Foto: Andreas Düllick
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Liebe Leser, mein Name ist Gerald Denkler, ich arbeite seit April 2009 ehrenamtlich als Verkäuferkoordinator beim
strassenfeger. Im ersten Teil des Porträts hatte ich Ihnen ja schon über erzählt. Aber es gibt noch viel mehr zu berichten:
„Ausländer“Unsere ausländischen Mitstreiter haben in-zwischen auch mitbekommen, dass sie mich bei Problemen ansprechen können. Oft müssen wir uns leider wegen der Sprachbarrieren mit Hand und Fuß verständigen, aber geklappt hat es bisher doch immer irgendwie. Meist hatten wir Glück, dass zumindest einer Deutsch spricht und so die Hilfeanfrage erklären kann. Andererseits gab es eine positive Entwicklung: Immer mehr Leute haben sich einen Vermittler geholt, der beide Sprachen spricht. So können Missverständnisse schnell geklärt werden. Die Folge: Wir werden multikultureller, es sitzen immer häufiger Menschen unterschiedlichster Nationalitäten zusammen und unterhalten sich darüber, wie ihr Tag verlaufen ist, und geben sich gegenseitig Rat, wo es welche Hilfe geben kann.
Sprachkurse und DolmetscherFür mich wäre es hilfreich, wenn ich einen Sponsor für einen Rumänischgrundkursus finden würde. Das würde meine ehrenamtliche Straßensozialarbeit erleichtern. Es gibt einzelne Vereine, die unseren osteuropäischen Mitmenschen Sprachkurse vermitteln können und Dolmetscher haben. Aber die wenigsten wissen, wo diese Einrichtungen sind. Durch die Sprachbarrieren können sie sich auch nicht durchfragen. Aber ich könnte ihnen helfen, wenn ich mir zumindest die Grundkenntnisse soweit aneignen könnte. Osteuropäer dürfen z. B. nach einem komplizierten Prüfverfahren auf selbstständiger Basis Geld verdienen. Aber dafür brauchen sie Dolmetscher, die ihnen helfen, komplizierte Formulare aus zu füllen. Und: Gerade aus den ärmeren Ländern reisen auch viele Analphabeten ein, die besondere Betreuung benötigen.
Förderung und Forderung der VerkäuferGemeinsam mit den Verkäufern werde ich 2010 sicher an einigen Aktionen mit Informationsständen teilnehmen. Zugleich versuche ich, die Verkäufer, die wieder eigenen Wohnraum haben und über freie Zeit verfügen, für die Obdachlosen-Präventionsarbeit zu sensibilisieren. Einige ehemalige Obdachlose haben Erfahrungen gesammelt, die wichtig sind, um andere aus dem Sumpf des Straßenlebens herauszuhelfen. Meine Arbeit ist zwar im Grunde genommen wie ein Tropfen auf den heißen Stein, der gleich verdunstet, aber viele kleine Tropfen hergeben eine Pfütze und viele Pfützen ergeben einen See. Und so kann es nach und nach überschwappen. Die Voraussetzung ist natürlich, dass der Mensch, der anderen Menschen helfen will, suchtfrei ist, weil er eine Vorbildfunktion übernimmt.
Sozialarbeiter werden gebrauchtSuchtkranke nehmen für die ersten Schritte zurück ins bürgerliche Leben am ehesten den Rat von ehemals Obdachlosen an, aber sie können bestimmte Wege oft nicht mehr allein gehen. Bis zu einem gewissen Grad können die befreundeten Verkäufer noch gegenseitig helfen, z. B. beim Ausfüllen der Anträge für Sozialhilfe, Hartz IV oder der Rente. Dann geht aber das Problem schon los: Wir müssen wegen der rechtlichen Seite oft Sozialarbeiter aus anderen Einrichtungen einschalten, die diese begleitende Sozialarbeit machen. Gewisse Dinge wie die „aufsuchende Sozialarbeit“ mache ich zwar selbst, aber es fehlen uns oft erfahrene Sozialarbeiter, die wissen, wie sie am besten den Behörden gegenübertreten. Mir ist es schon passiert, das ich den dritten vor dem zweiten Schritt gemacht habe, weil ich nicht so mit rechtlichen Dingen vertraut war. Zur „aufsuchenden Sozialarbeit“ kann ich Hilfe und Rat geben. Aber, wenn ich Menschen von der Straße geholt habe, brauche wir fachlich versierte Unterstützung, damit diese Menschen nicht nach kurzer Zeit wieder dorthin zurückkehren, wo wir sie abgeholt haben.
SportgruppeEiner weiteren Herausforderung werden wir uns 2010 stellen: Unser Verbundpartner „Pfeffersport“ hat uns vorgeschlagen, eine Obdachlosen- und Armen-Sportgruppe zu gründen und diese mit Räumen und Trainern zu unterstützen. Das Schwierige dabei ist, bei unserer Klientel wirklich Sportinteressierte zu finden. Da werde ich sicher noch einige Einzelgespräche führen müssen, bis ich eine Gruppe zusammenhabe. Volleyball wäre schon mal ein Anfang, und da kann noch fast jeder von uns mitmachen.
Ein weiteres Ziel meiner Arbeit für 2010 ist, unseren Verkäufern allgemein die anderen Projekte des Vereins näherzubringen. Noch längst nicht alle wissen, dass wir außer der Zeitung, noch einen Trödelladen haben, eine Sozial- sowie Rechtsberatung in unseren Räumen arbeitet, die Köche im „Kaffee Bankrott“ ein superleckeres Essen kochen, die Notübernachtung zumeist voll belegt ist und dass in unseren Redaktionssitzungen nicht nur hart gearbeitet, sondern auch viel gelacht wird.
Gerald Denkler