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mob e.V. - Obdachlose machen mobil

Kehrseite I - Erwarten Sie nicht zu viel von diesem Artikel

Über das Warten mit seinen schönen und nervigen Seiten

Foto: Britta
Foto: Britta
Groß und Klein kennen es, niemand kommt drum herum, es wird nahezu ständig praktiziert und Musiker haben sogar schon Lieder darüber geschrieben. Die Rede ist nicht von Liebe, Hoffnung oder Streit – sondern vom Warten.

„Wenn du mal groß bist, darfst du das auch!“ ist ein Satz, den vermutlich jeder kennt. Zu jung, um all die tollen Dinge zu tun, die „die Großen“ machen dürfen. Auch das Lernen ist nicht einfach und erfordert Ausdauer. Üben ist manchmal wirklich schwer, aber es führt früher oder später doch zum Erfolg. „Ich will aber nicht warten!“ Wer will das schon? Auch wenn Kinder das anders sehen mögen, Erwachsene müssen manchmal sogar noch geduldiger sein. Nicht nur die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam, sondern auch die anderer Menschen. Wie lang kann ein Mann auf die Antwort seiner Angebeteten warten? Wann spielt die Lieblingsband des jungen Mädchens endlich wieder in ihrer Heimatstadt?

Auch wenn in Berlin die U-Bahn zeitweise im Fünfminutentakt fährt, hetzen viele ihr noch hinterher und quetschen sich durch die sich gerade schließenden Türen. Es gibt Menschen, die lieber aus dem fünften Stock eines Hochhauses die Treppe nach unten nehmen, weil der Fahrstuhl eventuell langsamer ist. Letzteres ist zwar gut für die Kondition, doch tritt auch hier wieder die Unlust aufs Warten zutage, und es gibt noch viel mehr Beispiele. Jemand hat einmal gesagt: „Das Schlimmste in der Vorhölle sind, wie beinahe überall, die unerträglichen Wartezeiten.“ Das klingt sehr realistisch, aber ist es wirklich so schrecklich?

„Vorfreude ist die schönste Freude.“, sagt ein Sprichwort und liegt doch gar nicht so falsch, wenn es um Weihnachten oder eine lange geplante Reise geht. Dennoch macht sich schnell Ungeduld breit, wenn das Geld dann doch noch nicht ganz reicht, um den neuen Laptop endlich zu kaufen. Hier sollte vielleicht Einstein nicht unerwähnt bleiben, denn schon er wusste, dass eben „alles relativ“ ist. Es scheint so, als wäre das Warten ein subjektives Gefühl, das von jedem bis zu einem gewissen Grad beeinflusst werden kann. Es kann gekürzt, verlängert oder ganz vertrieben werden; nur leider nicht immer.

Dass das Warten ein ständiger Prozess ist, mag nur wenigen wirklich bewusst sein. Mal abgesehen von den unzähligen Momenten an Verkehrshaltestellen, gibt es da auch noch Handwerker, die das Summen des Kühlschranks irgendwann mal überprüfen werden. Die Zeitangabe für ihr Erscheinen ist meist recht grob, was vielen Menschen ein Graus ist. Die Schlauen unter letzteren werden allerdings die Zeit für etwas nutzen, das auch unbedingt einmal gemacht werden muss. Organisation ist alles – und verbraucht so einige Minuten Wartezeit.

Warten wird also gern hingenommen, um irgendwann voranzukommen. Meist ist es auch nicht schlimm, denn währenddessen entstehen schon wieder ganz neue Sachen, auf die gewartet werden kann. Dennoch ist Hektik weit verbreitet und lässt zunehmend selten den „Zaubersatz“ vernehmen: „Ich kann warten!“
Britta
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