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„Wir setzen alles daran, in der 1. Bundesliga zu bleiben!“

Im Gespräch: Michael Preetz, Manager von Hertha BSC

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Michael Preetz, 42, ist mit 84 Treffern bester Hertha-Torjäger aller Zeiten. Nach dem Ende seiner aktiven Karriere 2003 wechselte er ins Management von Hertha BSC. Im Sommer des vergangenen Jahres übernahm er die Geschäfte seines Vorgängers Dieter Hoeneß. Christoph Mews und Andreas Düllick sprachen mit ihm über die misslungene Hinrunde, den Abstiegskampf, verlorene Talente und soziales Engagement.

strassenfeger: Herr Preetz, was bedeutet Hertha für sie persönlich?

Michael Preetz: Hertha BSC ist mein Verein geworden über die Jahre. Ich bin gebürtiger Düsseldorfer, habe meine Kindheit verbracht in Düsseldorf und dann auch die ersten Schritte im Profifußball bei ‚Fortuna’ gemacht. Über mehrere Stationen bin ich 1996 nach Berlin gekommen und lebe jetzt fast vierzehn Jahre hier. Diese Stadt ist so spannend und faszinierend, dass ich mich dafür entschieden habe, dass sie, wie auch immer es beruflich weiter gehen wird, mein Lebensmittelpunkt bleibt. ‚Hertha’ ist schlichtweg mein Verein, dem ich viel zu verdanken habe, auch weil ich hier meine größten Erfolge gefeiert habe.

sf: Sechs Punkte waren die magere Ausbeute nach der ersten Saisonhälfte. Mit so wenigen Zählern hat es noch nie ein Klub geschafft, die Liga zu halten. Warum soll ausgerechnet ‚Hertha’ dieses Wunder gelingen?

M. P.: Aus unserer Sicht ist Platz 16 das erste Ziel, das man anpeilen muss. Das heißt, wir müssen es schaffen, zwei Vereine hinter uns zu lassen. Dafür, so glauben wir, müssen wir 25 Punkte in der Rückrunde holen. Das ist ehrgeizig vor dem Hintergrund, dass die Hinrunde so in die Hose gegangen ist, aber sicherlich machbar, wenn man sich vergegenwärtigt, dass diese Mannschaft grundsätzlich Fußball spielen kann. Und das wir eben auch wissen, dass es in der Hinrunde zu weiten Teilen eine Kopfgeschichte bei vielen Spielern war. Jetzt haben wir drei Spiele zu Null gespielt und fünf Punkte geholt. Wir wissen, dass wir in der Lage sind, diese 25 Punkte zu holen. Das wären am Ende 31, ob das reichen wird, das wissen wir heute alle nicht.

sf: Stichwort Fans - in anderen Bundesligavereinen kracht es richtig, wenn der Verein Tabellenletzter ist!?

M. P.: Ich glaube, dass unsere Fans in der Hinrunde ganz schnell ein Gespür für unsere Situation bekommen haben. Wir haben ja angefangen mit dem Heimsieg gegen Hannover, bei dem wir nicht gut gespielt haben, aber effektiv waren. Wir haben dann zwei Auswärtsspiele gehabt, in denen wir gar nicht so schlecht gespielt haben. Dann haben wir gegen eine bessere Bremer Mannschaft hier verloren. Das akzeptiert jeder Fan, wenn du an einem Tag gut spielst, aber der Gegner ist besser. Und dann kam dieser Knackpunkt in Mainz, wo wir eigentlich achtzig Minuten nichts haben anbrennen lassen, 1:0 führen und dieses Spiel trotzdem abgeben.

Und dann hat diese totale Verunsicherung eingesetzt bei den Spielern, das haben die Fans auch gemerkt und waren in dieser Zeit, und sind es bis jetzt, eine enorm große Hilfe mit ihrer Unterstützung. Jetzt ist es uns gelungen ein Gefühl zu vermitteln, dass hier etwas Großes gelingen kann, wenn wir es schaffen, uns aus dieser für viele scheinbar ausweglosen Situation zu retten. Und da sind unsere Anhänger dabei. Was in Hannover abgelaufen ist, war beispielhaft. Wir haben immer gesagt, wir brauchen eine Aufbaustimmung, aber die kann nur die Mannschaft initiieren, in dem sie ein gutes Spiel liefert, in dem sie ein Spiel gewinnt wie in Hannover. Dieses Signal war da und jetzt glaube ich auch, dass durch Berlin noch mal ein Ruck gegangen ist. Ich bin mir sicher, dass wir diese Unterstützung bis zum Saisonende haben und auch brauchen werden.

Sf: Warum schafft es Hertha nicht, zu jedem Spiel 74.000 Fans ins Olympiastadion zu locken?

M. P.: Wir müssen uns nicht schämen dafür, dass wir im Schnitt 45.000 Zuschauer und mehr haben. Das ist eine ordentliche Zahl, auch in einer Stadt wie Berlin, die dieses wahnsinnige Angebot hat. Dieses Potenzial an Fans müssen wir pflegen, und es muss uns gelingen – und das geht hauptsächlich durch die Leistung auf dem Fußballplatz – neue Fans zu gewinnen. Wenn wir es schaffen, die nötigen Punkte für den Nichtabstieg zu holen und diese Aufbruchstimmung in die Stadt zu transportieren, dann werden wir es schaffen, neue Anhänger zu gewinnen.

sf: Wie konnte es zu diesem Absturz kommen? Haben Sie den Abgang von Leistungsträgern wie Simunic, Pantelic und Woronin unterschätzt?

M. P.: Nein. Ich hätte Simunic gerne behalten, seinen Weggang konnten wir tatsächlich nicht kompensieren. Er war unser Abwehrchef und mit seiner Präsenz, Ruhe, Ausstrahlungskraft und Kopfballstärke die Versicherung für die Mannschaft. Bei Woronin gab es keine Chance, weil er bei Liverpool unter Vertrag stand und wir wegen unserer finanziellen Situation diesen Transfer überhaupt nicht stemmen konnten. Andre war nur zu einem Transfer bereit, nicht zu einem weiteren Ausleihgeschäft. Darüber hinaus war Liverpool im Sommer gar nicht bereit, Woronin abzugeben. Bei Pantelic haben wir lange versucht, mit ihm zu verlängern, doch er hat immer wieder absurde Forderungen gestellt, die wir nicht erfüllen konnten und wollten.

sf: Warum hat Hertha in den letzten beiden Spielen der letzten Saison gegen Schalke 04 und Karlsruhe den unbändigen Willen vermissen lassen und den möglichen Meistertitel und den schon sicher geglaubten Champions-League-Platz verspielt?

M. P.: Wir haben letztes Jahr die gesamte Saison so gespielt, wie in der Partie gegen Schalke 04 auch. Wir sind ja nie eine Mannschaft gewesen, die ihren Gegner überrennen konnte, sondern wir haben immer sehr kontrolliert gespielt, haben auf defensive Stabilität gesetzt und dann mit wenigen Möglichkeiten verstanden, die Spiele für uns zu entscheiden. Und dieses eine Tor ist gegen Schalke nicht gefallen.

sf: Warum haben Woronin und Pantelic nicht von Anfang an zusammen im Sturm gespielt? Arne Friedrich saß nur auf der Ersatzbank. Hat der Trainer in dieser Situation einen Fehler gemacht?

M. P.: Das sind Dinge, die ein Trainer immer entscheiden muss. Er muss aufstellen und auswechseln. Lucien Favre hat entschieden, dass es zu diesem Zeitpunkt die beste Mannschaft war. Steve van Bergen hat Arne Friedrich super vertreten. Woronin und Pantelic haben insgesamt selten zusammengespielt. Natürlich kann man darüber streiten, ob man nicht alles auf den Platz wirft, was man an Potenzial hat. Das gilt für das Schalke-Spiel, vielleicht auch für beide Spiele. Aber es war eine Entscheidung des Trainers, die er vielleicht heute anders entscheiden würde.

sf: Warum wurde Arthur Wichniarek, der schon einmal bei ‚Hertha’ gescheitert ist, verpflichtet?

M. P.: Verantwortlich dafür sind Lucian Favre und ich. Wir haben diese Entscheidung getroffen vor dem Hintergrund: Was ist für uns finanziell machbar? Favre wollte den Spieler Wichniarek, auch wenn er auf der Pressekonferenz nach seinem Ausscheiden hier etwas anderes hat verlauten lassen. Wir haben das intern kontrovers diskutiert. Arthur ist ein guter Stürmer, das war er 2003 und das ist er heute immer noch. Was wir wissen ist, dass irgendwas da ist, warum es mit Arthur und Berlin nicht funktioniert, aber keiner kann das so richtig greifen. Das war das Risiko, da waren wir uns alle darüber im Klaren. Auch Arthur selber, denn für ihn war das ja auch ein Risiko. Es ist leider im Fußball so, dass wir heute schlauer sind, und das wir sagen müssen, dass diese Verpflichtung bis zum heutigen Tag nicht aufgegangen ist. Ich glaube trotzdem, auch durch die Neuverpflichtungen, dass Arthur in eine Situation kommt, wo er aus diesem ganz großen Druck auch mal raus ist und in der Rückrunde noch wichtig für uns werden kann.

(Teil 2 des Interviews mit Michalel Preetz können Sie in der nächsten Ausgabe lesen.)


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