Ausgabe_24_2011 > Seite 04
Gewinnmaximierung ist wie Komasaufen
Ein fatal falsches Ziel menschlichen Wirtschaftens
Wirtschaften bedeutet, richtig verstanden, die Herstellung der Güter und (Dienst-)Leistun-gen, die für einen angemessenen Lebensunterhalt der Menschen erforderlich sind. Es muss, und das ist selbstverständlich und wird deshalb oft übersehen, im Einklang mit den Natur- und Schöpfungsgesetzen stehen. Denn der Mensch ist Teil der Natur, er lebt von ihr und mit ihr und in ihr. Er ist total von ihr abhängig und ihren Gesetzen unterworfen. Keine drei Minuten kann er ohne den Sauerstoff der Luft leben. Nicht einmal einen läppischen Hosenknopf kann er produzieren – ohne die Natur.

Beim Wirtschaften haben sich Spezialisierung und Arbeitsteilung herausgebildet – jeder macht nur noch das, was er am besten kann -, was logischerweise die Produktivität der Gruppe und damit ihren Lebensstandard steigert; andererseits aber auch zur Notwendigkeit des Tauschens führt, zu Handel und Geldwesen. Da sich diese Vorgänge auf die Gruppe beziehen, die gemeinsam wirtschaftet, spricht man von Sozialprodukt und von Volkswirtschaft oder Nationalökonomie.
Grundsätzlich soll das Wirtschaften einen Überschuss erbringen – man holt mehr heraus, als man hineingesteckt hat -, also einen Gewinn. Denn der Mensch als ein geistiges und sich-selbst-bewusstes Lebewesen hat anders als die Tiere, die aufhören zu fressen, zu sammeln und zu jagen, sobald sie satt sind, zusätzlichen Bedarf, der über den unmittelbaren, auch komfortablen Lebensunterhalt hinausgeht: für Planung, Forschung, technischen Fortschritt, Investitionen, Bildung, Kulturelles, Soziales, Religiöses usw. Aber immer, wie eingangs gesagt, im Rahmen und nach Maßgabe der Naturgesetze; also durch ein nachhaltiges Wirtschaften, das die Substanz der Erde im Wesentlichen unberührt lassen und die irdische Existenzgrundlage für nachfolgende Generationen erhalten soll (zu denen auch die heute Lebenden gehören, wenn man richtigerweise der Reinkarnationslehre folgt).
Und immer auch unter dem Gesichtspunkt des sozialen Produzierens oder der Volkswirtschaft, des Gemeinschaftsgedankens. Infolge von Spezialisierung und Arbeitsteilung innerhalb einer Gruppe werden ja die einzelnen Gruppenmitglieder nicht eigenständig und unabhängig. Ganz im Gegenteil, sie werden mehr und mehr voneinander abhängig. (Der Leser möge einmal für sich beantworten, wie viele Gegenstände und Leistungen des täglichen Bedarfs er noch selber herstellen kann. Praktisch keine.) Dieser Gemeinschaftsgedanke beinhaltet aber auch, dass jedes Gruppenmitglied nicht nur ein Recht auf Versorgung und Unterhalt gegen die Gruppe hat, sondern auch ein Recht auf Mitwirkung am Wirtschaftsprozess, auf Arbeit. Hier ausgeschlossen zu werden, ist eine schwere, auch psychische Verletzung des Menschen und seiner Würde; ein Trauma, das den meisten Psychologen noch nicht aufgefallen ist. Jedenfalls habe ich einen diesbezüglichen Aufschrei, einen flammenden Appell an die Öffentlichkeit – und an das politische Führungspersonal – noch nicht vernommen. Andauernde Arbeitslosigkeit ist eine Form der schleichenden Menschenvernichtung.
All dies – Bedarfsdeckung der Menschen und Beteiligung am Herstellungsprozess – ist Zweck des Wirtschaftens. Wenn man aber die Gewinnerzielung – ungeachtet der Bedarfsdeckung und der Beteiligung - zum Hauptzweck macht und die Gewinnmaximierung anstrebt, die ja jeweils aus der beschränkten subjektiven Sicht eines Unternehmers, oftmals eines Geldkapitalisten, definiert wird, ist das ein fatal falsches Vorgehen. Gewinnsteigerung in der realen Wirtschaft durch erhöhte Produktion (Wachstum, Wachstum, Wachstum) geht zwangsläufig vor allem zu Lasten der Erde und ihrer Rohstoffe. Gewinnsteigerung im monetären Bereich geht vor allem zu Lasten der Arbeitenden und führt zu Massenarbeitslosigkeit.
In der Natur gibt es nichts Vergleichbares. Das konnten sich nur fehlgeleitete Menschenhirne ausdenken.
Und alles nur, um einigen neurotischen und verantwortungslosen Wirtschaftsbossen die Genugtuung und den Triumph zu verschaffen, die Reichsten, die Mächtigsten, die Größten zu sein, mit ihrem Reichtum und Luxus zu protzen, ihrer Geld- und Machtgier, ihrer Eitelkeit und Geltungssucht zu frönen; losgelöst von jeglicher Vernunft und Bodenhaftung, von den Natur- und Schöpfungsgesetzen. Und alles ohne eine nennenswerte Leistung, sondern unter Ausnutzung unseres kriminellen Geld- und Zinssystem sowie meistens mit Korruption der Staatsgewalt. Dieses „Programm“ schließt die Vernichtung der Erde und damit der Menschheit mit ein.
Gewinnmaximierung ist sinnlos und schädlich wie Komasaufen.




