Mob e.V. – Obdachlose machen mobil

Fahrräder aus Bambus selber bauen – ein TransitionTown-Projekt

Über die Nutzung nachwachsender Rohstoffe und die Initiative TransitionTown

„Die Steinzeit ging nicht zu Ende, weil
es keine Steine mehr gab.“(1)
Nach nur zwei Jahrhunderten bedenken- bis gedankenloser Nutzung und Verschwendung der fossilen Energieträger dämmert uns Menschen langsam, dass wir in einer wenig fernen Zukunft uns wieder ganz ohne diese Rohstoffe einrichten müssen. Bis zur Entdeckung von Erdöl, Kohle und Erdgas verwendeten unsere steinzeitlichen Vorfahren ausschließlich nachwachsende Rohstoffe.

TransitionTown
Rob Hopkins, Permakulturspezialist und Autor des Buches „Die Energiewende – das Handbuch“ (bei zweitausendeins erschienen) gilt als Gründer der TransitionTown-Bewegung. Das Konzept der TT ist es, konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen, wie sich Gemeinden auf die Zeit nach Peak Oil (höchste je erreichte Fördermenge) vorbereiten können, auch Vorsorge für Veränderungen durch die Klimakatastrophe gehört zum Themenkreis der TT.

Auf der lokalen Ebene ist es ein Ziel, wirtschaftliche Resilienz (Widerstandsfähigkeit) aufzubauen. Zu den Leitlinien der TT-Bewegung gehört, gemeinsam positive Visionen zu entwickeln, das Ganze nicht aus dem Blick zu verlieren, sich basisdemokratisch zu organisieren, konkret zu arbeiten, jeden willkommen zu heißen, bestehende sozialökologische Initiativen einzubinden und Spaß und Freude niemals aus den Augen zu verlieren.“ (aus dem Flyer der TransitionTown Friedrichshain-Kreuzberg)

Berlin Bamboo Bikes
ist ein GrüneUni-Projekt, die wiederum Teil der TransitionTown-Bewegung von Friedrichshain-Kreuzberg ist, des einzigen Berliner Bezirks, der sich bisher der TT angeschlossen hat. Initiiert und durchgeführt werden die Workshops von 10 bis 15 Leuten, überwiegend TU-Studenten. Nach langer Suche haben sie nun endlich Räume in Weißensee gefunden, wo Bambusfahrräder entstehen können. Der Start ist für Frühjahr geplant. Die Workshops werden kostenpflichtig sein. Wirtschaftliche Resilienz wird durch eine Schritt-für-Schritt-Veränderung der Wirtschaftsstrukturen hin zu einer lokalen Kreislaufwirtschaft erreicht. Ein Anliegen ist es auch, neue Jobs zu schaffen.

Es sollte möglich sein, sich sein Fahrrad an einem Wochenende zu bauen. Erst werden die Stangen auf die richtige Länge geschnitten, angepasst an die eigenen Körpermaße. Dann wird der Bambus mit den Metallverbindungen verklebt. Wenn der Klebstoff ausgehärtet ist, wird der Bambus lackiert, damit er wetterbeständig wird. Der Bau von Sondermodellen (Lastenrädern) wird unter Umständen etwas komplizierter, da andere als die gängigen Metallverbindungen benötigt werden.

Komfortabel, stabil, flexibel
Abgesehen von den tatsächlichen Vorteilen des Bambus, der sich als Baustoff für Fahrräder tatsächlich besonders eignet, weil er sowohl sehr stabil als auch flexibel ist, also Erschütterungen abfängt und ausgleicht (ein Bambusfahrrad braucht keine extra eingebaute Federung), geht es Thomas Finger von „Berlin-Bamboo-Bikes“ darum zu zeigen, dass man Alternativen zu herkömmlichen Herstellungsverfahren finden und realisieren kann. Er hat sich schon mal ein Fahrrad aus lokalem, hessischem Bambus gebaut, mit dem er sehr zufrieden ist. Für ihn ist nicht bei den Fahrrädern Schluss, denkbar sind alle möglichen Dinge aus Bambus – zum Beispiel Buggies. Im Übrigen ist der Kopf rund, damit das Denken die Richtung ändern kann, angesichts von Klimakatastrophe und Ölcrash eine pure Notwendigkeit. Wenn man sich konkret mit Lösungen für diese Fragen beschäftigt, kann man sich auf ein Leben nach dem Ölzeitalter freuen!
Lou

(1) aus: Ein böses Erwachen – der Ölcrash,
Dok.Film, CH 2007, 83 min.

Interessenten am Bambusfahrradbau registrieren
sich am besten auf der Website:
www.berlin-bamboo-bikes.org

Interessenten an der Initiative TransitionTown
finden aktuelle Termine unter:
www.TransitionBerlin.de

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