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Gewinnmaximierung ist wie Komasaufen

Ein fatal falsches Ziel menschlichen Wirtschaftens

Wirtschaften bedeutet, richtig verstanden, die Herstellung der Güter und (Dienst-)Leistun-gen, die für einen angemessenen Lebensunterhalt der Menschen erforderlich sind. Es muss, und das ist selbstverständlich und wird deshalb oft übersehen, im Einklang mit den Natur- und Schöpfungsgesetzen stehen. Denn der Mensch ist Teil der Natur, er lebt von ihr und mit ihr und in ihr. Er ist total von ihr abhängig und ihren Gesetzen unterworfen. Keine drei Minuten kann er ohne den Sauerstoff der Luft leben. Nicht einmal einen läppischen Hosenknopf kann er produzieren – ohne die Natur.

Beim Wirtschaften haben sich Spezialisierung und Arbeitsteilung herausgebildet – jeder macht nur noch das, was er am besten kann -, was logischerweise die Produktivität der Gruppe und damit ihren Lebensstandard steigert; andererseits aber auch zur Notwendigkeit des Tauschens führt, zu Handel und Geldwesen. Da sich diese Vorgänge auf die Gruppe beziehen, die gemeinsam wirtschaftet, spricht man von Sozialprodukt und von Volkswirtschaft oder Nationalökonomie.

Grundsätzlich soll das Wirtschaften einen Überschuss erbringen – man holt mehr heraus, als man hineingesteckt hat -, also einen Gewinn. Denn der Mensch als ein geistiges und sich-selbst-bewusstes Lebewesen hat anders als die Tiere, die aufhören zu fressen, zu sammeln und zu jagen, sobald sie satt sind, zusätzlichen Bedarf, der über den unmittelbaren, auch komfortablen Lebensunterhalt hinausgeht: für Planung, Forschung, technischen Fortschritt, Investitionen, Bildung, Kulturelles, Soziales, Religiöses usw. Aber immer, wie eingangs  gesagt, im Rahmen und nach Maßgabe der Naturgesetze; also durch ein nachhaltiges Wirtschaften, das die Substanz der Erde im Wesentlichen unberührt lassen und die irdische Existenzgrundlage für nachfolgende Generationen erhalten soll (zu denen auch die heute Lebenden gehören, wenn man richtigerweise der Reinkarnationslehre folgt).

Und immer auch unter dem Gesichtspunkt des sozialen Produzierens oder der Volkswirtschaft, des Gemeinschaftsgedankens. Infolge von Spezialisierung und Arbeitsteilung innerhalb einer Gruppe werden ja die einzelnen Gruppenmitglieder nicht eigenständig und unabhängig. Ganz im Gegenteil, sie werden mehr und mehr voneinander abhängig. (Der Leser möge einmal für sich beantworten, wie viele Gegenstände und Leistungen des täglichen Bedarfs er noch selber herstellen kann. Praktisch keine.) Dieser Gemeinschaftsgedanke beinhaltet aber auch, dass jedes Gruppenmitglied nicht nur ein Recht auf Versorgung und Unterhalt gegen die Gruppe hat, sondern auch ein Recht auf Mitwirkung am Wirtschaftsprozess, auf Arbeit. Hier ausgeschlossen zu werden, ist eine schwere, auch psychische Verletzung des Menschen und seiner Würde; ein Trauma, das den meisten Psychologen noch nicht aufgefallen ist. Jedenfalls habe ich einen diesbezüglichen Aufschrei, einen flammenden Appell an die Öffentlichkeit – und an das politische Führungspersonal – noch nicht vernommen. Andauernde Arbeitslosigkeit ist eine Form der schleichenden Menschenvernichtung.

All dies – Bedarfsdeckung der Menschen und Beteiligung am Herstellungsprozess – ist Zweck des Wirtschaftens. Wenn man aber die Gewinnerzielung – ungeachtet der Bedarfsdeckung und der Beteiligung - zum Hauptzweck macht und die Gewinnmaximierung anstrebt, die ja jeweils aus der beschränkten subjektiven Sicht eines Unternehmers, oftmals eines Geldkapitalisten, definiert wird, ist das ein fatal falsches Vorgehen. Gewinnsteigerung in der realen Wirtschaft durch erhöhte Produktion (Wachstum, Wachstum, Wachstum) geht zwangsläufig vor allem zu Lasten der Erde und ihrer Rohstoffe. Gewinnsteigerung im monetären Bereich geht vor allem zu Lasten der Arbeitenden und führt zu Massenarbeitslosigkeit.

In der Natur gibt es nichts Vergleichbares. Das konnten sich nur fehlgeleitete Menschenhirne ausdenken.

Und alles nur, um einigen neurotischen und verantwortungslosen Wirtschaftsbossen die Genugtuung und den Triumph zu verschaffen, die Reichsten, die Mächtigsten, die Größten zu sein, mit ihrem Reichtum und Luxus zu protzen, ihrer Geld- und Machtgier, ihrer Eitelkeit und Geltungssucht zu frönen; losgelöst von jeglicher Vernunft und Bodenhaftung, von den Natur- und Schöpfungsgesetzen. Und alles ohne eine nennenswerte Leistung, sondern unter Ausnutzung unseres kriminellen Geld- und Zinssystem sowie meistens mit Korruption der Staatsgewalt. Dieses „Programm“ schließt die Vernichtung der Erde und damit der Menschheit mit ein.

Gewinnmaximierung ist sinnlos und schädlich wie Komasaufen.

Bernhardt

Ausgabe 24, November 2011


Inhaltsverzeichnis:


Seite 02

Edito

Liebe Leserinnen und Leser,

Seite 03

Spür keine Gier – und sei von Sünde frei?

Über Todsünden und himmelschreiende Sünden

Seite 04

Gewinnmaximierung ist wie Komasaufen

Ein fatal falsches Ziel menschlichen Wirtschaftens

Seite 05

Die Legende vom Gierbanker

Von Legenden und Folgen der Politik

Seite 06

Hohe Nebeneinkünfte für den Parlamentsschwänzer

Die unmäßige Gier des SPD-Bundestagsabgeordneten Peer Steinbrück

Seite 08

Alles Ego, oder was?

Der Mythos von der Geilheit des Geizes

Seite 09

„Auf dass alles, was ich berühre, zu Gold werde“

Das Thema der Gier in der Antike: die Sagen von Midas und Krösus

Seite 10

Darf’s noch etwas mehr sein?

Die Wirtschaft kann nicht bis ins Unendliche wachsen

Seite 11

Gier – Anatomie einer menschlichen Eigenschaft

Wie Gier entsteht

Seite 12

Der einen Freud ist der anderen Leid

Warum die Gier nach Rohstoffen uns alle betrifft

Seite 13

Zinsen – ein kapitaler kapitalistischer Denkfehler

Die soziale Schere ist die Folge

Seite 14

Wie viel Erde braucht der Mensch?

Was ist wirklich wichtig in Leben eines Menschen

Seite 15

Der Bund der Steuerzahler meldet sich zu Wort

39. Ausgabe des Schwarzbuchs „Die öffentliche Verschwendung 2011“

Seite 16

Polnische Saison an der Spree

So viel Polen in Berlin war noch nie! Unser Nachbarland nutzt seine gegenwärtige EU-Ratspräsidentschaft, um die nationale Kultur in einem bisher nie da gewesen Umfang zu zeigen

Seite 20

„Musik zu machen im direkten Austausch mit dem Publikum, das ist nicht zu toppen.“

Der Mannheimer Musiker Laith Al-Deen über Herkunft, Sprache und sein aktuelles Album

Seite 24

Kältehilfesaison 2011/12 ist gestartet

Grund zur Freude – Grund zur Sorge

Seite 25

Krakau lockt nicht nur Touristen an

Im Herbst und Winter ziehen Gestrandete und Bedürftige aus ganz Polen in die alte Königsstadt ein

Seite 26

Diskriminierung ohne Ende? (2)

Die 600jährige Geschichte der Sinti und Roma in Deutschland ist die Geschichte von Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung

Seite 28

„Hallo, ich bin Iker, ich komme aus Spanien, Barcelona.“

Der spanische Spielmacher bringt „Füchse Berlin“ zurück in der Erfolgsspur

Seite 29

Achtung! Hartz IV

Die „Härtefallregelung“ des § 21 Abs.6 Teil 2

Seite 30

Mittendrin

Seite 31

Leserbrief

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Besuch vom Internationalen Netzwerk der Straßenzeitungen (INSP)