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Es war einmal ein Glückskind, das war an einem Sonntag geboren. Als es herangewachsen und ein stattlicher Jüngling geworden war, verabschiedete es sich von seinen Eltern und zog in die Welt. Nach ein paar Tagen kam es in eine Stadt, in der alle mit gramvollen Gesichtern herumliefen. Das Glückskind fragte einen Mann, was hier los sei und erfuhr, dass die Stadt einstmals stolz auf ihr Handwerk gewesen sei, dass der Stadtfürst nun aber einen Befehl erlassen habe, der das Handwerk verbot. Daher waren sie arm und unglücklich und guter Rat teuer. Das Glückskind antwortete, dass es die Welt erkunden wolle, aber es versprach zurückzukommen, falls es einen solchen hätte.
Also zog es weiter und kam bald an einen großen, finsteren Wald. Ein Umweg schien ihm zu weit, so bahnte es sich einen Weg hinein. Bald begegnete ihm ein Hirsch. Dieser erschrak, als er den Menschen sah und fragte: Wie kommt es, dass du hier eingelangt bist? Wir sind Gefangene eines Zauberers, dürfen auf den Tod den Wald nicht verlassen und leben von den Wurzeln. Kannst du uns von diesem Bann befreien? Das Glückskind erwiderte, dass es sich in der Welt umhören wolle. Wenn ihm eine Lösung über den Weg liefe, käme es zurück. Es verabschiedete sich erneut und setzte seinen Weg fort.
Hinter dem Wald lag ein hohes Gebirge, wo die Luft von einem ohrenbetäubenden Dröhnen erfüllt war. Zwischen den Felsen sah das Glückskind einen mageren Mann, der versuchte, sein Feld zu bestellen. Unter dem Getöse fragte das Glückskind ihn, was er da tue? Und erfuhr, dass eine Bande Riesen da oben mit Felsblöcken Kegeln spielten und damit die Dorfbewohner in Angst hielten. Diese nähmen den Dörflern auch jedes Mal den Großteil der Ernte weg. Das Glückskind versprach, dass es zurückkäme, falls es in der Welt etwas in Erfahrung brächte, was ihnen helfen könne und ging weiter.
Nach einer Weile gelangte das Glückskind an ein Wasser, das zu breit und zu tief war, um es zu überqueren. Es setzte sich auf einen Stein und überlegte. Da teilten sich plötzlich die Wellen und ein Ungeheuer, halb Mensch halb Fisch, erschien. Das Glückskind wollte erschreckt davonlaufen, aber das Untier rief es an: Hab‘ keine Angst, ich tue dir nichts! Ich weiß, was du suchst und ich kann dich vieles lehren, wenn du nur bereit bist, mir unter das Wasser zu folgen. Das Glückskind besann sich nicht lange und sprang zu dem Ungeheuer ins Wasser. Auf dem Grund aber war eine eigene Welt. Dort gab es Felder und Wiesen und Städte und Wälder und alles, was es auch oben auf der Erde gab. Nur waren hier alle Bewohner glücklich und froh. Da fragte das Glückskind das Fabelwesen wie es käme, dass hier unten alles zum Besten stehe, aber oben Menschen und Tiere zu leiden hätten? Das Ungeheuer antwortete, dass sie zuerst oben gewohnt hätten, aber dass es immer jemanden gegeben habe, der dem anderen Befehle geben wollte. Darum waren sie hierher gekommen. Sie hatten sich darauf geeinigt, dass sie alles teilen und alles gemeinsam entscheiden würden. Nun hätten sie Frieden. Da fragte das Glückskind das weise Untier nach den Lösungen für die Stadtbewohner, die Tiere im Wald und die armen Dörfler. Dessen Antwort lautete: Die Bewohner der Stadt müssen sich zusammentun und den Berater des Stadtfürsten davonjagen. Dieser habe den Erlass erdacht, weil er Handel treibe und so viel Geld verdiene. Die Tiere im Wald müssten ganz einfach die Quelle des Baches finden und den glitzernden Stein, der dort liege, herausholen. Sobald er trocken sei, hätte der Zauberer seine Macht verloren und sie wären frei. Die Dörfler aber müssten sich ein Jahr versteckt halten. Dann würden die Riesen verhungern und die Menschen könnten in Frieden weiterleben. Als das Glückskind dies gehört hatte, sagte es Lebewohl und kehrte auf die Erde zurück.
Auf seinem Rückweg übermittelte es getreu die Ratschläge des Wasserwesens. Hocherfreut machten sich die Dörfler sofort daran, heimlich ihre Sachen zu packen. Auch die Tiere im Wald folgten dem Rat und holten den Stein aus der Quelle. Sofort lichteten sich die Bäume, die Luft wurde frei und die Tiere konnten gehen, wohin sie wollten.
Schließlich kam es in die Stadt der Hoffnungslosen. Als diese den Rat des Ungeheuers gehört hatten, taten sich die Menschen zusammen und jagten den Berater und auch gleich den Stadtfürsten davon. Dann kehrte das Glückskind nach Hause zurück, heiratete und lebte glücklich und zufrieden nach den Regeln, die es in der Unterwasserwelt erfahren hatte. Und wenn es nicht gestorben ist, dann lebt es noch heute.
Lou