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Baden in der Spree – Projekt 2011

Ralf Steeg (rechts) und Michael Pape vor dem Modell der Anlage;
Ralf Steeg (rechts) und Michael Pape vor dem Modell der Anlage; Foto: Dario
Seit in der Neuzeit Kanalisationen gebaut werden, werden sie als Mischkanalisationen angelegt. Dass Regenwasser aufgefangen und als Grauwasser verwendet werden kann, ist eine relativ junge Einsicht. Ein Bewusstsein für die Kostbarkeit von Trinkwasser ist mittlerweile weit verbreitet. Jedoch erst seit ein paar Jahren kommt in Berlin das Gefühl für das fließende Gewässer der Spree, ihren Freizeitwert und den positiven Beitrag zum Stadtklima hinzu.

Ein Berliner, der schon seit Langem daran arbeitet, die Wasserqualität der Spree zu verbessern, ist Ralf Steeg, der Initiator und Kopf des Konzepts, das hinter dem Motto „Baden in der Spree – 2011“ steht.

Ralf Steeg ist Landschaftsarchitekt und er badet gerne. Dass das Wasser der Spree nicht sauber genug ist zum Baden, sieht er als Verschwendung von Ressourcen. Ein sauberer Fluss würde die Stadt lebenswerter machen. Auch sind für die bakteriellen Verseuchungen keine industriellen Einleitungen verantwortlich, im postindustriellen Berlin gibt es längst keine großen Industrieanlagen mehr, sondern die Mischkanalisation, die bei starken Regenfällen überflutet wird. Dann wird die Spree zum Vorfluter.* Einziges Mittel zur Verhinderung dieser Ereignisse ist bisher der Bau von teuren Überlaufbecken aus Beton, die das gemischte Dreckwasser auffangen und zurückhalten, bis die Klärwerke wieder über Kapazitäten verfügen. Dann werden diese Auffangbecken leergepumpt. - Natürlich gibt es von diesen Becken lange nicht genug.

Nun kommen Ralf Steeg und sein Ingenieurbüro ins Spiel. Herr Steeg hat mit Ausdauer, Hartnäckigkeit und schließlich Unterstützung und Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin das Konzept von den am Gewässerboden verankerten, im Wasser liegenden Tanks entwickelt.

Das Überlaufbecken der neuen Generation
wird aus Fertigmodulen zusammengesetzt. Jedes Modul besteht aus einem in einem Gestänge aufgehängten Glasfaserrohr, das mit zwei Metern Durchmesser und 12 Metern Länge ein Fassungsvolumen von fast 40 Kubikmetern hat. Die einzelnen Module werden zu einem untereinander kommunizierenden Röhrensystem mit einem Prozent Gefälle zusammengesteckt. Eine vollautomatische Steuerung, Pumpen, ein Abluftbehandlungssystem und Spülklappen zur Reinigung wie bei herkömmlichen Anlagen kommen noch hinzu.

Die Pilotanlage wird im Berliner Osthafen gebaut. Sie soll ein Volumen von fast einer Million Liter haben. Zwischen Juni und November soll sie vor Ort montiert werden. Ungefähr dreimal im Jahr regnet es in Friedrichshain so viel, dass der Tank voll ausgenutzt wird. Im Durchschnitt gibt es noch 27 weitere Regenereignisse per annum, die den Tank teilweise füllen. Die Anlage wird die Einleitungen in die Spree an dieser Stelle um 87 Prozent senken. – Die Oberfläche des Röhrensystems ist als Insel geplant, die genutzt werden kann. Sie wird am Osthafen eine Fläche von 900 Quadratmetern haben. Diese künstliche Insel könnte als Garten oder Schilfanlage, Café oder einfach Zugang zum Fluss genutzt werden.

Baden in der Spree
Um das Spreewasser bei seiner 30-tägigen Berlindurchreise genauso clean herausfließen zu lassen, wie es in Köpenick ankommt, ist es selbstverständlich mit einer einzelnen Anlage nicht getan. Berechnungen der Ingenieure ergaben, dass zwischen Elsenbrücke und Mühlendamm zwölf weitere Anlagen nötig wären, die in Kombination mit Maßnahmen der Berliner Wasserbetriebe dazu führen würden, dass man ohne Bedenken schon fast in der Stadtmitte ein Spreebad nehmen könnte. Herr Steeg weist darauf hin, dass es sich um innovative Technologie Made in Berlin handelt, von der Berlin ja wohl profitieren sollte! Wie gesagt: Bei einer Investition in die Gewässerqualität kommt ein Plus an Lebensqualität heraus. Wenn es dann noch gelingt, das Flussufer als öffentlichen Raum zu erhalten, könnten alle Berliner und Berlinbesucher von einer sauberen Spree profitieren.
Lou

* So bezeichnet man jedes Oberflächengewässer, in das mit wasserrechtlicher Erlaubnis Abwasser eingeleitet wird.

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