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Der einen Freud ist der anderen Leid

Warum die Gier nach Rohstoffen uns alle betrifft

Rohstoffe. Dieser Begriff bezeichnet laut Wikipedia „natürliche Ressourcen, die bis auf die Lösung aus ihrer natürlichen Quelle noch keine Bearbeitung erfahren haben.“ Sie bestimmen unser Leben immer und überall. Entweder nutzen wir Sie direkt, beispielsweise in Form pflanzlicher Nahrung oder sie bilden die Grundlage für Produkte. Die Nachfrage nach Rohstoffen aller Art ist riesig. Gerade jene, die nicht nachwachsen, sind besonders begehrt. Dass um Erdöl und Diamanten Kriege geführt wurden und werden, ist ein alter Hut. Jeder weiß, dass diese Rohstoffe knapper werden und deshalb wertvoll sind. Längst wurden Mittel ergriffen um zum Beispiel den illegalen Handel mit so genannten Blutdiamanten zu unterbinden. Inwieweit diese Maßnahmen Früchte tragen, steht auf einem anderen Blatt, denn die Gier der „zivilisierten“ Welt scheint unermesslich zu sein.

Doch es ist eben diese Gier der Menschen aus den Industrienationen und Schwellenländern nach immer neuen technischen Errungenschaften, die die Ausbeutung der vorhandenen Rohstoffquellen weiter befördert. Wir machen uns keine Gedanken über Rohstoffe und ihre zweifelhafte Herkunft, wenn wir uns das neueste Handy kaufen. Laut Umweltbundesamt liegen in deutschen Haushalten 60 Millionen Handys herum. Unwahrscheinlich, dass die alle defekt sind. Nein, es ist unsere Gier nach Neuem, die uns umtreibt.

Aber was hat das nun mit der Gier nach Rohstoffen zu tun? Handys sind ein gutes Beispiel, denn fast jeder hat eines (oder eben mehrere). Ein wichtiges Metall bei der Herstellung von Handys ist Coltan, eine Legierung, die das teure Metall Tantal enthält. Tantal wurde vom Pentagon als „Strategische Ressource“ eingestuft. Die EU erstellte bereits 2009 eine Liste, die besonders wichtige Rohstoffe benennt. Tantal ist eines von 14 Metallen, die auf diese Liste genommen wurden. Es findet in der Raumfahrttechnik, beim Bau von Chemieanlagen und eben in der Kommunikations- und Computertechnologie Verwendung. Ohne Tantal kein Coltan und ohne Coltan weder Handys noch Spielkonsolen.

Doch nicht das Tantal selbst ist das Problem, sondern der Abbau. Man schätzt, dass 80 Prozent der weltweiten Tantalvorkommen in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) liegen. Dabei ist Tantal nur einer von vielen seltenen Rohstoffen, die in Afrika zu finden sind. Ein UN-Bericht zur illegalen Ausbeutung von Rohstoffen in der DR Kongo stellte fest, dass das Ziel des Krieges, der seit 2003 offiziell beendet ist, die Kontrolle und die Ausbeutung von fünf namentlich genannten Rohstoffen war: Gold, Diamanten, Kobalt, Kupfer und Coltan. Auf der Liste der EU werden mindestens drei Metalle aufgeführt, die überwiegend in der DR Kongo lagern.

Was nützt es da, wenn europäische Konzerne wie die Bayer-Tochter H.C.Starck kein Tantal aus der DR Kongo verwenden oder Nachweise darüber verlangen, dass die entsprechenden Rohstoffe legal abgebaut wurden?

Das bringt uns dann wieder zu den Mobiltelefonen, die wir fast alle besitzen. Wer kann von sich behaupten ein in Deutschland produziertes Handy in der Tasche zu haben? In den aufstrebenden Schwellenländern wie China kümmert es jedoch wenig, woher die Rohstoffe kommen. Illegal abgebaute Rohstoffe werden über Zwischenhändler in die ganze Welt verkauft und in den Ursprungsregionen bleiben bewaffnete Konflikte an der Tagesordnung. Die westliche Welt profitiert gleich zweimal. Da die Mehrzahl der technischen Geräte sowieso nicht hier produziert wird, behält man eine „weiße Weste“, da man hier ja nur die Produkte verkauft. Auf der anderen Seite profitieren die Rüstungskonzerne, die Waffenlobby und kriminelle Organisationen, denn wer würde die Waffen kaufen, wenn nirgends mehr Menschen unterdrückt werden müssten?

Daran sollte jeder von uns denken, wenn er oder sie das alte Handy ablegt obwohl es eigentlich noch seinen Zweck erfüllt. Ein großes deutsches Telekommunikationsunternehmen sammelt dieser Tage alte Handys um diese zu recyceln und die Erlöse zu spenden. So wird doch noch etwas Gutes getan – ein Happy End mit Fragezeichen.

Holger

Ausgabe 24, November 2011


Inhaltsverzeichnis:


Seite 02

Edito

Liebe Leserinnen und Leser,

Seite 03

Spür keine Gier – und sei von Sünde frei?

Über Todsünden und himmelschreiende Sünden

Seite 04

Gewinnmaximierung ist wie Komasaufen

Ein fatal falsches Ziel menschlichen Wirtschaftens

Seite 05

Die Legende vom Gierbanker

Von Legenden und Folgen der Politik

Seite 06

Hohe Nebeneinkünfte für den Parlamentsschwänzer

Die unmäßige Gier des SPD-Bundestagsabgeordneten Peer Steinbrück

Seite 08

Alles Ego, oder was?

Der Mythos von der Geilheit des Geizes

Seite 09

„Auf dass alles, was ich berühre, zu Gold werde“

Das Thema der Gier in der Antike: die Sagen von Midas und Krösus

Seite 10

Darf’s noch etwas mehr sein?

Die Wirtschaft kann nicht bis ins Unendliche wachsen

Seite 11

Gier – Anatomie einer menschlichen Eigenschaft

Wie Gier entsteht

Seite 12

Der einen Freud ist der anderen Leid

Warum die Gier nach Rohstoffen uns alle betrifft

Seite 13

Zinsen – ein kapitaler kapitalistischer Denkfehler

Die soziale Schere ist die Folge

Seite 14

Wie viel Erde braucht der Mensch?

Was ist wirklich wichtig in Leben eines Menschen

Seite 15

Der Bund der Steuerzahler meldet sich zu Wort

39. Ausgabe des Schwarzbuchs „Die öffentliche Verschwendung 2011“

Seite 16

Polnische Saison an der Spree

So viel Polen in Berlin war noch nie! Unser Nachbarland nutzt seine gegenwärtige EU-Ratspräsidentschaft, um die nationale Kultur in einem bisher nie da gewesen Umfang zu zeigen

Seite 20

„Musik zu machen im direkten Austausch mit dem Publikum, das ist nicht zu toppen.“

Der Mannheimer Musiker Laith Al-Deen über Herkunft, Sprache und sein aktuelles Album

Seite 24

Kältehilfesaison 2011/12 ist gestartet

Grund zur Freude – Grund zur Sorge

Seite 25

Krakau lockt nicht nur Touristen an

Im Herbst und Winter ziehen Gestrandete und Bedürftige aus ganz Polen in die alte Königsstadt ein

Seite 26

Diskriminierung ohne Ende? (2)

Die 600jährige Geschichte der Sinti und Roma in Deutschland ist die Geschichte von Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung

Seite 28

„Hallo, ich bin Iker, ich komme aus Spanien, Barcelona.“

Der spanische Spielmacher bringt „Füchse Berlin“ zurück in der Erfolgsspur

Seite 29

Achtung! Hartz IV

Die „Härtefallregelung“ des § 21 Abs.6 Teil 2

Seite 30

Mittendrin

Seite 31

Leserbrief

Seite 31_b

Besuch vom Internationalen Netzwerk der Straßenzeitungen (INSP)