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Kältehilfesaison 2011/12 ist gestartet
Grund zur Freude – Grund zur Sorge
Die Saison beginnt
Zum 1. November öffneten die ersten Nachtcafés und Notübernachtungen ihre Türen für Menschen in Not. Das System der „Kältehilfe“ in Berlin mit seinem vielfältigen Angebot für die auf der Straße lebenden Menschen ist bundesweit einmalig, wahrscheinlich auch weltweit einmalig. Einmalig ist sicher auch das Informationssystem für gestrandete Menschen mit dem „Wegweiser der Kältehilfe“ und dem „Kältehilfetelefon“.
Pressekonferenz mit magerem Echo
Das Diakonische Werk Berlin Brandenburg Schlesische Oberlausitz hatte am 31. Oktober zu einer Pressekonferenz in die „Teupe“ geladen. Die „GEBEWO - Soziale Dienste - Berlin gGmbH“ hat auf dem Gelände eine Notübernachtung für 24 Männer eingerichtet. Zu beklagen ist wieder einmal das geringe Interesse der lokalen Medien am Thema ‚Ein Dach über dem Kopf für obdachlose Menschen im Winter‘. Der kleine Raum war übervoll, doch wenn da nicht die vielen Menschen wären, die von Berufs wegen mit der Kältehilfe zu tun haben, hätte dieser Raum in der „Teupe“ mehr als ausgereicht. Wenn dann noch in so einer Situation die Journalistin Maria Neuendorff in der „Märkischen Oderzeitung“ vom 1. November 2011 einen ausführlichen Artikel über die Kältehilfearbeit der Berliner Stadtmission, insbesondere der Bahnhofsmission am Zoo, veröffentlicht, dann mag das für die Öffentlichkeitsarbeit der Berliner Stadtmission hervorragend sein, weniger gut aber für die Darstellung des Systems der Kältehilfe in Berlin insgesamt. Wenigstens einen Artikel im „Neuen Deutschland“, einen kurzer Beitrag bei „tv.berlin“ und einen Hinweis im Nachrichtenblock der „rbb-Abendschau“ konnte ich finden. Hier hat die soziale Straßenzeitung strassenfeger eine wichtige Rolle in der Berliner Medienlandschaft.
Grund zur Freude – Grund zur Klage
In der Saison 2010/2011, so wurde auf der Pressekonferenz berichtet, sei in Berlin kein Obdachloser an der physischen Kälte gestorben. Und der letzte Winter war hart, verdammt hart. Zu begrüßen ist auch, dass sowohl die GEBEWO mit dem Angebot in der „Teupe“ als auch die Stadtmission mit einer Notübernachtung in Kreuzberg Ersatz für Einrichtungen schaffen konnten, die in dieser Saison nicht mehr zur Verfügung stehen. Es ist aber noch lange nicht alles in Ordnung. Die Saison startet mit weniger Plätzen (39) als in der letzten Saison vorhanden war. Die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt mit beginnender Wohnungsnot wird für einen erneuten Anstieg der Nachfrage nach warmen und sicheren Schlafplätzen sorgen. Auch für diesen Winter ist mit vielen Tagen strengen Frostes zu rechnen. Das Diakonische Werk rechnet mit einem Defizit von täglich 79 Schlafplätzen. In den vergangenen Jahren hat es eine Verschiebung des Angebotes von Notübernachtungsplätzen zu den Notübernachtungen gegeben. Hier sorgt sich die AG „Leben mit Obdachlosen“ um Plätze in Nachtcafés, die von mobilen Obdachlosen gern genutzt werden. Auch die Kosten-Leistungs-Rechnung, vom Ex-Senator Sarrazin als Bemessung der Zuweisung an die Bezirke für die Finanzierung der Angebote im Bezirk eingeführt, wird für die niedrigschwellige Wohnungslosenhilfe in der AG „Leben mit Obdachlosen“ kritisch gesehen.
Von Rock und Hemd
Auch mir ist mein Hemd näher als der Rock. Deshalb spreche ich noch über zwei Angebote der „Kältehilfe“, die mir besonders am Herzen liegen. Da ist ein Mal die Notübernachtung des Vereins mob – obdachlose machen mobil e.V. und zum anderen das Nachtcafé des Vereins „Unter Druck – Kultur von der Straße e.V.“. Beide Angebote werden nicht vom Bezirk und anderen staatlichen Stellen finanziert und sind deshalb auf Spenden angewiesen. Bei mob e.V. finden sieben Frauen und zehn Männer ein Dach über dem Kopf mit einem warmen und sicheren Bett. Außerdem gibt es die Möglichkeit des Waschens und Duschens, Waschen und Trocknen der Wäsche, kostenfreie Internetnutzung, die Nutzung des sozialen Treffpunkts „Kaffee Bankrott“ und Sozial- und Hartz IV-und Rechts-Beratung sowie eine weitergehende Unterstützung bei Problemen mit Behörden.

Unter „Druck – Kultur von der Straße e.V.“ lädt seit dem 3. November am Donnerstag 15 Obdachlose ein. Die Betten werden gemeinsam aufgebaut und bezogen, am nächsten Morgen abgezogen und abgebaut. Natürlich wird abends eine warme Mahlzeit gereicht und am nächsten Morgen ein Frühstück. Dusche, Waschmaschine und Trockner stehen für die persönliche Hygiene der Gäste zur Verfügung. Gemeinsames Sehen von Videos rundet das Angebot ab. Die Mitarbeiter des Nachtcafés haben Erfahrung in der Wohnungslosenhilfe und sind jederzeit ansprechbar. Und wenn größere Probleme zu klären sind, hat im Tagesbetrieb zu den Öffnungszeiten eine Sozialarbeiterin ein offenes Ohr. Das Nachtcafé wurde bis 2009 vom Bezirk Mitte mit Zuwendungen finanziert. In dieser Saison sind November und Dezember durch Mittel des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes absichert, aber der Winter endet ja nicht zu Sylvester. Die Obdachlosen danken hier für Spenden.




