Quelle: wikipedia.org
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Greenwash ist eine kritische Bezeichnung für PR-Methoden, die darauf zielen, einem Unternehmen in der Öffentlichkeit ein umweltfreundliches und verantwortungsvolles Image zu verleihen. Der Diplom Politologe und Journalist Stefan Kreutzberger hat unter dem Titel „Die Ökolüge – Wie Sie den grünen Etikettenschwindel durchschauen“ ein famoses Buch zum Thema geschrieben. Jana Illhardt sprach mit dem Autor.strassenfeger: Warum betreiben Unternehmen Greenwash?Stefan Kreutzberger: Der Bio-Boom hat in den letzten Jahren stark zugenommen. In der Bevölkerung gibt es ein wachsendes Problembewusstsein, das mit einer festzustellenden Verhaltensänderung einhergeht. Da entsteht für Firmen ein großer Markt, auf dem sie sich bemühen, ihr Outfit grün zu färben. Sie wollen zeigen, dass sie mitmachen, auch Klimaschützer sind und Energie sparen. Das ist eine gute Verkaufsmasche. Man erhofft sich, dass das Hervorheben einzelner Aspekte auf den Gesamtkonzern abfärbt. Da wird plötzlich alles schön grün. Das gilt aber auch für unsere Regierung, die von „Ökoprämie“ beim Abwracken von Autos und von „Bio“-Sprit redet, obwohl dafür Menschen hungern müssen und Regenwälder abgeholzt werden.
sf: Auch McDonalds will grün werden und hat sein sein Firmenlogo geändert. Greenwash? S. K.: Ja, natürlich. Das Grundproblem, das Rinder hochgezüchtet und aus Ihnen Fast-Food gemacht wird, die Menschen immer mehr Fleisch essen und genau dieses Verhalten geändert werden müsste, wird bei McDonalds überhaupt nicht problematisiert.
sf: Es verändern sich also nur die Fassaden der Unternehmen?S. K.: Richtig, dahinter ändert sich nichts, solange die Verbraucher sich das weiterhin gefallen lassen. Deshalb ist jeder Einzelne aufgefordert, etwas zu tun. Man sollte schauen, wie man effektiver Energie sparen und seine Essgewohnheiten ändern kann. Es geht einfach nicht mehr, dass man das gesamte Jahr über frische Lebensmittel haben möchte, die eigentlich saisonal abhängig sind. Das Motto sollte hingegen „saisonal und regional“ lauten. Es stellt keinen großen Verzicht an Lebensqualität dar, im Winter keine Erdbeeren zu essen, einmal die Woche auf Fleisch zu verzichten oder die Heizung ein Grad niedriger zu schalten. Man kann damit seinen eigenen Energieverbrauch und die Kosten ohne Mühe um 20 bis 30 Prozent reduzieren. Das ist viel und kann einiges ändern. Der Tenor meines Buches ist, dass der Verbraucher selbst aktiv werden sollte. Dafür gebe ich in jedem Kapitel Tipps und Hinweise, wie man das bewerkstelligen kann.
sf: Was sind die klassischen Methoden und Strategien, Greenwash zu betreiben?S. K: Die Unternehmen setzen Werbeagenturen und professionelle, hoch bezahlte Meinungsmacher ein. Das Muster ähnelt sich: Es sind kleine Projekte, die ganz groß aufgeblasen werden. Beispielsweise wenn E.ON von Gezeitenkraftwerken in der Nordsee spricht: Dabei handelt es sich um ein Projekt, welches für sich gesehen recht positiv sein kann. Es ist jedoch noch überhaupt nicht klar, wann und in welchem Maßstab es umgesetzt wird. Wenn ein großer Riese mit Wind- und Wasserkraft in der Werbung hantiert, muss man diesen Riesen hinterfragen. Ist er tatsächlich ein Riese oder doch eher ein Zwerg? Das bekommt man relativ schnell heraus, wenn man sich die Zahlen der Energiekonzerne genauer ansieht. Sie sind verpflichtet anzugeben, wie viel Anteil Erneuerbarer Energien sie in ihrem Energiemix verwenden und wie hoch sie nach wie vor auf Kohlekraftwerke und Atomenergie setzen. Dann fällt auf, dass es sich lediglich um geringe Anteile handelt, die die vier großen Energikonzerne nur deswegen nutzen, um am Markt der Erneuerbaren Energien teilzuhaben und gesetzlichen Auflagen zu genügen.
sf: Hat Greenwash mit der Thematisierung des menschengemachten Klimawandels eine Konjunktur erlebt?S. K.: Greenwash ist im Kommen. Die Unternehmen wollen keine gesetzlichen Vorgaben und Regelungen. Sie geben vor, freiwillig ihre Emissionen abzubauen. Dahinter steckt eine klare Intention. Auf der Klimakonferenz in Kopenhagen ging es kürzlich darum, wie viel CO2-Ausstoß man tatsächlich reduzieren muss, um das Klimaziel zu halten. Wenn dies gesetzlich geregelt würde – verpflichtend und mit Kontrollen – wäre das ein starker Eingriff in die Produktionsbedingungen von Energieunternehmen oder der Schwerindustrie in Deutschland. Das wollen die Konzerne nicht, denn das nagt an der Rendite. Sie kommen dem zuvor, indem sie sich Selbstverpflichtungen auferlegen. In der Regel halten sie sich aber nicht daran. Ich habe in meinem Buch das Beispiel der Autoindustrie beschrieben, die jahrelang sehr lautstark mit diesen Versprechen arbeitete, sich jedoch keineswegs darum geschert hat. Die Einhaltung von Höchstgrenzen wurde immer wieder um Jahre nach hinten verschoben, um die eigentlich notwendigen Reduktionen des CO2-Ausstoßes ihrer PKW-Flotten nicht tatsächlich umsetzen zu müssen.
sf: Welche konkreten Fälle haben Sie in Ihrem Buch benannt?S. K.: Ich habe darüber hinaus viele weitere Beispiele beschrieben, gerade im Bereich der Atomenergie, bei Kohlekraftwerken oder der Chemieindustrie. In einem Kapitel habe ich mich mit der Firma ‚Bayer’ in Leverkusen beschäftigt, die sich in Deutschland als großer CO2-Einsparer und Klimaschützer präsentiert, auf der anderen Seite jedoch zu den größten Pestizidherstellern weltweit gehört. Die Angaben, die sie über ihre angeblichen Einsparungen im Stammwerk in Leverkusen gemacht haben, beruhten auf Trickserei und Bilanzschönungen. Bürgerinitiativen haben darauf hingewiesen und erwirkt, dass diese Klimalüge von ‚Bayer’ in späteren Umweltberichten ins rechte Licht gerückt wurde.
sf: Was sagen Umweltpreise und Ökosiegel angesichts von Greenwash überhaupt noch aus?S. K.: Es gibt eine Vielzahl von Umwelt- und Nachhaltigkeitspreisen, die meistens von diversen Werbeagenturen und Stiftungen vergeben werden. Ich halte nicht viel davon. Greenwash spielt hier eine große Rolle. Mir sind nur wenige ernsthafte Umweltpreise bekannt, die tatsächliches Engagement und Veränderungswillen auszeichnen. Positiv ist hingegen das europäische Bio-Siegel für Lebensmittel. Dies ist per Gesetz geregelt und wird über geprüfte Zertifizierungsstellen überwacht. Es gibt natürlich im Lebensmittelbereich Anbauverbände wie „Bioland“, „Naturland“ oder „Demeter“, die mit ihren Kriterien weiter gehen als dieses Siegel. Aber es garantiert zumindest einen ökologischen Mindeststandard. Das wünsche ich mir auch für andere Produktgruppen. Hier tummeln sich eine Menge Phantasie-Siegel, bei denen Öko drauf steht, aber nicht drin ist. Beispiel Baumwolle: Sehr verbreitet ist der sogenannte „Öko-Tex“- Standard. Dabei wird lediglich ausgesagt, dass die Produkte, wenn sie als T-Shirts oder Jeans in den Läden hängen, auf Restpestizide und sonstige Giftstoffe kontrolliert wurden und diese unter einem bestimmten Minimum liegen. Das Siegel sagt nichts darüber aus, ob die Baumwolle, die der Grundstoff ist, tatsächlich kontrolliert ökologisch angebaut wurde.
sf: Was kann man – neben der kritischen Beachtung von Siegeln – als Verbraucher tun, um sich vor der „Ökolüge“ zu schützen?S. K.: Man ist gezwungen sich zu informieren und hinter die Kulissen zu schauen. Das ist nicht immer einfach. Man kann sich bei den Verbraucherverbänden, bei der Verbraucherzentrale oder bei einschlägigen Internetseiten, die sich im Bereich Ökozertifizierung und Ökosiegel seit Jahren schlau gemacht haben, informieren. Man kann bei Organisationen, wie beispielsweise Greenpeace oder dem BUND nachfragen, die in den letzten Jahren viele erfolgreiche Kampagnen zu einzelnen Themen gefahren haben.
sf: Ihre Forderungen an die Politik?S. K.: Ich fordere gesetzliche Mindeststandards und Regelungen – analog zu dem Biosiegel im Lebensmittelbereich – bei der Erzeugung und Verwertung von Energie, in der Produktion von Kleidung, Blumen und Spielzeug und im Handel damit. Die Standards müssen eindeutig festlegen, was getan werden darf und was nicht, wie die Reduktionsziele auszusehen haben und wie sie überprüft und Verstöße geahndet werden können. Wenn die Unternehmen die Standards nicht einhalten, müssen gesetzliche Sanktionsmaßnahmen greifen. Den Versprechen der Industrie und Privatwirtschaft sollte man nicht länger vertrauen. Denn wer einmal lügt, dem glaubt man nicht…
Info:Stefan Kreutzberger, „Die Ökolüge“, Econ-Verlag Berlin, 2009, 16,90 Euro