home
  • english
  • polski
  • Espanol
  • japanisch
  • Francaise
  • russisch
  • rumnänisch
  • ungarisch
mob e.V. - Obdachlose machen mobil

Kehrseite III - Jag älskar sverige – … „weil jeder Schwede lacht und singt“*

Quelle: Mandy
Quelle: Mandy

Strapaziös! So in etwa könnte man meine Anreise nach Schweden nennen. 24 Stunden mit dem Bus durch deutsche, dänische und schwedische Weiten. Kein Schlaf, keine Zigaretten, keine Kommunikation. Und doch – ich war in hervorragender Stimmung, als der Bus endlich in Stockholm eintraf. Ein komplett neues Umfeld hat offenbar einen positiven Effekt auf die persönliche Stimmung, zumindest bei mir. Am Hauptbahnhof von Stockholm wartete zudem schon ein sehr guter Freund auf mich, der meine Stimmung um weitere Prozentpunkte erhöhte. Und die Sonne schien - was kann es besseres geben?

Schweden: Die Ärzte ließen sich schon dazu hinreißen, Schweden als „das schönste Land der Welt“ zu besingen. So weit möchte ich nicht gehen, doch irgendwie hat Stockholm einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Meine ersten Stunden in Stockholm haben mich leicht überfordert. Andere Länder, andere Sitten, wie es so schön heißt. Eine 30-minütige Fahrt zur WG meines Freundes nach Sköndal, einem Bezirk von Stockholm, zeigte dies sehr deutlich. Nicht nur, dass ich wie hierzulande auf dem Bürgeramt eine Nummer ziehen musste, um etwas so Unbedeutendes zu tun wie Geld zu wechseln. Auch an den Bussstationen war alles perfekt durchorganisiert: Die Menschen standen in einer ordentlichen Schlange vor den Bussen und stiegen dann der Reihe nach ein. Kein Gedrängel, kein Gemecker. Ich outete mich bei dieser Gelegenheit als Nicht-Schwedin, denn ich ignorierte die Schlange unwissentlich. Ein Fauxpas, welcher nicht der Einzige bleiben sollte.

Die nächsten Tage wollten für eine anständige Sightseeing-Tour genutzt werden. Und so geschah es auch. Ich war nicht der einzige Besuch in der 8er-Erasmus-Sozialpädagogen-WG in Sköndal und so begleitete mich noch ein weiterer Schweden-Debütant. Wir, mit mehr oder weniger sicherem Orientierungssinn, besuchten an unserem ersten Tag in Stockholm vor allem die Innenstadt, die sich durch eine erstaunliche Dichte von H&Ms auszeichnet. Sightseeing – ich muss wohl zugeben, dass es sich eher um Clothesseeing handelte. Und was auf keinen Fall unerwähnt bleiben darf: Sweetsseeing. Wir besuchten einen Laden, der bis zur Decke mit den unterschiedlichsten Süßigkeiten voll gestopft war, welche man sich nach eigenem Geschmack in Tüten zusammenstellen konnte.

Doch die darauffolgenden Tage wurden für das unvermeidliche, aber sehr spaßige Sightseeing genutzt. Dank des hervorragenden Wetters waren wir nicht allein. Die Stadt war voll von Touristen, die sich die Altstadt und deren enge Gassen anschauten. Das gleiche galt auch für das Vasa-Museum, in dem kein Knäckebrot, dafür aber ein fast vollständig erhaltenes Kriegsschiff (die Vasa) aus dem 17. Jahrhundert ausgestellt ist, das bei seiner Jungfernfahrt sank und in den 50er Jahren gehoben wurde. Menschen überall, und leider haben wir dank unseres nicht vorhandenen Orientierungssinns und unserer Probleme mit der schwedischen Sprache nur eine Stunde zur Besichtigung des Museums gehabt. Trotzdem, es hat sich gelohnt!

Wir verbrachten nicht nur die Tage in Stockholm, sondern auch unsere Abende und Nächte. So trafen wir uns an einem Abend mit Klas – einen ehemaligen strassenfeger-Mitarbeiter mit eigener Schweden-Sonderausgabe, um das Nachtleben zu erkunden. Wir stellten fest: Bars sind in Schweden nur bis 1 Uhr geöffnet, die Clubs bis 3 Uhr. Danach wird das Licht angemacht und man wird heraus komplimentiert. Und auch wenn sich Stockholm als recht teuer erwies, blieben die Kosten für Konzerteintritte oder Clubs relativ günstig. Kein Wunder, aber dafür ist Alkohol – wie überall in Schweden – sehr teuer. Ohnehin wird mit Alkohol und Zigaretten in Schweden sehr restriktiv umgegangen. Trinken auf der Straße ist nicht erwünscht! Alkoholische Getränke gibt es nur in so genannten Systembolagets. Mit dem Rauchen verhält es sich ähnlich. In geschlossenen Räumen ist es nicht gestattet. Deshalb haben sich die Schweden vor allem auf Snus verlegt, Tabak, der sich in kleinen Vlies-Säckchen befindet und unter die Oberlippe geschoben wird.

Das perfekte Kontrastprogramm dazu bot Sköndal: Wald und See und mittendrin die WG. Zwei Seiten, die ich von Stockholm erleben durfte. Der Ausblick über den See auf das entfernte Stockholm – allein dafür hat sich die Reise schon gelohnt! Jag älskar sverige – Ich liebe Schweden – übrigens auch ein Zitat aus dem bereits erwähnten Ärzte-Song. Zu Midsommar soll es besonders schön in Schweden sein. Vielleicht bin ich dann auch wieder dort.
Mandy

* Die Ärzte „Jag älskar sverige“ vom Album „Geräusch“
SSL Zertifikat