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mob e.V. - Obdachlose machen mobil

Feen und Elfen

Luftgestalten und weise Frauen

Rusalka, eine slawische Wasserfee
Rusalka, eine slawische Wasserfee
Die Grenzen unseres Bewusstseins sind fließend. Vorstellungen verschmelzen miteinander und nehmen die Energie auf, die Verbindung schaffen zwischen dem Reich der Lebenden und dem der Toten, die unsere Welt mit der Anderswelt verbindet.

Das Wort „Fee“ stammt vom lateinischen „Fata, fatae“ für Schicksalsgöttinnen. Im Mittelalter kommen sie als „Feien“ oder „Feinen“ vor, verwandt mit den „weißen Frauen“ und „Nornen“. Feen sind weibliche Elementargeister in Wäldern, Grotten, an Quellen oder Gewässern. Doch kann eine Fee auch in Menschengestalt auftreten – als zarter Jüngling, weise Frau oder Hexe. Mal zeigen sich Feen als anmutige, kleine Blumenwesen, dann wieder als schillernde Lichtgestalten. Ihre Wünsche verändern den Lebensweg eines Menschen („Dornröschen“, „Zwerg Nase“). Selbst die unscheinbarsten Feengeschenke verraten übernatürliche Kräfte („Labakan“, „Der falsche Prinz“). Oft lachen uns die Feen aus – hell und heiter. Meist sind sie wunderschön und kennen kein Alter. Auch Elfen, Elben oder Alben gelten eher als lichte, denn als dunkle Gestalten. Doch gibt es neben Lichtalben auch die Schwarzalben. Die nordische Mythologie beschreibt nächtliche Reigen, die sie im Mondenschein tanzen. Dabei hinterlassen sie „Elfenringe“, kreisrunde Spuren im Gras, die man am nächsten Morgen bestaunen kann.

Als zarte Luftgestalten zwischen Gut und Böse fürchtet man in Irland ihren Bann. Sie tanzen um runde Hügel, verzaubern eine Lichtung und locken Menschen an. Aus ihren Hügeln erklingt leise Musik. Die schönsten irischen Lieder sollen von Feen stammen. Wer sich dadurch verführen lässt, wird bis an sein Lebensende sich sehnsüchtig nach ihnen verzehren oder im tödlichen Trancetanz sein Leben lassen. Ihre unterschiedlichen Erscheinungen haben ein „Kleines Handbuch der irischen Elfen“ nötig gemacht. Der Autor heißt Bob Curran.

Ein anderer Autor, Frank Giesenberg, wollte die Merkmale der unterschiedlichen Feen studieren und wurde dabei zweimal in einen ‘schlag’-artigen Dämmerzustand versetzt, woraufhin er sich entschloss, lieber Erzählungen über sie aufzuschreiben. Feen sind menschenscheue Geschöpfe. Sie verweigern sich jeder ungewollten Annäherung, indem sie das Bewusstsein des Neugierigen trüben oder sich in Gestalt und Wesen verwandeln. Ihre Lebensräume sind zwielichtig. Dieses Zwielicht versucht unter anderem ein Theo Broere in Schwarz-Weiß-Fotos einzufangen. Man ahnt ihre Anwesenheit. Allerdings wurden diese luftigen Geistwesen der freien Natur weitestgehend vertrieben. Durch Abholzung, Monokultur und Bebauung, durch Begradigungen, und dem Zubetonieren ganzer Flächen haben auch überirdische Wesen ihre Plätze und wir ihren Zauber verloren.

Unsere nüchtern-logische Welt hält noch die Erinnerung wach an eine kleine Fee, die nie sich sehen lässt, aber kleine Geschenke heimlich gegen einen ausgefallenen Milchzahn tauscht. Ich war etwa fünf Jahre alt, als ich wissen wollte, was diese Fee mit unseren Milchzähnen mache. Meine Mutter erklärte, diese Feen bauten prächtige kleine Häuser, sobald sie nur genug Zähne als Baumaterial zusammen hätten. Ich stellte mir vor, wie sie bis dahin obdachlos umherschwirrten und errichtete kleine Häuschen aus Kieseln, Hölzchen, Muscheln und Erde. Ich hoffte, eine Fee würde sich freuen und davon Besitz ergreifen. Sicher war ich mir nie.

Feen lassen sich selten sehen – am ehesten in einer Krise oder extremen Lebenssituation wie dem Erwachen aus einem Koma. Einige Elfen nehmen Gestalt und Sterblichkeit von Menschen an. Man erkennt sie an einer unbeirrbar selbstlosen Haltung. Sie sind ungreifbar, denn sie legen sich nicht fest. Leise, kaum den Boden berührend scheinen sie durchs Leben zu schweben. Ihr undurchdringlicher Blick strahlt selbst in hohem Alter Jugendlichkeit aus.

Manche Menschen möchten Feen sein und erfreuen sie sich „Stiller Taten“. Das sind anonyme Handlungen für andere Menschen, die keinerlei Gegenleistung erwarten. Sie überraschen einen Mitmenschen durch das heimlich bezahlte Getränk, einen gelungenen Schnappschuss im Postkasten oder den gestreuten Weg bei Glätte vorm Haus. Einige treffen sich in geheimnisvollen Runden, um immer neue „Stille Taten“ zu erfinden. Zwar sind ihre Geschenke endlich, doch entfalten sie Zauberkräfte, sobald sie ins Schwarze treffen.
Constanze