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Wenn Frauen sich fast bis zur Unkenntlichkeit verändern

Anabolika im Sport

Quelle: www.texassports.com
Quelle: www.texassports.com
In einer Erzählung von Monika Helmecke erwacht die dreiundzwanzigjährige Karin nach einem Kaiserschnitt im Krankenhaus und wundert sich über die Vorgänge in ihrer Umgebung. Ihr Kopf schmerzt fürchterlich, eine fremde ältere Frau sitzt an ihrem Bett und küsst sie auf den Mund und angesprochen wird sie mit dem Namen Hans Hübchen. Doch sie heißt Karin. Und es kommt schlimmer. „Er tastete sein Gesicht ab, wollte Haare fühlen, griff an einen Verband. Habe ich kein Gefühl mehr in den Fingern? Alles ist so fremd, unwirklich, ja unheimlich. Ich betrachte zwei eigenartig geformte Stücke Holz, die auf der Bettdecke liegen. Wer hat denn hier Holz aufs Bett gelegt?“ Nachdem sie das Holz näher betrachtet, stellt sie fest, das sind Hände. Altmännerhände. Sie war während des Kaiserschnitts verstorben, doch ihr intaktes Gehirn wurde in den Körper des neunundfünfzigjährigen Hans transplantiert, in dem sie nun erwachte.

Es dauerte lange, bis sie sich damit abfand, ein anderes Geschlecht und einen behaarten Körper zu haben und in diesem Körper eines alten Mannes zu leben.

Während Karin ihre frühere Grazilität und Weiblichkeit schmerzvoll vermisst, gibt es unter einigen Frauen den Trend, genau diese Grazilität und zarte Weiblichkeit für ein maskulines und eher männliches Aussehen einzutauschen. Bodybuilderinnen beispielsweise sind Frauen, die oft an Männlichkeit kaum übertroffen werden können. Braungebrannte Muskelpakete, die auf Bühnen zu Meisterschaften posieren, ohne weibliche Brüste, die Brustwarzen durch kleine bikiniähnliche Dreiecke verhüllt, aber mit einem Brust- ,Oberarm- und Beinumfang, der an Arnold Schwarzenegger ohne Geschlechtumwandlung erinnert.

Geschuldet ist dieses maskuline Aussehen nicht unbedingt nur täglichem mehrstündigen Training, sondern oftmals auch der Einnahme von Anabolika und Steroiden. Diese Wachstumshormone bewirken einen schnellen Muskelaufbau. Bei Frauen wirken Anabolika besser als beim Mann, da Frauen einen geringeren natürlichen Testosteronspiegel im Blut haben. Diese Wirkung der Anabolika auf die inneren und äußeren Geschlechtsmerkmale bezeichnet man als androgene Wirkung. Die androgene Wirkung der Anabolika stellt eine Nebenwirkung beim Einsatz von Anabolika dar und kann bei der Anabolika-Produktion nicht ganz unterdrückt werden. Die Muskeln werden immer größer, die Frauen zu überdimensionierten Muskelpaketen.

Die Einnahme dieser verbotenen Mittel fällt im Freizeitsport nicht unter den Begriff „Doping“, sondern „Medikamenten-Missbrauch“ und ist nicht strafbar! Doch auch im Breitensport kann der Missbrauch tödlich enden. Florence Griffith-Joyner, eine der schnellsten Sprinterinnen aller Zeiten, verstarb 1998 im Alter von 38 Jahren, zehn Jahre nachdem sie bei den Olympischen Spielen von Seoul dreimal Gold gewann. Bis heute sind die Gerüchte nicht verstummt, die ihren Tod als Spätfolge hemmungslosen Dopings deuten. Aber nicht nur ihr Sprintvermögen, das einem plötzlichen Leistungssprung glich, auch die Veränderung ihres Körpers, ihre zunehmende Vermännlichung sind ein sehr starkes Indiz für die Einnahme von Steroiden. Zum Schluss erkannte man nur noch an ihren überdimensionalen Fingernägeln, dass es sich hier um eine Frau handelt.

Während Florence Griffith-Joyner all diese Veränderungen für den Ruhm und die Olympiasiege in Kauf nahm, vermännlichen sich andere Frauen, um bei dem Bodybuilding-Wettbewerben besser zu posen. Dort fallen sie nicht weiter auf, sie sind unter sich und den männlichen Bodybuildern, denen sie inzwischen so sehr gleichen. Wenn sie es schön finden, ist es das eine, wenn sie dadurch sterben jedoch etwas anderes.
Dinah

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