Mob e.V. – Obdachlose machen mobil

Zwischenbilanz beim Strassenfeger-Radio

Ein Beitrag von Holger Blank, Oktober 2005

Ausgerechnet zum 18. September 2005, also zum "Tag der Wahl", hatten wir einen Sendetermin. Wunderbar! Wir haben zwar schon vorher immer wieder zur bevorstehenden Wahl Stellung bezogen, aber am Tag X zu senden, bedeutete für uns eine ganz besondere Verantwortung wahrnehmen zu können und zu müssen. Als Demokraten nutzten wir den Sendetermin, 14 Uhr, die Wahlberechtigten neutral einfach dazu aufzurufen, Wählen zu gehen, egal wen. Dabei konnte allerdings auch gezeigt werden, welche Hürden bestehen, wenn ein Obdachloser sein Wahlrecht einlösen möchte. Er ist übrigens an den Hürden gescheitert.

"Die Sendung mit dem Aufzug" markiert sich damit als eine eigene Perspektive. Der Kontext der Sendung verpflichtet und lenkt uns immer wieder in die Richtung, aus der der strassen/feger kommt.

Unsere Medienkompetenz ist gestiegen. Wir sind in der Lage, eine Sendung inhaltlich zu inszenieren, wir haben ein Bewußtsein entwickelt, wie ein Beitrag aufgebaut sein muß, damit dem Hörer ein Zuhören ermöglicht wird.

Wir sind ein Team. Jeder kann sich einbringen und das heißt, Verantwortung übernehmen. Außerdem konnten wir einem unserer Mitarbeiter die Möglichkeit geben, an einem vom OKB angebotenen Moderatorentraining teilzunehmen. Er hat viel gelernt und hätte dieses nicht, ohne den OKB.

Mit den Livegästen hatten wir leider ein wenig Pech, Zusagen, ins Studio zu kommen, wurden leider nicht eingehalten. In der Praxis hat uns die Notwendigkeit, den fehlenden Gast improvisatorisch zu ersetzen zusammengeschweißt.

Trotzdem ist es unser Ziel, Gäste in die Sendung zu holen. Denn auch in Bezug auf die Kompetenz, ein inhaltlich gesättigtes Interview zu führen, sind wir selbstbewußter geworden. Diese Kompetenz konnten wir uns in diversen Features aneignen, die wir mit dem Equipment des OKB aufgezeichnet hatten, auf der Straße, mit ausgewählten Gesprächspartnern, z.B. einem "Miethai" im Kontext der Ausgabe: "Raum ist in der kleinsten Hütte".

Fazit:

Die von Unerfahrenheit erzwungene Experimentierphase der Newcomerschiene hat sich in eine spielerische Experimentierphase mit dem Medium Radio verwandelt. Wir haben auch ein Bewußtsein unserer Grenzen entwickelt.

Wir respektieren die Arbeit der anderen Teams der OKB-Familie und möchten weiter unseren Beitrag leisten. Außerdem eröffnen sich jetzt, mit zunehmender Erfahrung, Möglichkeiten der Bildung von Netzwerken, gerade weil wir uns eine Stimme aneignen. Das Projekt "Radio" erhält erst mit zunehmender Dauer Akzeptanz und Anerkennung, gerade weil wir bewiesen haben, keine Eintagsfliege zu sein, die schnell die Lust verliert. Nein, wir sind süchtig! Wir möchten unbedingt weitermachen.

Denn alles braucht seine Zeit.

Holger Blank, 18.10.2005

SSL Zertifikate