Auf dem Ost-West-Dach des Berliner Hauptbahnhofs befinden sich 78.000 Solarzellen. Sie liefern etwa 2% des Stromverbrauchs des Hauptbahnhofs.
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Warme Wohnungen im Winter, beleuchtete Innenstädte bei Nacht, die Fortbewegung von Autos, Bussen und Bahnen: Nichts davon geht ohne Energie. Sie ist der Taktgeber der pulsierenden modernen Großstadt. Doch durch die Verbrennung fossiler Energieträger tragen Städte rund 80 Prozent zur Treibhausgas-Emission bei. Dass deshalb gerade die großen Metropolen eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz übernehmen müssen, ist allgemeiner Konsens. Berlin ist mit seinen 3,4 Millionen Einwohnern Deutschlands größter CO2-Emittent. Wie steht die bundesdeutsche Hauptstadt da in Sachen Klimaschutz?Im Rahmen der Kopenhagener Klimakonferenz hat das Unternehmen „Siemens“ im vergangenen Dezember eine von ihm in Auftrag gegebene Studie vorgestellt, die 30 Großstädte in Europa nach ihren Anstrengungen im Klima- und Umweltschutz bewertet. Demnach sind skandinavische Großstädte die grünsten (den ersten Platz belegt Kopenhagen), osteuropäische Großstädte die am wenigsten grünen Metropolen Europas. Berlin belegt einen respektablen achten Rang. Schaut man sich die beurteilten Kategorien an (insgesamt sind es acht), landet die deutsche Hauptstadt bei CO2-Emission und Energiemix jeweils auf Rang 13, in der Kategorie Gebäude auf Rang eins.
Erster Platz bei der Gebäudedämmung, dreizehnter Platz beim EnergiemixTatsächlich hat die Stadt Berlin in den letzten zwei Jahrzehnten viele Millionen Euro in die Sanierung ihres Gebäudebestandes – darunter ein hoher Anteil Plattenbauten – gesteckt. Wärmedämmung von Fassaden und Fenstern haben ebenso wie der Austausch alter Kohle- und Ölheizungen zugunsten moderner Gasheizungen beziehungsweise Anschluss an das Fernwärmenetz erheblich beigetragen zur städtischen Energieeinsparung.
Eine hohe Effizienzsteigerung hat die deutsche Hauptstadt auch im Bereich der Energieumwandlung erzielt: Die zehn vom Unternehmen Vattenfall betriebenen Berliner Heizkraftwerke arbeiten ausschließlich mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK): Diese Technik nimmt die sonst bei der Stromerzeugung verloren gehende Abwärme auf und leitet sie zu Heizzwecken zum Nutzer. Berlins Fernwärmenetz ist über 1.300 Kilometer lang und damit das größte Westeuropas.
Ausbaufähig sind Solarenergie und BiomasseAuch der Ausbau erneuerbarer Energien ist Teil der Berliner Klimaschutzanstrengungen. Auf den Dächern der Hauptstadt fangen inzwischen mehrere Tausend Fotovoltaik- und Solarthermie-Anlagen die Sonne ein. Daneben gewinnt auch die Biomassenutzung an Bedeutung. In Rudow versorgt ein mit Holz befeuertes Heizkraftwerk einen Teil der Gropiusstadt mit Wärme und Strom. Für die Nutzung von Windenergie ist Berlin wenig geeignet. Das einzige Windrad der Stadt steht in Pankow an der Autobahn. Insgesamt macht der Anteil erneuerbarer Energien in Berlin nur knapp zwei Prozent am Primärenergieverbrauch aus. Das ist weit entfernt von den vom Bund angestrebten 20 Prozent bis 2020.
Berlin hat das selbst gesteckte Ziel, seine CO2-Emissionen bis zum Jahr 2010 um 25 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken, bereits 2005 erreicht. Das ist ein achtbarer Erfolg. Insbesondere, weil die finanziell prekäre Lage der Stadt manche Fantasie erfordert, trotzdem Klimaschutzanstrengungen voranzutreiben. Nichtsdestotrotz: In Berlins Energiemix dominieren die fossilen Energieträger. Die Energie für Strom stammt zu deutlich über 50 Prozent aus Kohle, die für Wärme zu über 40 Prozent. Neben dem weiteren Ausbau der Nutzung regenerativer Energien stellt vor allem der Bereich Verkehr ein anstehendes Handlungsfeld dar.
Unser Lebensstil muss zur Debatte gestellt werden!Neben Gebäudesanierung, KWK-Technik und Solarzellen fehlt eine grundsätzliche Debatte: die über unseren Lebensstil. Die Maxime ‚Klimaschutz ja, aber bitte ohne persönliche Einschränkung’ wird nicht der Verantwortung Berlins als Mitverursacher des weltweiten Klimawandels gerecht. Niemand muss unbedingt im Winter Erdbeeren essen und jeden Tag Fleisch. Niemand braucht in Berlin einen 300-PS-Geländewagen. Machte Berlin sich zum Wortführer einer solchen Debatte – Deutschlands größte Metropole wäre wirklich vorbildlich!
Jutta H.