 Dreiachser-Doppeldecker; Foto: Andreas Düllick
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Seit 1905 prägen die großen Gelben nach dem Vorbild der zweistöckigen Pferdeomnibusse das Stadtbild. Damals wurden „double deckers“ am häufigsten in England eingesetzt; doch der rote Doppeldecker Londons wird seit 2005 durch konventionelle Gelenkbusse ersetzt.In Berlin bleibt der Doppelstockbus trotz jüngster Unfälle im Einsatz. Im Dezember 2007 ereigneten sich zwei Busunfälle, die ohne Oberdeck nicht passiert oder milder ausgefallen wären: Am 11.12.2007 erlitt ein Fahrer auf der Buslinie 222 während der Fahrt einen Kollaps, wodurch der Bus gegen einen Baum prallte. Dabei wurden der Fahrer und sechs Fahrgäste verletzt, zwei davon schwer. Ein Austauschschüler wurde durch die Frontscheibe des Oberdecks geschleudert und landete im Gebüsch. Der beschädigte Doppeldecker konnte nicht einmal mehr mit BVG-eigener Abschlepptechnik geborgen werden. Drei Tage später versuchte ein müder Fahrer abends auf einer Betriebsfahrt mit dem 4,06 m hohen Doppeldecker eine 3,70 m hohe Brücke zu passieren: Der Doppelstockbus wurde zum Cabriolet.
Ein wenig StatistikVon 1.310 Bussen sind 388 (jetzt nur noch 386) Doppeldecker und 311 Gelenkbusse auf den Straßen unterwegs. Auf einigen Linien werden Doppeldecker durch Gelenkbusse ersetzt (z. B. beim M 27). Auf der anderen Seite ist ein neuer Doppeldecker in Zusammenarbeit von M.A.N. und der BVG entwickelt worden. Dort werden Kinder das Sichtfenster über dem Führersitz vermissen, durch das der Fahrer mittels eines Spiegels das Oberdeck überblicken konnte. Im doppelgedeckten Neuen ersetzen digitale Kameras den Blick in den Spiegel. Bei der BVG heißt er DL. Der DL hatte 2004 seinen ersten Auftritt. Im Laufe des Jahres 2008 sollen insgesamt 300 Wagen dieses Typs zum Einsatz kommen. Sein Steckbrief: Dieselmotor MAN D 2866 LUH 24 im Heck, 310 PS / 228 kW, Hubraum 11967cm³, 6 Zylinder, 3 Achsen, Viergangautomatikgetriebe, 2,55 m breit, 13,70 m lang und 4,06 m hoch.
Auf der Buslinie 100 kann man ihn bereits erleben. Sie führt vom Bahnhof Zoo zur Siegessäule, durch den Tiergarten vorbei am Schloss Bellevue, am Bundestag und Brandenburger Tor entlang und „Unter den Linden“ hinab zum Alexanderplatz. Oft ist das Oberdeck komplett belegt, und einige Berlinbesucher, deren Köpfe über der steilen Treppe auftauchen, finden dort keinen Platz mehr.
Aber auch der Bus 200, meist noch ein älterer Doppeldecker, pendelt zwischen Zoo und Alex und über den Alexanderplatz hinaus. Er hält unter anderem an der Philharmonie, am Potsdamer Platz und an der Staatsoper. Wer oben einen Fensterplatz ergattert oder sogar ganz vorne sitzen kann, besichtigt Berlin aus gehobener Position: hoch über allen Pkws, über den Fußgängerampeln, den Straßenbahn- und Bushäuschendächern (seltsam, was manchmal auf diesen Dächern landet wie zum Beispiel ein Fahrradschloss oder ein Schuh). Gelegentlich reicht die Höhe des Oberdecks sogar in die Bäume am Straßenrand hinein.
Offizielle Sightseeingtouren bietet die BVG ab U-Bahnhof Kurfürstendamm (Café Kranzler) stündlich zwischen 10 und 17 Uhr in einem Extra-Bus an. Bei diesem Doppeldecker lässt sich das Oberdeck öffnen. Als Sonderaktion zu den Feiertagen konnte man sich ab Café Kranzler 100 Minuten lang durch das festlich beleuchtete Berlin fahren lassen.
Zwei Stadthälften – zwei WegeWährend der Teilung verfolgte man in West und Ost unterschiedliche Verkehrskonzepte. Der West-Berliner Senat verschrieb sich dem Aus- und Umbau zur autofreundlichen Stadt. Mitte der 50-er Jahre bis Oktober 1967 wurde die Straßenbahn eingestellt und die „Großen Gelben” zu einem Wahrzeichen Berlins. „Hier noch jemand zugestiegen?“ Vor 40 Jahren war der Heckeinstieg noch offen und Schaffner durchkämmten den Bus. Nach und nach bekamen Doppeldecker Türen oder wurden durch Eindecker ersetzt.
Auch im Ostteil Berlins beabsichtigte man eine autofreundliche Stadt und schränkte den Straßenbahnverkehr ein. Die Tram blieb aber immer integraler Bestandteil des Ost-Berliner Verkehrsnetzes. In den 70-er Jahren wurde sie sogar wieder verstärkt ausgebaut. Neue Doppeldecker wurden nicht entwickelt, sondern Vorhandene repariert und so lange wie möglich, zuletzt kaum noch eingesetzt. So kam es, dass die Wende ein Straßenbahnnetz im Osten mit überwiegend im Westen eingesetzten Doppeldeckern verband.
Constanze