Ach, es könnte schön sein ... Es könnte schön sein, wenn Menschen, die eigentlich keine Chance haben, doch Karriere machen können. Das große Amt in Nürnberg hat für jeden Menschen, der nach Arbeit anfragt, eine amtliche Schublade: Einmal Straßenkehrer immer Straßenkehrer und wenn grade keine Straßenkehrer gefragt sind, ist guter Rat ... äh, nicht zu haben. Doch halt! Wir wollen doch nicht jammern, wir wollen doch eine schöne Geschichte erzählen.
Ach, es könnte schön sein. Da war einmal ein König, Gerd der Niedersachse, König aller Automacher, der lebte zu Zeiten großen Unfriedens. Die einst so edlen Ritter hatten neue Länder entdeckt und schickten sich an, die eigenen Untertanen auszurauben. Deshalb sammelte der Sprecher der Plebejer seine Heerscharen und die Ritter verschanzten sich in ihren Festungen. Um den Frieden wieder herzustellen, rief der König das Bündnis aus und lud die Streithähne in sein Schloss. Die Streithähne palaverten miteinander, aber jeder Sprecher beharrte auf seinen Standpunkt. Da war guter Rat teuer. In seiner Not rief er seinen Hofnarren. Der sollte ... Nein, der sollte nicht seinen König mit Witzchen erheitern, er sollte auch nicht Rat geben. Wir sind doch nicht im Mittelalter, wo der Herrscher seinen Hofnarren fragen konnte: „Na, was meinst Du!?“. Wir sind im 21. Jahrhundert und da gründet man eine Kommission, schließlich besitzt im 21. Jahrhundert der gemeine Mann ein Gerät, welches Bilder und Töne aus aller Welt in sein Heim bringt und da muss jedes Wort des Herrschers für das Volk verkauft werden. Ich gebe ja zu, die Spötter pfiffen von den Dächern: Kennst Du das Ergebnis schon – gründe eine Kommission. Was soll das, Unke? Wir wollen ja eine schöne Geschichte erzählen.
Also: Der Hofnarr hatte eine Kommission gegründet und es wurde palavert und eines Tages trat der Hofnarr mit seinem Kanzler vor der Zunft der Schreiber hin und verkündete das Ergebnis. Da war eine Zahl: Eine Million Menschen sollten nicht mehr Almosen vom Amt bekommen und von ihrer Hände Arbeit leben können. Ein Wunder? Na, na! Hatte nicht einst Jesus Blinde und Lahme, die am Tempel auf Almosen warteten, geheilt? Na bitte!! Was ist schon dagegen das Versprechen eines Peter H ..., Pardon des Hofnarren. Der König lobte den Rat seines treuen Narren und versprach, den Rat prompt, ... Nein das hat er nicht versprochen ... eins zu eins umzusetzen und er sprach die weisen Worte von Fordern und Fördern. Damit waren die angesprochen, die in Zünften, Schreibstuben ... keine Chancen mehr sahen, weil sie zu lange dem Metier fern geblieben sind oder beim Warten auf dem Markt der Arbeit alt geworden waren.
Ja, ich weiß, damals unkten die ewigen Nörgler und malten das Gespenst der Not an die Wand. Doch so unmöglich, wie es schien, war die Angelegenheit nicht. Wer sich mit Outplacement auskennt, weiß, was ich meine und wer nicht, für den habe ich eine Geschichte. Ja, vom Hörensagen, doch nicht unmöglich. Der Deutschlandfunk ist in der Branche bekannt für seine vielen Gesprächsrunden zu politischen Tagesfragen. Ein Teilnehmer gab in einer dieser vielen Runden ein Märchen zum Besten: Die Firma Randstad aus Holland (war von der Stadt Köln beauftragt, Sozialhilfeempfänger in Lohn und Brot zu bringen) habe eine Frau (die in ihrem Metier gar keine Chance hatte) in eine Tierhandlung vermittelt. Die Frau hätte viel freie Zeit gehabt und, weil sie Tiere mochte, Fische gezüchtet und sich dabei in den Jahren das nötige Wissen angeeignet.
Ich gebe ja zu, die Wirklichkeit in den, was so leichtfertig Jobcenter genannt wird, sieht anders aus. Dass dem so ist, daran haben viele Akteure ihren Anteil, auch nicht nur Gerhard der Niedersachse und seine Vasallen. Die Konstruktion mit den Arbeitsgemeinschaften ist ja schon, na sagen wir es positiv, mutig. Dem Nürnberger Amt zur Verteilung von Almosen und nicht den Kommunen das letzte Wort zu geben, erwies sich nicht als besonders glücklich. Da sind aber auch die Herren und Damen der schreibenden Zunft, die abgesehen von Ausnahmen, die Welt der kleinen Leute schnurz ist. Doch auch die damalige Opposition hat mit ihren Spielchen auf Zeit kräftig zum Desaster beigetragen. Erinnert sei an die Probleme mit der Software. Ach, es könnte schön sein, wenn das Märchen von Fordern und Fördern wahr geworden wäre.
Jan Markowsky