Die
Sendung mit dem Aufzug hat eine Stimme verloren. Ich habe die klare helle und
Stimme noch im Ohr, mit der Miriam die Hörer jeden zweiten Sonntag kurz nach 14
Uhr begrüßte: „Willkommen ...” Sie
sprach schnell, weil sie aufgeregt war und in ihrer Aufregung unsicher, das
richtige Wort zur rechten Zeit auf der Zunge zu haben. Ich werde auch nie
vergessen, wie Miriam aus dem Bauch heraus eine Begebenheit aus ihrem Leben
erzählt hatte. Wie aus einem Maschinengewehr kamen die Worte, fünf Minuten
lang, ohne Pause, ohne Versprecher. Ich weiß nicht mehr, was sie gesagt hatte,
ich weiß aber, dass ich jedes Wort gut verstanden hatte. Jetzt fällt mir noch
ein: Es war eines jener Ärgernisse, die später erzählt wirklich lustig sind.
So war sie. Sie hatte sich nicht von den Widrigkeiten des
Lebens unterkriegen lassen und eine Hartz-IV-Empfängerin erlebt jede Menge
Widrigkeiten. Sie hatte sich als Bedienung die Hacken abgelaufen, bis ..., bis
der Insolvenzverwalter die Forderungen der Banken erfüllen musste und die Masse
für Lohnforderungen nicht mehr reichte, sie hatte sich selbständig gemacht und
dabei erfahren müssen, dass Bürokratieabbau nur für solvente Investoren gilt,
Menschen mit Ideen ... Mehr muss hier nicht gesagt werden.
Miriam
war eine aktive junge Frau, die etwas zu sagen hatte. Davon zeugen ihre Artikel
und abgedruckten Interviews im “strassenfeger”.
Ich
weiß, dreißig Jahre sind für einige junge Mädels alt, für einen alten Zausel,
der auf die sechzig zugeht, war sie eine junge Frau.
Ich bin nicht traurig, sie lebt einfach für mich weiter.
Wie lebendig sind die, die tot sind und wie tot sind oft die, die noch leben,
sang einst Wolf B in der Chausseestrasse. Hallo Miriam.
Jan Markowski