home
  • english
  • polski
  • Espanol
  • japanisch
  • Francaise
  • russisch
  • rumnänisch
  • ungarisch
mob e.V. - Obdachlose machen mobil

Jahresbericht 2006

erstellt von Stefan Schneider

Das Jahr 2006 stand bei mob e.V./ strassenfeger im Zeichen der Kontinuität in Verbindung mit dem Versuch, bestehende Angebote weiter zu entwickeln und zu verbessern. Im Sommer 2006 wurde Matthias Leder (EDV-Abteilung) in den Vorstand des Vereins gewählt, nachdem Lothar Markwardt (Kaffee Bankrott) nach 2jähriger Amtszeit im Vorstand nicht mehr kandidierte. Stefan Schneider und Jutta Welle sind noch bis 2007 gewählt. Durch einige Eintritte stieg die Zahl der Vereinsmitglieder auf 29 Personen an.

Strassenfeger

Die Redaktion vom Strassenfeger produzierte 14tägig eine neue Ausgabe des strassenfegers in seiner bekannten thematischen Vielfalt. Nicht zuletzt wegen in inhaltlichen Qualität war die Auflagenzahl leicht steigend, von über 20.000 zu Jahresbeginn bis hin zu einer Auflage um die 22.000 Exemplare zu Jahresende. Dabei wurden nahezu alle gedruckten Exemplare auch durch die Verkaufenden in Umlauf gebraucht.

Ein besondererer Höhepunkt war die Medienpartnerschaft mit der Dreigroschenoper im Admiralspalast mit Campino als Mackie Messer und in der Regie von Klaus Maria Brandauer. Die strassenfeger – Redaktion hatte exklusiven Zugang zur Produktion und zu den Stars, es wurde eine Extraausgabe produziert und nicht nur im Straßenverkauf, sondern auch während den Aufführungen von Verkäufern als Programmheft verkauft.

Von dem Erlös der Anzeigenstaffel für die Dreigroschenoper konnte der Ausbau der neuen Küche wesentlich vorangetrieben werden. Die öffentliche Redaktionssitzung jeden Dienstag um 17:00 Uhr war immer gut besucht von 20 – 30 Mitwirkenden, auch konnte die Redaktion immer wieder interessierte Gäste (Journalisten, Praktikantinnen, Studierende) aus dem In- und Ausland begrüssen.

Notübernachtung

Die ganzjährig geöffnete Notübernachtung mit 16 Plätzen (10 Männer, 6 Frauen) war durchgängig zwischen 90 und 100% ausgelastet, der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund war unverändert hoch mit etwa 1/3 der Übernachter. Die durchschnittliche Verbleibsdauer der Gäste betrug einen Monat (28 Tage), nicht immer war eine Vermittlung in eine Wohnung oder eine andere angemessene Form der Unterbringung möglich.

Zur Verbesserung der Aufsicht wurde ab dem April 2006 eine Nachtwache eingeführt. Die Ausbildung war ebenfalls ein Schwerpunkt, viele Studierende der Sozialen Arbeit und der Heilerziehungspflege aus Hochschulen aus ganz Deutschland konnten innerhalb des Teams der Notübernachtung ihr Praktikum absolvieren, darunter auch 2 Auslandspraktikantinnen aus der Schweiz.

Für das Jahr 2007 ist eine komplettrenovierung der Notübernachtung einschließlich der Sanitärräume geplant.

Kaffee Bankrott

Der gangjährig von Montag bis Sonntag 08:00 – 20:00 Uhr geöffnete Treffpunkt Kaffee Bankrott war trotz der parallel laufenden Umbau- und Ausbauarbeiten gut besucht, 60 – 70, in Spitzenzeiten 90 Mittagessen wurden ausgegeben. Zu den Besuchern gehören:
  1. die Gäste der Notübernachtung
  2. die Verkäuferinnen des strassenfegers
  3. die MitarbeiterInnen des Vereins uns seiner Projekte
  4. Menschen aus der Nachbarschaft

Das Angebot der Sozialberatung und der Rechtsberatung 1x in der Woche wurde ebenfalls gut wahrgenommen. Für 2007 ist geplant

  1. die neu gebaute Küche zu eröffnen
  2. das Angebot um eine Schuldnerberatung zu ergänzen
  3. den Treffpunkt Kaffee Bankrott auch in den Abendstunden für ein Kulturprogramm zu öffnen.

Im Dezember 2006 konnte der Verein vom Berliner Bordell Artemis eine Spende in Höhe von 5.000 Euro entgegennehmen. Dem voraus ging einer intensive vereinsinterne Diskussion, an dessen Ende sich der Verein einstimmig für die Annahme der Spende aussprach. Auch dieser Betrag wird de Ausbau- und Umbau der neuen Küche des Kaffee Bankrotts wesentlich voranbringen. Insbesondere die Be- und Entlüftung, aber auch die Kühlzelle stellen für den Verein sehr große Kostenpositionen dar.

Gebrauchtwarenkaufhaus und Wohnungseinrichtungshilfe

Das Trödelprojekt ist – abhängig von Angebot und Nachfrage – in einer ständigen Umstrukturierung begriffen. Im Herbst 2006 wurde damit begonnen, dieses Projekt auf eine breitere Basis zu stellen. Geplant ist eine Anmietung neuer Räumlichkeiten an der Berliner Str. in Pankow, um das Angebot einem breiteren Publikum zu erschießen.
Das Angebot wird genutzt von wohnungslosen Menschen, die sich wieder komplett eine Wohnung einrichten wollen, sowie von weiteren Bedürftigen (vor allem ALG II – Beziehern), die nur wenig Geld für eine passende Wohnungseinrichtung zur Verfügung haben

Selbsthilfehaus Oderberger Str. 12

Bei den 18 Wohneinheiten war im Jahr 2006 lediglich ein Auszug zu verzeichnen, die freie Wohnung konnte an einen Nutzer der Notübernachtung von mob e.V. vermietet werden. Ansonsten gab es – bis auf vereinzelte unregelmässigkeiten bei der Mietenzahlung – keine größeren Probleme. Inzwischen wohnen 4 kleine Kinder in dem Haus, für die im Hof Spielangebote zu entwickeln sind.

Baulich gibt es an einer Wand Feuchtigkeitsprobleme, die offenbar durch fehlerhaften Putz zurückzurühren sind. Dieses Problem ist in Bearbeitung.

Der 70er Jahre-Trödelladen im Souterrain des Vorderhauses wird von der Kundschaft gut angenommen, auch das Buchhaltungsbüro des Vereins im Hinterhaus Hochparterre ist sehr gut genutzt.

Finanzielles

Am 28.12.2006 erteilte das Finanzamt für Körperschaften I dem Verein für das Jahr 2005 die Gemeinnützigkeit. Damit ist der Verein für die Jahre 2006-2008 als gemeinnützig anerkannt. Der Jahresabschluß 2006 wird voraussichtlich im Jahr 2007 fristgerecht erfolgen. Damit sind die baubedingten Verzögerungen (Selbsthilfebauvorhaben Oderberger Str. 12 2000 – 2003) nach drei Jahren abgebaut.

Personelles

Eine Mehrauswandsentschädigungsmaßnahme (MAE), sog. 1-Euro-Jobs mit 16 Teilnehmern, gefördert vom JobCenter Pankow, wurde am 01.06.2006 begonnen, die Teilnehmerinnen sind in allen Projekten des Vereins eingesetzt.

Darüber hinaus ist mob e.V. Einsatzstelle für MAE und arbeitet mit vielen Trägern in Berlin und sogar Brandenburg zusammen. Grundlage dabei ist immer die gemeinnützigkeit des Vereins, die Zusätzlichkeit des Projekts und das öffentliche Interesse.

Freiwilligenjahr/ FSJ. Klas Stahl aus Stockholm, der im Herbst sein Europäisches Freiwilligenjahr in der Redaktion beendete, erstellte zum Abschied eine strassenfeger Ausgabe zum Thema Schweden, sein Nachfolger ist Filip Bastiaensen aus Belgien.
Die FSJ-lerin Michaela Braun beendete ebenfalls ihr Freiwillgenjahr in der Redaktion zum August, ihre Nachfolgerin Friederike Tauscher hat sich entschieden, in der Notübernachtung des Vereins mit zu arbeiten.

Erstmalig hat der Verein im Dezember 2006 neben einer Weihnachtsfeier für die Notübernachtung (Heiligabend) und einer Weihnachtsfeier im Kaffee Bankrott (Freitag vor Weihnachten) auch eine Weihnachtsfeier für Mitarbeiterinnen durchgeführt. Die Zahl von 164 Einladungen zeigt, wie groß der Kreis an MitarbeiterInnen und Mitwirkenden bei mob e.V. inzwischen geworden ist. Tatsächlich kamen über 80 Menschen zur Weihnachtsfeier in die Backfabrik.

Ausblicke

Für das Jahr 2007 sind geplant

  1. eine Sonderausgabe Hartz IV – Ratgeber
  2. ein strassenfeger – Pressefest
  3. die Fertigstellung der neuen Küche vom Kaffee Bankrott
  4. die Komplettrenovierung der Notübernachtung
  5. eine Erweiterung des Projekts Gebrauchtwarenkaufhaus
Berlin 26.06.2007

Stefan Schneider
für den Verein mob e.V.