Mob e.V. – Obdachlose machen mobil

Konzert statt Kindergarten

Über mein Sozialpraktikum beim strassenfeger

Beim strassenfeger? Verkaufst Du dann in der U-Bahn wie die ganzen Obdachlosen?“ Als ich erzählte, dass ich mein Sozialpraktikum nicht im Kindergarten oder Krankenhaus, sondern bei der sozialen Straßenzeitung strassenfeger machen würde, bekam ich diese Frage oft zu hören, meist gepaart mit ungläubigem Staunen oder verdutztem Lachen. Als Antwort darauf konnte ich nur mit den Schultern zucken und zugeben, dass ich nicht wirklich wüsste, was mich da erwartet.

Anfangs war ich noch sehr nervös, doch ich wurde überall freundlich aufgenommen. Die meiste Zeit verbrachte ich in der Redaktion mit dem Verfassen von Artikeln zu verschiedenen Themen. Durch dieses selbstständige Arbeiten habe ich viel über das Recherchieren und das Schreiben gelernt und hoffe, das nun auch nach dem Praktikum weiter anwenden zu können. Beim strassenfeger-Radio durfte ich drei Mal live bei der Sendung im Studio sein und sogar selbst einen Text am Mikrofon vorlesen. Und wer hat bei einem Sozialpraktikum schon ein Unplugged-Konzert miterlebt?

Neben der Arbeit in der Redaktion habe ich mich auch bei den anderen Projekten des Vereins mob – obdachlose machen mobil e.V. besucht. So habe ich auch einen Abend in der Notübernachtung verbracht und die Vertriebsstellen des strassenfeger am Ostbahnhof und am Bahnhof Zoo besucht. Dort habe ich gesehen, wie viel in dem Verein durch ehrenamtliche Arbeit ermöglicht wird. Das hat mich sehr beeindruckt und überrascht.

Gefreut hat mich, dass ich nach einer Weile im „Kaffee Bankrott“ Menschen wiedererkannt habe und dort auch jeden Tag freundlich begrüßt wurde. Wann immer sich die Gelegenheit ergab, habe ich mich mit den Gästen der Notübernachtung und den strassenfeger-Verkäufern unterhalten. Viele sind offen auf mich zugekommen, was mir schöne und spannende Gespräche ermöglicht hat.

Eins muss ich hier noch sagen: Der strassenfeger ist eine ernst zu nehmende Zeitung! Leider ist das in den Köpfen der Berliner noch nicht so richtig angekommen. Viele sehen diese engagierte Zeitung eher als eine Möglichkeit, zu spenden und zu helfen. Auch mir ging es am Anfang so, doch durch das Praktikum wurde mein Eindruck vom strassenfeger wurde gründlich revidiert. Ich kann jedem nur empfehlen, den strassenfeger-Verkäufern die Zeitung nicht nur aus Mitleid abzukaufen, sondern sie auch wirklich zu lesen.
Ich möchte hier noch einmal für die schöne Zeit danken: Ich habe viel gelernt und gesehen und werde das Praktikum in guter Erinnerung behalten.
Almuth Richter

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