Ausgerechnet
zum 18. September 2005, also zum „Tag der Wahl“, hatten wir einen Sendetermin.
Wunderbar! Wir haben zwar schon vorher immer wieder zur bevorstehenden Wahl
Stellung bezogen, aber am Tag X zu senden, bedeutete für uns eine ganz
besondere Verantwortung wahrnehmen zu können und zu müssen. Als Demokraten
nutzten wir den Sendetermin, 14 Uhr, die Wahlberechtigten neutral einfach dazu
aufzurufen, Wählen zu gehen, egal wen. Dabei konnte allerdings auch gezeigt
werden, welche Hürden bestehen, wenn ein Obdachloser sein Wahlrecht einlösen
möchte. Er ist übrigens an den Hürden gescheitert.
„Die
Sendung mit dem Aufzug“ markiert sich damit als eine eigene Perspektive. Der
Kontext der Sendung verpflichtet und lenkt uns immer wieder in die Richtung,
aus der der strassen/feger kommt.
Unsere
Medienkompetenz ist gestiegen. Wir sind in der Lage, eine Sendung inhaltlich zu
inszenieren, wir haben ein Bewußtsein entwickelt, wie ein Beitrag aufgebaut
sein muß, damit dem Hörer ein Zuhören ermöglicht wird.
Wir
sind ein Team. Jeder kann sich einbringen und das heißt, Verantwortung
übernehmen. Außerdem konnten wir einem unserer Mitarbeiter die Möglichkeit
geben, an einem vom OKB angebotenen Moderatorentraining teilzunehmen. Er hat
viel gelernt und hätte dieses nicht, ohne den OKB.
Mit
den Livegästen hatten wir leider ein wenig Pech, Zusagen, ins Studio zu kommen,
wurden leider nicht eingehalten. In der Praxis hat uns die Notwendigkeit, den
fehlenden Gast improvisatorisch zu ersetzen zusammengeschweißt.
Trotzdem
ist es unser Ziel, Gäste in die Sendung zu holen. Denn auch in Bezug auf die
Kompetenz, ein inhaltlich gesättigtes Interview zu führen, sind wir
selbstbewußter geworden. Diese Kompetenz konnten wir uns in diversen Features aneignen,
die wir mit dem Equipment des OKB aufgezeichnet hatten, auf der Straße, mit
ausgewählten Gesprächspartnern, z.B. einem „Miethai“ im Kontext der Ausgabe:
„Raum ist in der kleinsten Hütte“.
Fazit:
Die von Unerfahrenheit erzwungene Experimentierphase der
Newcomerschiene hat sich in eine spielerische Experimentierphase mit dem Medium
Radio verwandelt. Wir haben auch ein Bewußtsein unserer Grenzen entwickelt.
Wir respektieren die Arbeit der anderen Teams der
OKB-Familie und möchten weiter unseren Beitrag leisten. Außerdem eröffnen sich
jetzt, mit zunehmender Erfahrung, Möglichkeiten der Bildung von Netzwerken,
gerade weil wir uns eine Stimme aneignen. Das Projekt „Radio“ erhält erst mit
zunehmender Dauer Akzeptanz und Anerkennung, gerade weil wir bewiesen haben,
keine Eintagsfliege zu sein, die schnell die Lust verliert. Nein, wir sind
süchtig! Wir möchten unbedingt weitermachen.
Denn alles braucht seine Zeit.
Holger Blank, 18.10.2005