 Wird von und für Obdachlose saniert: Rückübertragenes Haus in der Oderberger Foto: Maik Jespersen " Warum soll sich die deutsche Sprache für sesshaft gewordene Obdachlose ein neues Wort einfallen lassen?" Marola Lebeck
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Ein sanierungsbedürftiges Haus in der Oderberger Straße 12
liefert zurzeit Anschauungsunterricht zum Thema Reintegration
Obdachloser in die Gesellschaft. Ein Obdachlosenverein hat das Gebäude
gepachtet und schafft Wohnungen für Obdachlose.
Eine Tageszeitung erklärte Marola Lebeck gleich zum
"guten Menschen von Spandau". Solches Lob hört sie nicht gern, Hilfe
für Bedürftige ist für sie schon immer eine Selbstverständlichkeit
gewesen. Als sie in einer Obdachlosenzeitung von einem Projekt im
Odenwald las, wo Obdachlose sich in Selbsthilfe ein neues Zuhause
geschaffen hatten, war ihr klar: So etwas muss auch in Berlin möglich
sein. Das Haus in der Oderberger Straße 12, das ihr nach einem längeren
Rechtsstreit 1998 rückübertragen wurde, hat sie deshalb an den "mob
obdachlose machen mobil e.V." verpachtet - für 50 Jahre. Der Verein,
besser bekannt als Herausgeber der Straßenzeitung "stra|z", saniert
hier seit dem 1. April 2001 die Wohnungen im Vorder- und Hinterhaus mit
einer Wohnfläche von etwa 1000 Quadratmetern.
Für die
neun Mietparteien im Vorderhaus werden zurzeit Umsetzwohnungen
angemietet, das Hinterhaus steht seit der Wende leer. Hier sollen in
zwei Jahren circa 16 Obdachlose wohnen, die dann allerdings keine mehr
sind. Als Marola Lebeck ihr Projekt im Frühjahr 1999 den Mietern zum
ersten Mal vorstellte, gab es noch Fragen. Inzwischen freuen sich alle,
dass in dem Haus endlich etwas passiert. Ihre zukünftigen Mitbewohner
haben sie kennen gelernt, als diese das Hinterhaus entrümpelten.
Inzwischen haben sogar Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und Alex
Lubawinski, Bürgermeister des neuen Großbezirks, die Baustelle in der
Oderberger Straße besichtigt. Schließlich handelt es sich um ein
Pilotprojekt, das bundesweit Schule machen könnte und sollte.
Das
Projekt wird zu 85 Prozent über ein Senatsprogramm zur baulichen
Selbsthilfe finanziert, je zur Hälfte als Zuschuss und Darlehen durch
das Land Berlin. Auch die Ämter betraten dabei Neuland: Das Programm,
einst für die Hausbesetzer in Kreuzberg aufgelegt, wird heute meist von
Mietern genutzt, die ihr Haus von der Wohnungsbaugesellschaft
übernommen haben und nun in Eigenregie sanieren wollen. Marola Lebeck
hat ihren neuen Freunden vom Obdachlosenverein mob so manche Tür
geöffnet und teilweise vorhandene Skepsis in den Ämtern schnell
zerstreut.
Die erforderlichen 3,3 Millionen DM sind
inzwischen bewilligt, knapp 700000 DM müssen die Obdachlosen in
Eigenarbeit aufbringen. Stefan Schneider, der Vorsitzende von mob e.V.,
will dafür im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen arbeits- und
obdachlose Leute vom Fach engagieren.
Die Resonanz auf
das Vorhaben bei den "Betroffenen" ist außerordentlich gut. Viele
wollen mitarbeiten, die Aufräumungsarbeiten sind mittlerweile
abgeschlossen. Wer jetzt dabei ist und bis zum Ende der Bauarbeiten
durchhält, hat Aussicht auf eine Wohnung. Etwa 20 Interessenten bilden
derzeit den "harten Kern" des Teams. Die Anforderungen sind hart: kein
Alkohol auf der Baustelle, absolute Zuverlässigkeit, Disziplin. Stefan
Schneider rechnet auch mit Rückschlägen, und noch ist nicht
entschieden, inwieweit später eine soziale Betreuung vor Ort notwendig
sein wird.
Marola Lebeck sucht übrigens noch
Werkzeug, Gerüste und Baumaterial für ihr Projekt. Ein Anruf bei mob
e.V. genügt: Telefon 24 62 79 35.
Rainer Bratfisch
www.berliner-mieterverein.de/magazin/online/mm0401/040120a.htm