Ausgabe_24_2011 > Seite 06

Hohe Nebeneinkünfte für den Parlamentsschwänzer

Die unmäßige Gier des SPD-Bundestagsabgeordneten Peer Steinbrück

Peer Steinbrück (SPD) ist derzeit der beliebteste Politiker Deutschlands. Im ZDF-Politbarometer liegt er auf der Notenskala für Spitzenpolitiker von +5 bis -5 mit 1,7 klar vorn. Die SPD-Ikone Helmut Schmidt hat ihn gerade als Kanzlerkandidat seiner Partei in Stellung gebracht. Seine Aussichten, demnächst Angela Merkel abzulösen, stehen sehr gut. Woran das wohl liegen mag?

Steinbrück ist seit September 2009 Mitglied des Deutschen Bundestags. Doch die Internetplattform abgeordnetenwatch.de findet, dass er seinen Job anscheinend nicht ernst nimmt. So habe Steinbrück 2010 in mindestens zwei Fällen Gastvorträge gehalten, bei Bundestagssitzungen am selben Tag jedoch gefehlt, monieren die Parlamentsbeobachter. Dabei handele es sich um eine Haushaltsdebatte am 21. Januar sowie eine Sitzung zur Regierungserklärung von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) am 23. April 2010. Außerdem habe der ehemalige Finanzminister seit der Bundestagswahl 2009 an 12 von 19 „wichtigen“ Parlamentsabstimmungen nicht teilgenommen, etwa bei der Abstimmung über die Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes oder über das Wachstumsbeschleunigungsgesetz der Bundesregierung.

Als Bundestagsabgeordneter steht Peer Steinbrück (SPD) in Diensten des Volkes oder wie es in §44a Absatz 1 des Abgeordnetengesetzes mahnend heißt: „Die Ausübung des Mandats steht im Mittelpunkt der Tätigkeit eines Mitglieds des Bundestages.“ Die Geschäftsordnung des Bundestags verpflichtet Abgeordnete ausdrücklich zur Teilnahme „an den Arbeiten des Bundestages”, also etwa an Plenar- und Ausschusssitzungen. Dafür erhalten sie eine Entschädigung, in Höhe von derzeit 7.668 Euro pro Monat. Dazu kommt die steuerfreie Kostenpauschale in Höhe von 3.969 Euro pro Monat. Macht zusammen schlappe 11.637 Euro pro Monat, knapp 140.00 Euro im Jahr!!! (Zum Vergleich: Das einkommensteuerliche Existenzminimum dagegen beläuft sich derzeit für Alleinstehende auf 667 Euro pro Monat, das sind 8.004 Euro pro Jahr! Der Grundversorgungsbetrag für Hartz VI-Empfänger liegt bei 364 Euro pro Monat, 4368 Euro pro Jahr!) Doch für Steinbrück gibt’s noch viel Mehr: Sein Zuschuss zur Krankenversicherung beträgt ca. 250 Euro/Monat. Ferner werden seine Dienstreisekosten übernommen. Steinbrück steht außerdem eine Netzkarte der Deutschen Bahn AG zu. Bis zu 15.053 Euro/Monat werden für die Gehälter der Angestellten des Abgeordneten Steinbrück bezahlt. Eigentlich eine ganz ordentliche Honorierung der Unabhängigkeit eines Abgeordneten, sollte man meinen.

Anscheinend reicht das dem designierten Kanzlerkandidaten der SPD nicht. Neben den Diäten etc. für sein Bundestagsmandat hat Steinbrück 2011 bislang Honorare in Höhe von mindestens 94.500 Euro angegeben, wahrscheinlich aber viel mehr erhalten:

*Grundlage für die Angabe der unten aufgeführten Nebentätigkeiten und Einkünften bilden die „Verhaltensregeln für Mitglieder des Deutschen Bundestags“. Einkünfte sind nur anzugeben, wenn diese im Monat den Betrag von 1.000 Euro oder im Jahr den Betrag von 10.000 Euro für eine einzelne Tätigkeit übersteigen. Die Höhe der Einkünfte werden lediglich in Stufen angegeben: Stufe 1: 1.000 – 3.500 Euro, Stufe 2: 3.500 – 7.000 Euro und Stufe 3: über 7.000 Euro.

Darüber hinaus übt Steinbrück folgende bezahlte Funktionen in Unternehmen aus:

  • Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA, Dortmund, Mitglied des Aufsichtsrates
  • ThyssenKrupp AG, Essen, Mitglied des Aufsichtsrates, Verdienst, 2011: über 7.000 Euro

Das Politmagazin „Kontrovers“ präsentierte im Juli im Bayerischen Fernsehen Neuigkeiten über die Nebeneinkünfte von Peer Steinbrück: Danach erhält Steinbrück für einen Vortrag ein Honorar in Höhe von 20.000 Euro. Das geht aus dem Angebot einer Rednervermittlung hervor, das dem Magazin vorliegt. Steinbrücks Einkünfte allein aus Honorarvorträgen dürften sich seit der Bundestagswahl im September 2009 auf gut eine Million Euro belaufen (47 Vorträge der Stufe 3, je zwei Vorträge der Stufe 1 und 2).

„Kontrovers“ hat übrigens weitere Beispiele dafür gefunden, dass Steinbrück im Bundestag fehlte und zeitgleich auf Vortragsreise war. Als das Parlament am 23. Februar 2011 über die Plagiatsvorwürfe gegen den Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg debattierte, trat Steinbrück als Redner bei einer Konferenz für Immobilieninvestoren im Frankfurter Steigenberger Hotel auf. Bei der Haushaltsdebatte am 21. Januar 2010 war der SPD-Finanzexperte nicht nur wegen eines Auftritts bei der „Trend und Service-Messe EK Live“ im Parlament abwesend, sondern außerdem auch wegen der Teilnahme an der Hauptversammlung von Thyssen-Krupp, bei der er zum Aufsichtsrat berufen wurde.

Zusammengestellt von Andreas Düllick

Quellen:  www.abgeordnetenwatch.de   •   www.bundestag.de  •  www.spiegel.de

Ausgabe 24, November 2011


Inhaltsverzeichnis:


Seite 02

Edito

Liebe Leserinnen und Leser,

Seite 03

Spür keine Gier – und sei von Sünde frei?

Über Todsünden und himmelschreiende Sünden

Seite 04

Gewinnmaximierung ist wie Komasaufen

Ein fatal falsches Ziel menschlichen Wirtschaftens

Seite 05

Die Legende vom Gierbanker

Von Legenden und Folgen der Politik

Seite 06

Hohe Nebeneinkünfte für den Parlamentsschwänzer

Die unmäßige Gier des SPD-Bundestagsabgeordneten Peer Steinbrück

Seite 08

Alles Ego, oder was?

Der Mythos von der Geilheit des Geizes

Seite 09

„Auf dass alles, was ich berühre, zu Gold werde“

Das Thema der Gier in der Antike: die Sagen von Midas und Krösus

Seite 10

Darf’s noch etwas mehr sein?

Die Wirtschaft kann nicht bis ins Unendliche wachsen

Seite 11

Gier – Anatomie einer menschlichen Eigenschaft

Wie Gier entsteht

Seite 12

Der einen Freud ist der anderen Leid

Warum die Gier nach Rohstoffen uns alle betrifft

Seite 13

Zinsen – ein kapitaler kapitalistischer Denkfehler

Die soziale Schere ist die Folge

Seite 14

Wie viel Erde braucht der Mensch?

Was ist wirklich wichtig in Leben eines Menschen

Seite 15

Der Bund der Steuerzahler meldet sich zu Wort

39. Ausgabe des Schwarzbuchs „Die öffentliche Verschwendung 2011“

Seite 16

Polnische Saison an der Spree

So viel Polen in Berlin war noch nie! Unser Nachbarland nutzt seine gegenwärtige EU-Ratspräsidentschaft, um die nationale Kultur in einem bisher nie da gewesen Umfang zu zeigen

Seite 20

„Musik zu machen im direkten Austausch mit dem Publikum, das ist nicht zu toppen.“

Der Mannheimer Musiker Laith Al-Deen über Herkunft, Sprache und sein aktuelles Album

Seite 24

Kältehilfesaison 2011/12 ist gestartet

Grund zur Freude – Grund zur Sorge

Seite 25

Krakau lockt nicht nur Touristen an

Im Herbst und Winter ziehen Gestrandete und Bedürftige aus ganz Polen in die alte Königsstadt ein

Seite 26

Diskriminierung ohne Ende? (2)

Die 600jährige Geschichte der Sinti und Roma in Deutschland ist die Geschichte von Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung

Seite 28

„Hallo, ich bin Iker, ich komme aus Spanien, Barcelona.“

Der spanische Spielmacher bringt „Füchse Berlin“ zurück in der Erfolgsspur

Seite 29

Achtung! Hartz IV

Die „Härtefallregelung“ des § 21 Abs.6 Teil 2

Seite 30

Mittendrin

Seite 31

Leserbrief

Seite 31_b

Besuch vom Internationalen Netzwerk der Straßenzeitungen (INSP)