenmikroskop (15.550fache Vergrößerung); Quelle: phil.cdc.gov
Mit dem Siegeszug der Antibiotika hatte die Tuberkulose für längere Zeit ihren Schrecken verloren, zumindest in den Industrienationen. Doch seit einigen Jahren breiten sich neue resistente Tuberkulose-Bakterien, gegen die kaum noch ein Antibiotikum wirkt, immer mehr aus- und zwar weltweit.

„Stoppt TB – jeder trägt Verantwortung.“ So lautete das diesjährige Motto des Welttuberkulosetags am 24. März. Jedes Jahr sterben fast zwei Millionen Menschen an der Infektionskrankheit, acht bis neun Millionen Neuerkrankungen werden jährlich registriert. Im Jahr 2006 erkrankten in Deutschland 5.402 Menschen, 201 starben an Tuberkulose. Laut Berichten des Robert Koch-Instituts (RKI) sind die Erkrankungen in Deutschland zwar wie in den Vorjahren rückläufig, dennoch betont der Präsident des RKI, Prof. Dr. Jörg Hacker, dass Tuberkulose aufgrund der Schwere der Erkrankung und der internationalen Situation nicht in Vergessenheit geraten dürfe.

Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung ist mit Tuberkuloseerregern infiziert, schätzt die WHO. Mittlerweile führt Tuberkulose weltweit die Statistik der tödlichen Infektionskrankheiten an. Tuberkulose wird durch Bakterien übertragen und befällt meist die Lungen. Besorgniserregend ist laut WHO die Resistenz-Entwicklung der Tuberkulose-Erreger: Jedes Jahr kommen allein eine halbe Millionen Neuerkrankungen durch multiresistente Erreger hinzu, bei denen die gängigen bei Tuberkulose eingesetzten Antibiotika nicht mehr wirken. Die meisten Fälle wurden in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, gezählt. Dort hat sich der multiresistente Keim schon in fast einem Viertel der Tuberkulose-Kranken breitgemacht. Diese Zahlen übertreffen die Daten aus dem letzten Bericht von 2004 bei weitem.

Die an dem Bericht beteiligten Wissenschaftler konnten zudem einen gefährlichen Zusammenhang zu der Immunerkrankung HIV feststellen: Untersuchungen in der ukrainischen Stadt Donetsk zeigten, dass sich die multiresistente Form doppelt so häufig in Tuberkulose-Kranken findet, die auch mit HIV infiziert sind. In einigen Teilen Afrikas ist eine Tuberkulose-Erkrankung der Hauptgrund für den Tod HIV-Infizierter. Ihr Immunsystem ist so geschwächt, dass es die Tuberkulose-Bakterien nicht mehr vernichten kann.

Die Dunkelziffer der Tuberkulose-Verbreitung dürfte allerdings deutlich höher liegen. Da viele Krankenhäuser in Entwicklungsländern nicht die nötige Ausstattung und nicht das Personal haben, um die resistente Form zu diagnostizieren, fehlen in dem Bericht der WHO viele wichtige Daten. In Afrika waren beispielsweise nur sechs afrikanische Länder in der Lage, Angaben zur Verbreitung des resistenten Erregers zu machen. „Ohne diese Angaben ist es schwierig zu bestimmen, wie sich die Resistenzentwicklung in diesen Gebieten entwickelt“, sagte der Tuberkuloseexperte der WHO Abigail Wright.

Die multiresistente Form der Tuberkulose ist schwieriger zu behandeln als die herkömmliche Variante. Auch die Kosten liegen viel höher. In Entwicklungsländern, die sich diese teure Behandlung nicht leisten können, ist das gleichbedeutend mit dem Todesurteil eines Patienten, der an der multiresistenten Form leidet.

Eine besonders gefährliche Variante der Tuberkulose-Erreger, die gegen fast alle Antibiotika resistent ist, hat sich mittlerweile in 45 Ländern ausgebreitet. Mario Raviglione, Direktor der WHO-Abteilung „Stop Tuberkulose“ ist besorgt: „Die Resistenzentwicklung des Tuberkuloseerregers muss aufgehalten werden.“ Eine schnelle Diagnose sei sehr wichtig. „Wenn man früh anfängt, die Krankheit zu behandeln, nimmt man dem Erreger die Zeit, eine Resistenz zu entwickeln“, sagt Raviglione. Und das kostet Geld: Die WHO schätzt, dass 2008 für die Kontrolle der Tuberkulose in Entwicklungsländern vier Milliarden Euro benötigt werden. Unter all diesen Schreckensnachrichten befindet sich allerdings auch ein Erfolg. Die Fälle von Tuberkulose gehen in Lettland und Estland zurück, seit man die Krankheit gezielt behandelt – vor 13 Jahren wurden diese Länder von der WHO noch als Tuberkulose-Hotspots klassifiziert.

500.000 Tuberkulose-Erkrankungen sind im Jahr 2006 von multiresistenten Erregern ausgelöst worden. Diese sogenannten MDR-Tuberkulosefälle traten vermehrt in Russland, Süd- und Mittelamerika und China auf. Daher setzt man in Deutschland auf die spezielle Ausbildung von Gastärzten aus diesen Ländern.

Aber auch in Deutschland wurden 2006 achtundsiebzig Erkrankungsfälle gemeldet, in welchen die Erreger gegen mehrere Antibiotika resistent waren. Zum Welttuberkulosetag fand in Berlin an den Ostertagen 2008 eine Tagung statt, bei der der Stand und der dringende Forschungsbedarf in Diagnostik, Therapie, Prävention und Tuberkulosekontrolle diskutiert wurden.
Dinah