Ich möchte ein meines Erachtens sehr interessantes Buch vorstellen. Interessant für alle Kritiker, Angehörige, Behörden, aber auch für jeden anderen, um ein besseres Verständnis für das Handeln und Sein eines von harten Drogen abhängigen Menschen zu bekommen. Aber auch der Süchtige selbst hat hier die Möglichkeit, in die Abgründe seines eigenen Elends zu blicken und sich mit der Realität zu konfrontieren. Wer sich als Betroffener nicht scheut, genau hinzusehen und ehrlich zu sich selbst zu sein, kann enorme Fortschritte in der Findung seiner Suchtproblematik machen. Denn dieses Buch vermittelt schonungslose Wahrheit für jeden Lesenden.
„Affenliebe“ beschreibt die Entwicklung sowie den harten Lebensweg der ehemals akut drogensüchtigen Autorin. Die 1971 geborene Silvana Klein stellt unbeschönigt dar, unter welchen katastrophalen Umständen sie aufwuchs. Sie deckt die Vernachlässigung durch die Eltern in Sachen Erziehung auf, gibt wieder, wie freizügig der Umgang ihrer Eltern und Bekannten mit Alkohol und Drogen in allen Lebenslagen war, und schreckt auch nicht davor zurück, über intimste Katastrophen zu berichten. Schon früh begann sie damit, sich Wärme und Anerkennung auf einem anderen als dem normalen Weg zu verschaffen. Sie zeigt, wie – durch diese emotionale Armut und fehlendes Selbstwertgefühl begünstigt – ihr eigener Weg in die Kriminalität und den Drogensumpf mehr und mehr fortschritt.
Wie sie anfing, ihren jungen Körper und dann auch ihre Seele zu verkaufen, nur um sich auch weiterhin der Illusion hingeben zu können, sich wirklich gut zu fühlen und schmerzende Erinnerungen an sich abprallen zu lassen. Als nach langen Jahren der Sucht nur noch Haft und tiefste Demütigung folgten, begriff sie langsam, dass sich etwas ändern musste. Sie wusste nicht, wie und wo, aber immerhin war ihr trotz des vernebelten Blickes klar, dass sie nicht sterben wollte. Denn trotz des ganzen Elends gab es Dinge, die sie als schön empfand.
Ganz klar und unverblümt stellt hier eine Leidensschwester das Drogenmilieu und die Abgründe ihrer eigenen Seele dar. Sie versucht nicht, Entschuldigungen zu finden, sondern nur Erlebtes aus eigener Sichtweise zu berichten. Für so viel Ehrlichkeit kann ich diese junge Frau nur bewundern. Sie grenzt sich ganz klar von ihrem vergangenen Denken ab, aber steht zu dem, was sie getan hat. Es gehört viel Mut dazu, klar darüber zu schreiben, dass man für Drogen „anschaffen“ gegangen ist, vergewaltigt wurde und dies mit einer vermeintlichen Leichtigkeit weggesteckt hat.
Ich konnte in diesem Buch sehr viele Parallelen zu meiner eigenen Geschichte entdecken! Darum kann ich nur jedem, der einen Leitfaden für die eigene Auseinandersetzung benötigt, empfehlen, dieses Buch zu lesen. Aber auch für alle anderen ist es eine interessante Lektüre, die sich in jedem Falle zu lesen mehr als lohnt.
Dr.Silvana Klein: Affenliebe: Die Geschichte eines langen Entzugs. Kiepenheuer & Witsch, 2002. 8,95 Euro.