Montage: Guido Fahrendholz
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Dr. Mark Benecke ist vielen Menschen vor allem als Kriminalbiologe und forensischer Entomologe ein Begriff. Aufsehen erregte er 1997/98 gemeinsam mit Dr. Bernd Seifert *1 beim Schließen der Indizienkette im Mordfall Veronika Geyer-Iwand gegen Pastor Klaus Geyer. Maden an der Leiche und Ameisen am Schuhwerk des Pastors führten schließlich zu seiner Verurteilung wegen Totschlags. Im strassenfeger radio, sprach Dr. Mark Benecke mit uns über künstliche und biologische Intelligenz, sein Amt als Präsident der Draculagesellschaft und den Mordfall Veronika Geyer-Iwand.strassenfeger: Was passiert, wenn die biologische Intelligenz tatsächlich eine Symbiose mit der künstlichen Intelligenz eingeht und nicht mehr sofort erkennbar ist, was bzw. wer was ist?Dr. Mark Benecke: Das ist insofern eine interessante Frage, weil diese mich unter anderem zu meinem Job gebracht hat. Ich habe den Film ‚Blade Runner‘ *2 geguckt, in dem das Problem geschildert wird, dass es Androiden gibt, die intelligent sind. Aber nicht nur das. Sie bewegen sich nicht nur in einer Welt, die auf Silicium, sondern auf Kohlenstoff basiert, in echten Körpern, die man auch nicht unterscheiden kann von normalen menschlichen Körpern. Und sie möchten ihre Lebenszeit verlängern, was auch jeder normale Mensch will. Genau diese Probleme würden wir dann kriegen. Zunächst einmal würde es Maschinen geben, die intelligent handeln könnten und irgendwelche Pläne aushecken, aber das können Menschen auch. Dass allerdings die Maschinen dem Menschen dabei irgendwann durch brachiale Gewalt überlegen sind, wissen wir von Schachcomputern. Die sind mittlerweile besser als Menschen. Wer so über dreißig ist, der hat das noch miterlebt, dass früher die Menschen besser als diese Computer waren. Und der nächste Schritt wäre dann, dass man eine solche Künstliche Intelligenz in echte biologische, also kohlenstoffbasierte neuronale Netzwerke einspeist. Dann hätte man sehr schwierig zu fassende Täter.
sf: Könntest Du dann biologisch eine solche Symbiose aufdröseln?M. B.: Man könnte in die Erbsubstanz (DNA) eines solchen Körpers ein Merkmal einbauen, so wie eine digitale Signatur, die man heute schon in digitalen Bildern nutzt. So wie es auch Terroristen schon versucht haben, im ursprünglichen Code des Bildes, dem digitalen Code, kleine Nachrichten und Botschaften zu verstecken. Wenn man so etwas machen würde, kann man das natürlich auch wieder auslesen. Genau so, wie man aus der Erbsubstanz auslesen kann, welche Lebewesen die Vorfahren von Menschen, Affen, Schildkröten aber auch einzelligen Lebewesen waren. Wenn man jetzt also wirklich einen superintelligenten Schöpfer hätte, der künstliche Welten, die sowohl silicium- als auch kohlenstoffbasiert sind, erschaffen könnte, dann hätte man auch das alte ‚Blade Runner‘-Problem, man muss eigentlich mit dem Schöpfer reden. Wenn man den Schöpfer nicht findet, hat man sehr, sehr viel Arbeit.
sf: Macht Dir mit diesem Wissen das Jahr 2045 *3 Angst oder freust Du Dich darauf?M. B.: Eigentlich freue ich mich natürlich. Mein Bruder ist ‚Linux’-Programmierer. Der ist also mit den siliciumbasierten Welten befasst und macht die in Maschinensprache entwickelten Codes. Ich bin mit den kohlenstoffbasierten Welten befasst und mache so genetische Fingerabdrücke, also die genetischen Codes. Es wäre sehr schön, wenn das irgendwann einmal zusammen geführt werden würde. Bisher ist das ja alles noch sehr lächerlich. Manche Banken haben so Avatare, mit denen man angeblich sprechen und sich beraten lassen kann. Aber das ist immer Murks, da kommt immer nur Mist bei raus. Da gibt man was ein, die screenen das nach bestimmten Begriffen und geben dann eine blöde Antwort. Das funktioniert alles noch nicht so richtig. Aber wenn das dann einmal bei den rechnerneuronalen Netzen gut funktionieren würde und dann auch auf der biologischen Seite, man also eine biologische Funktion da reinprogrammieren könnte, dann hätte man das Beste aus beiden Welten. Ich möchte gern den Tag erleben, an dem ich einem Androiden die Hand schütteln kann.
Was Dr. Mark Benecke darüber hinaus noch über sich als Draculaexperte zu erzählen wusste, können Sie in den nächsten Tagen unter http://www.alex-berlin.de/mediathek noch einmal ausführlich nachhören.Guido Fahrendholz*1 Sektionsleiter Entomologie am Naturkundemuseum Görlitz,*2 Science-Fiction-Film des Regisseurs Ridley Scott,*3 im Jahr 2045 wird nach dem Moorschen Gesetz und Ray Kurzweil die künstliche Intelligenz die biologische Intelligenz überholen, siehe auch strassenfeger 03/2010