Nachts können wir nichts sehen, weil es dunkel ist. Deshalb gilt im Islam als Tagesanbruch, wenn man einen schwarzen von einem weißen Faden unterscheiden kann. Mit der Erfindung des künstlichen Lichtes, insbesondere des elektrischen, hat sich aber viel geändert.Light pollutionLichtverschmutzung ist die etwas unglückliche Übersetzung aus dem Englischen, legt es doch die Vermutung nahe, daß das Licht selbst verschmutzt sein könnte. Gemeint ist hier aber die Streuung des Lichts in die unteren Luftschichten der Atmosphäre. Straßenlaternen geben fast die Hälfte ihres Lichts nicht auf die Straße ab, sondern zur Seite oder nach oben. Aber nur, wenn sie angeschaltet sind. Deshalb leuchten diese in Groß Pankow, einer Gemeinde in Brandenburg, zwischen 23 und 5 Uhr nur noch auf Anfrage. Der Anwohner muss eine festgelegte Nummer per Handy anrufen, um die Straßenlaternen in einem Ortsteil zum Leuchten zu bringen. Der eigentliche Grund ist zwar, Strom und damit Geld zu sparen, aber so können sich verschiedene Ziele verbinden. Kritiker meinen, dass eine Reduzierung der Beleuchtung automatisch auch eine Reduzierung der Sicherheit auf den Straßen bewirkt. Betrachtet man aber Unfallstatistiken von Ländern, die ihr gesamtes Straßennetz einschließlich Autobahnen beleuchten (z. B. Benelux-Staaten), so zeigt sich, dass dort die Anzahl der Verkehrsunfälle nicht merklich geringer ist als in Deutschland.
Die Skybeamer & TourismusfaktorSo richtig angeheizt hat sich die Diskussion, seitdem Diskothekenbetreiber mit Skybeamern tanzende Lichtkegel an den Nachthimmel projizieren, um so die Kundschaft anzulocken. Das Oberverwaltungsgericht Koblenz hat im Jahr 2003 mit dem Verweis auf das „Ruhe- und Erholungsbedürfnis“ der Bevölkerung die erste gerichtliche Entscheidung getroffen und den Betrieb untersagt. (AZ: 8 A 11286/02.OVG) Aber auch Straßen, Wege, Parkanlagen und vor allem Gebäudefassaden von Sehenswürdigkeiten werden durch schmückende Beleuchtung die ganze Nacht in Szene gesetzt, obwohl zwischen 0 und 6 Uhr die Frequentierung erheblich nachläßt.
Wirkung auf Tiere und PflanzenUntersuchungen aus dem Jahr 2000 zeigen, dass in Deutschland in einer einzigen Sommernacht an einer Straßenlaterne durchschnittlich 150 Insekten zugrunde gehen. Rechnet man das auf die ca. 6,8 Millionen Straßenlaternen auf deutschen Straßen hoch, sind dies jede Nacht über eine Milliarde Insekten. Das ‘Towerkill-Phänomen’ beschreibt den Vorgang, dass Vögel nachts in hell erleuchtete Gebäude fliegen und sich dabei verletzen oder zu Tode kommen. Meeresschildkröten finden an erleuchteten Stränden schlecht wieder ins Wasser zurück und werden so leichte Beute von Raubtieren. Viele nachtaktive Tiere wie Fledermäuse und Frösche haben Orientierungsprobleme.
Laubbäume in der Nähe von Straßenlaternen verlieren oft später ihre Blätter und sind so mehr gefährdet, bei Frost schweren Schaden zu nehmen. Pflanzen können bereits Temperaturunterschiede von einem Grad wahrnehmen und reagieren darauf.
Wirkung auf Menschen & die Fachgruppe „DARK SKY”Zur Zeit sind die Auswirkungen auf den menschlichen Organismus, zum Beispiel den Hormonhaushalt, Gegenstand der Forschung. Eine israelische Forschergruppe veröffentlichte 2008 Daten, die einen Zusammenhang mit dem Risiko nahelegen, an Brustkrebs zu erkranken. Leider ist das Problem der Lichtverschmutzung aktuell kein großes Thema in der Gesellschaft. Die Fachgruppe „DARK SKY” der „Vereinigung der Sternfreunde“ will Denkanstöße geben, wie wir den Blick auf den nächtlichen Sternhimmel verbessern können, ohne dabei auf Komfort oder Sicherheit verzichten zu müssen.
Markuswww.lichtverschmutzung.dewww.vds-astro.de