Sie halten den zweiten Teil unserer Trilogie „Lesen, Schreiben, Rechnen” in den Händen. Beim Schreiben denkt man wohl zuerst an die unüberschaubare Zahl an Büchern, die in einem Menschenleben niemals bewältigt werden kann. Erinnern Sie sich an „Die neuen Leiden des jungen W.“ von Ulrich Plenzdorf? Edgar Wibeau, der tragische Held, meint, dass er sich angesichts der ungeheuren Menge an Literatur nur auf ein einziges Buch konzentrieren will. Er entscheidet sich für Goethes „Leiden des jungen Werther“.
Um zu einer derart radikalen Ansicht zu kommen, muss man vielleicht aus Mittenberg stammen. Oder zu viele Farbdämpfe eingeatmet haben. Oder mit dem Dichter Dorlamm verwandt sein. Den Sie auf Seite vier kennenlernen können. Andererseits: Denken Sie an den verehrungswürdigen Arno Schmidt, der zu Lebzeiten beinahe unbeachtet blieb und schließlich resümierte: „Das Desinteresse des Publikums übertraf die kühnsten Erwartungen.“ Und gab sein Handwerk trotz alledem nicht auf, getreu der Maxime: Man kann ja erst einmal weiterschreiben. Und weil Wibeau Schule macht, haben die Schmidts natürlich nicht die Spur einer Chance.
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Lassen Sie uns gemeinsam Bücher per Bookcrossing auf große Reise schicken, entfleuchen Sie an Robert Gernhardts Wörtersee, durchleuchten Sie die Schreibmotivation einiger Dichterfürsten! Wagen Sie einen Blick in die Schreibstube des Lesebühnenarbeiters SPIDER, arbeiten Sie Erinnerungen auf, wenn wir auf die Zirkel schreibender Arbeiter und den Werkkreis Literatur der Arbeitswelt zu sprechen kommen! Trauern Sie mit uns den noch eigenhändig geschriebenen Briefen und der Reiseschreibmaschine nach! Wir berichten über arabische Kalligraphie, die Anfänge der mesopotamischen Rechtsprechung und die Brailleschrift.
Unser strassenfeger-Artgenosse in dieser Ausgabe ist der Fotograf Michael Schmidt, mit dessen Werken die diesjährige sechste Berlin Biennale eröffnet wird. Einige Fotografien aus seinem Zyklus „Frauen“ sind bereits in der Hauptstadt zu sehen. Von persönlichen Schicksalen berichten Alex und Thorsten; Laura hat für uns den Bundeskongress des DGB besucht: Arbeit, Gerechtigkeit, Solidarität! Hört sich doch gut an! Dazu wie immer zwei Seiten Kulturtipps, einige aktuelle Themen und Ankündigungen, unser Hartz-IV-Ratgeber und zum Schluss ein taufrischer Käptn Graubär. Mehr passt beim besten Willen nicht rein!
Viel Vergnügen beim Lesen! Bleiben Sie uns gewogen! Und schreiben Sie uns mal wieder!
Scharmann