 Zwei 18-jährige Mädchen im Militärdienst auf Streife in den Straßen Jerusalems. Ihre Aufgabe ist es, Palästinenser anzuhalten, und ihre Ausweispapiere zu kontrollieren. Quelle: www.outnow.ch
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Das ist die entscheidende Frage:Wie nennen wir die Leute, die üble Ansichten hegen und verbreiten und – sobald sie an den Drücker kommen – immensen Schaden anrichten werden? Übeltäter? Schädlinge? Oder doch ganz simpel nur Verbrecher? Sobald diese Ansprüche religiös verklärt werden, nennen wir sie Fundamentalisten oder gleich Fanatisten – allerdings mit einer Ausnahme: wenn es sich um das „gelobte Land“ handelt.
Das scheint ein für alle Menschen jüdischen Glaubens reserviertes Gebiet zu sein. Doch das stimmt natürlich nicht. Bis zum Jahre 624 beteten alle Muslime Richtung Jerusalem, und denen bleibt es bis auf den heutigen Tag eine ihrer heiligsten Stätten. Dass sich aber auch gleich Dutzende christlicher Glaubensgemeinschaften um ihren Anteil an der „Stadt des Friedens“ bemühen, ist jedem Pilger gut bekannt. Das „gelobte Land“ ist ein viel gelobtes Land.
Stellen wir uns vor, dass es den wendischen Slawen einfallen würde, ihre angestammten heiligen Stätten zurückerlangen zu wollen. Drei Orte hätten sie sofort verlangt: Brendanburg (das heutige Brandenburg) und Straußberg (jetzt nahe der Hauptstadt) würden wir zurückübertragen müssen. Aber den Nachfahren von Jacksa von Köpenick gehörte gleich ein Viertel der deutschen Metropole. Dabei wurde ihnen das Land vor sechshundert Jahren geraubt!
Noch drastischer: Die gesamte ostelbische Besiedlung beginnt erst im 15. Jahrhundert. Aber dieses deutsche Stammland zurückzugeben – wem würde das in den Sinn kommen? Sechs Jahrhunderte später? Ganz zu schweigen davon, dass es niemand mehr zurückfordern kann. Denn dass die Völkerwanderungen stattgefunden haben, schafft niemand mehr aus der Welt.
Herzl – „Der Judenstaat“Was Theodor Herzl im Jahre 1896 beschrieben hatte, nämlich eine religiös motivierte Bewegung in Richtung Jerusalem, brachte den Menschen, die seit zwei Jahrtausenden dort lebten, zuerst nur eine sehr unbedeutende, eher touristische Schar ein. Es ist eine Tatsache, dass am Tag der Gründung des Staates Israel nur drei Prozent des Landes den neuen Eigentümern gehörten. Wie heute sämtliche Historiker bestätigen. Ebenso ist unbestritten, dass sich gegen die Landnahme der jüdischen Siedler anfangs nur wenig Widerstand regte.
Doch heute ist auch bekannt, dass in dieser Zeit auch die „Haganah“ (Selbstschutz) entstand. Diese paramilitärische Truppe sorgte mit sämtlichen Mitteln für Landgewinn – dass deren Terrorüberfälle auf arabische Siedlungen zum Programm gehörten, wird heute in Israel als Traditionspflege angesehen.
Tatsache ist, dass auf Grundlage des UN-Beschlusses vom 29. November 1947 am 14. Mai 1948, nach Ende des britischen Mandats, auf einem Teil des palästinensischen Territoriums der neue Staat proklamiert wurde. Angesichts der über Jahrtausende am jüdischen Volk verübten Verbrechen, besonders aber nach den Schrecken der Vernichtungslager, war die Frage, dass somit die Rechte der arabischen Bewohner Palästinas unterdrückt wurden, ganz offensichtlich zur Nebensache geworden. Daher lehnten viele Mitgliedsstaaten der Arabischen Liga diesen Beschluss ab – damit war ein permanenter Konfliktherd entstanden, da es nicht zur Bildung eines palästinensischen Staates gekommen ist.
Es ist von entscheidender Bedeutung festzuhalten, dass die Regierung des Staates Israel immer und immer noch auf die kriegerische Lösung von Konflikten setzt. Doch immer noch ist auch die Mehrheit der Israelis der Auffassung, dass Konflikte nicht anders gelöst werden können.
Wie wird Frieden gestiftet?Vor vierzig Jahren, mit den Ergebnissen des Krieges von 1967, entstand das Gewaltpotential, das notwendig die Gegengewalt in der dritten Generation erzeugt. Wie selbstverständlich wachsen in den Flüchtlingslagern radikalisierte Kämpfer auf! Was haben wir denn gedacht? Dass Israel Land raubt, aber diese Leute es hinnehmen, dass sie vertrieben wurden? Und selbst denen, die an israelischen Siedlungen wohnen dürfen, haben restriktive Gesetze das lebensnotwendige Wasser und damit die Grundlage der Landwirtschaft entzogen. Einhundert Meter weiter züchten Israelis Bananen.
Der Terrorismus aus GAZA beherrscht die internationale Meinung. Gleichzeitig zerstört die Armee Israels nebenbei Mummghar, einen Ort im Westjordanland! Dort geraten jetzt 2.500 Beduinen in eine hoffnungslose Situation. – Teil welchen Friedensprozesses kann das wohl sein?!
Der Sechstagekrieg, in dem Zehntausende Araber starben, brachte vier Millionen Palästinenser in Flüchtlingslager. Und während ich das schreibe, geraten in einem Camp im Norden von Libanon vierzigtausend Menschen zwischen die Fronten.
scharmann