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„Auf dass alles, was ich berühre, zu Gold werde“

Das Thema der Gier in der Antike: die Sagen von Midas und Krösus

 

König Midas und der unheilvolle Wunsch nach grenzenlosem Reichtum

König Midas ist eine Sagengestalt, die in ihrer Gier nach Reichtum blind wurde für den wahren Wert der Dinge. Eines Tages fanden Midas‘ Diener Silenos, einen Gefährten des Gottes Dionysos, von übermäßigem Weingenuss dösend auf einem Feld. Als Midas ihn zu Dionysos zurückbrachte, gewährte ihm der Gott zum Dank die Gnade, sich eine Gabe freier Wahl zu erbitten. Midas Wahl jedoch wurde durch Gier nach Reichtum bestimmt: „Mache, dass sich alles, was ich mit meinem Körper berühre, in reines Gold verwandle!“

Seine Bitte wurde Midas gewährt. Er hob einen Stein auf und hielt einen Goldklumpen in den Händen. Er pflückte einen Apfel vom Baum und dieser wurde zu Gold. Egal was er berührte, Ähren auf dem Feld, Zweige an einem Baum, den Türpfosten seines Palastes, selbst das gemächlich dahinfließende Wasser eines Flusses, alles verwandelte sich in seinen Händen in das glänzende Metall. Hoch erfreut über seine neue Gabe ließ sich Midas von seinen Dienern ein Festmahl bereiten, um seinen neuen Reichtum zu feiern. Genüsslich biss er am Tisch in ein Stück Braten – und hatte statt zarten Fleisches ein Stück hartes Metall zwischen den Zähnen. Dann griff er zum Wein – flüssiges Gold rann in seinen Magen herab. Da wurde Midas klar, was für einen Fluch er mit seiner Bitte auf sich geladen hatte.

In vollkommener Verzweiflung rief Midas nun Dionysos an und flehte, dass dieser die unheilvolle Gabe, die für ihn zum Fluch geworden war, wieder von ihm nehmen möge. Dionysos, der ihm nichts Böses wollte, gewährte ihm die Bitte: Er trug Midas auf, zum nahegelegenen Fluss Paktolos zu gehen, und dort seine Gabe und gleichzeitig auch seine Schuld abzuwaschen. Midas folgte dem Befehl und wurde dadurch von seinem Fluch erlöst. Die Gabe des Goldes ging der Sage nach auf den Paktolos über, in dem zwar weiterhin normales Wasser floss, der aber seitdem große Mengen an Goldklumpen mit sich führte.

König Krösus und das unheilvolle Prahlen mit Reichtum

Der Fluss Paktolos und sein Goldreichtum existieren jedoch nicht nur in der Sage von König Midas, sondern auch in der Wirklichkeit: Der Paktolos war ein Fluss, der durch Lydien floss, und tatsächlich große Mengen an Goldklumpen mit sich führte. Der Goldreichtum des Flusses war auch ein Grund für den Reichtum eines anderen aus zahlreiche Sagen und Sprichwörtern bekannten Königs: König Krösus. Der historische Krösus herrschte im 6. Jahrhundert vor Christus über das in Kleinasien gelegenen Lydien. Sein Reichtum regte die Phantasie des Volkes und zahlreicher Dichter an, so dass sich mit der Zeit Legenden über ihn ausbildeten und mit den historischen Tatsachen vermischten.

Auch der griechische Dichter und Geschichtsschreiber Herodot berichtet auf diese Art von Krösus‘ Eitelkeit und Selbstüberschätzung. Als der Weise Solon zu Gast bei Krösus war, führte dieser ihn durch seine ausgedehnten Schatzkammern und fragte ihn: „Wen erachtest du als glücklichsten Menschen auf der Welt?“ Er erwartete dabei, nach der Demonstration seines Reichtums von Solon genannt zu werden. Solon jedoch erwähnte stattdessen zwei einfache Menschen, die ein besonders tugendhaftes Leben geführt hatten. Verwundert fragt ihn Krösus daraufhin, ob er ihn denn nicht für ebenso glücklich halte. Hierauf antwortete Solon, dass das Schicksal launisch sei, und er erst wisse, ob Krösus wirklich als glücklich zu bezeichnen sei, wenn Krösus sein Leben auch glücklich abgeschlossen habe.

Einige Jahre später griff Krösus das mächtige Perserreich an. Zuvor war ihm vom Orakel von Delphi geweissagt worden, er werde ein großes Königreich zerstören, sollte er den Fluss zwischen den beiden Ländern überschreiten. Die Mehrdeutigkeit des Orakelspruches wurde Krösus in seiner Selbstüberschätzung nicht bewusst: Durch die Überquerung zerstörte er in der Tat ein großes Königreich – jedoch nicht das persische, sondern sein eigenes. So sollte der Erzählung nach Solon in seiner Einschätzung Recht behalten.

Lisa V.

Ausgabe 24, November 2011


Inhaltsverzeichnis:


Seite 02

Edito

Liebe Leserinnen und Leser,

Seite 03

Spür keine Gier – und sei von Sünde frei?

Über Todsünden und himmelschreiende Sünden

Seite 04

Gewinnmaximierung ist wie Komasaufen

Ein fatal falsches Ziel menschlichen Wirtschaftens

Seite 05

Die Legende vom Gierbanker

Von Legenden und Folgen der Politik

Seite 06

Hohe Nebeneinkünfte für den Parlamentsschwänzer

Die unmäßige Gier des SPD-Bundestagsabgeordneten Peer Steinbrück

Seite 08

Alles Ego, oder was?

Der Mythos von der Geilheit des Geizes

Seite 09

„Auf dass alles, was ich berühre, zu Gold werde“

Das Thema der Gier in der Antike: die Sagen von Midas und Krösus

Seite 10

Darf’s noch etwas mehr sein?

Die Wirtschaft kann nicht bis ins Unendliche wachsen

Seite 11

Gier – Anatomie einer menschlichen Eigenschaft

Wie Gier entsteht

Seite 12

Der einen Freud ist der anderen Leid

Warum die Gier nach Rohstoffen uns alle betrifft

Seite 13

Zinsen – ein kapitaler kapitalistischer Denkfehler

Die soziale Schere ist die Folge

Seite 14

Wie viel Erde braucht der Mensch?

Was ist wirklich wichtig in Leben eines Menschen

Seite 15

Der Bund der Steuerzahler meldet sich zu Wort

39. Ausgabe des Schwarzbuchs „Die öffentliche Verschwendung 2011“

Seite 16

Polnische Saison an der Spree

So viel Polen in Berlin war noch nie! Unser Nachbarland nutzt seine gegenwärtige EU-Ratspräsidentschaft, um die nationale Kultur in einem bisher nie da gewesen Umfang zu zeigen

Seite 20

„Musik zu machen im direkten Austausch mit dem Publikum, das ist nicht zu toppen.“

Der Mannheimer Musiker Laith Al-Deen über Herkunft, Sprache und sein aktuelles Album

Seite 24

Kältehilfesaison 2011/12 ist gestartet

Grund zur Freude – Grund zur Sorge

Seite 25

Krakau lockt nicht nur Touristen an

Im Herbst und Winter ziehen Gestrandete und Bedürftige aus ganz Polen in die alte Königsstadt ein

Seite 26

Diskriminierung ohne Ende? (2)

Die 600jährige Geschichte der Sinti und Roma in Deutschland ist die Geschichte von Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung

Seite 28

„Hallo, ich bin Iker, ich komme aus Spanien, Barcelona.“

Der spanische Spielmacher bringt „Füchse Berlin“ zurück in der Erfolgsspur

Seite 29

Achtung! Hartz IV

Die „Härtefallregelung“ des § 21 Abs.6 Teil 2

Seite 30

Mittendrin

Seite 31

Leserbrief

Seite 31_b

Besuch vom Internationalen Netzwerk der Straßenzeitungen (INSP)