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mob e.V. - Obdachlose machen mobil

Adam und Eva 2.0

Die ersten Schwierigkeiten der Roboter- und KI-Technologien sind überwunden

Quelle: http://unit.bjork.com (©Chris Cunningham)
Quelle: http://unit.bjork.com (©Chris Cunningham)
Der Wunsch, lästige, anstrengende und entwürdigende Arbeit von Anderen übernehmen zu lassen, hat schon immer die Kreativität des Menschen beflügelt. Willen- und gefühllose Maschinen scheinen die Idealbesetzung, nicht umsonst leitet sich der von den Gebrüdern Capek in den frühen 20er Jahren des letzten Jahrhunderts geprägte Begriff „Roboter“ vom tschechischen Wort „robota“ für Sklaven- oder Fronarbeit ab. Der Durchschnittsbürger kennt den Mars-Erkundungsroboter „Opportunity“ oder die orangefarbenen, einarmigen Industrieroboter aus den Medien, oder aber prominente Roboter aus Literatur und Film inspirieren ihn zu romantischen bis endzeitlichen Zukunftsmalereien. Alles andere erscheint bisher wie fehleranfälliges Spielzeug auf wackligen Beinen. Doch Erfinder und Wissenschaftler, Großkonzerne und Militär sind unermüdlich dabei, die Robotertechnologien ständig weiterzuentwickeln. Schon bald wird es dem Bürger möglich sein, verschiedenartigste Diener sogar in seinen privaten Haushalt und vielleicht auch in sein Herz aufzunehmen.

Die Roboter kommen
Wie werden sie aussehen? Ob insektenähnlich, rad- und kettenangetrieben oder fliegend – die Geschöpfe werden vielfältige Bewegungsformen haben, ganz abhängig davon, ob sie putzen, transportieren, retten, spionieren, bekriegen oder spielen sollen. Aus Kosten- und Platzgründen könnte über eine drahtlose Anbindung vom Heim-PC die Datenverarbeitung des Roboters übernommen werden. Der an ein Frisbee erinnernde Staubsauger-Roboter der US-Firma iRobot beispielsweise ist schon seit einigen Jahren auf dem Markt erhältlich. Aber nicht nur der Haushalt ist ein Knochenjob. Auf den Orangenplantagen Kaliforniens sollen in den nächsten Jahren tausende meist mexikanische Erntehelfer durch Roboter ersetzt werden. Die nimmermüden achtarmigen Pflücker der US-Firma Vision Robotics haben dazu keine Schwierigkeiten mit der Einwanderungsbehörde. Sobald sie effektiv genug arbeiten, wollen andere Branchen wie Kirsch- und Spargelproduzenten nachziehen.

In Asien ist man vor allem fasziniert von menschenähnlichen Androiden. Bilder von Hondas ASIMO, der wie ein zu kurz geratener Astronaut aussieht, gehen seit Jahren um die Welt. Er läuft schon in Marschgeschwindigkeit, hört auf Kommandos, kann Gesichter wiedererkennen und kleine Lasten transportieren. Der ein Meter große koreanische „Rongun“ der Firma KornTech soll aufs Haus aufpassen und Spielgefährte für Kinder sein. Drahtlos mit dem Internet verbunden kann er die Eltern im Notfall über das Handy alarmieren. Überhaupt will Südkorea die führende Roboternation werden und den Weltmarkt mit billigen Haushaltsrobotern erobern. Bis 2020 soll in jedem Haushalt mindestens ein Roboter zu finden sein.

Spritzen von der Robo-Schwester
Der Überalterung der Gesellschaft und den massiven Einsparungen im Gesundheitswesen könnte man schon bald mit Roboterpflegern begegnen. Sie sollen in Schwärmen agieren und beispielsweise für Reinigungsaufgaben eingesetzt werden, mit Patienten und Besuchern kommunizieren sowie ihnen Lasten transportierend den Weg weisen. Auch könnten die Krankenhaus-Roboter später Blut abnehmen und Fieber messen, ohne ansteckende Krankheiten weiterzutragen.

Im Rahmen des Projekts IROMEC 1) in England spielt der kleinkindgroße Roboter “Kaspar” mit autistischen Kindern. Mit seinem kleinen Jungen nachempfundenen Gesicht und begrenztem Repertoire an Gesten (er bewegt Kopf, Kamera-Augen, Arme und Hände und schließt und öffnet Augenlider und Mund) soll er versuchen, Kontakt zu ihnen zu knüpfen, da es ihnen sonst unmöglich ist, mit anderen Kindern oder Erwachsenen zu interagieren. Die Hoffnung: Aus den modellhaften Reaktionen und Bewegungen des Roboters könnten betroffene Kinder durch Imitation soziale Umgangsweisen erlernen. In Studien wie dieser werden nicht zuletzt die Grundlagen für Mensch-Roboter-Kommunikation erforscht.

Die nächsten Roboter-Generationen werden in der Lage sein, gut auf den Menschen zu reagieren und einen halbwegs sinnvollen Dialog zu führen. Noch ist rechtlich nicht genau geklärt, wer beispielsweise im Falle eines Unfalles eines autonom agierenden Roboters die Verantwortung trägt. Spätestens wenn die technische Entwicklung der Roboter eines Tages so hoch sein sollte, dass sie sich selbst reproduzieren und selbst verbessern – damit eine Art künstlicher Intelligenz erlangen – werden wir Menschen uns fragen müssen, welche Rechte wir unseren Sklaven einräumen.
Michael Neumann

1) Interactive Robotic Social Mediators as Companions