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Der gestohlene Luxus

Hermann Göring – der größte Kunsträuber der Geschichte

Quelle: wikipedia/Bundesarchiv
Quelle: wikipedia/Bundesarchiv
Hermann Göring war als Sammler von Kunstwerken ebenso berühmt wie berüchtigt. Seine Leidenschaft für schöne Bilder und andere Gegenstände machte ihn zum der größten Kunsträuber der Geschichte. Seine „Sammlung“ bestand aus rund 1.800 Gemälden. Zu diesen kamen noch zahlreiche Wandteppiche, Skulpturen und andere kunsthandwerkliche Objekte. Über 60 Jahre nach dem Tode des Kunstsammlers, Kunsthändlers und Kunsträubers Hermann Göring interessiert immer noch eine Frage: Wie hat es Göring geschafft, innerhalb von nur zwölf Jahren eine der größten privaten Kunstsammlungen dieses Jahrhunderts zusammenzutragen, deren Wert sich auf ca. 595 Millionen Reichsmark belief? Wie war das möglich und wo sind die Kunstgegenstände geblieben?

Immer wieder – sei es bei öffentlichen Versteigerungen, im privaten Kunsthandel oder in Museen – tauchen Kunstgegenstände auf, die lange Zeit als verloren galten und nachweislich einmal im zeitweiligen Besitz von Göring waren. Auch umfangreiches Kunst- und Kulturgut aus Deutschland befindet sich immer noch im Besitz anderer Staaten und wartet dort auf seine Rückführung. Ein nicht unbeträchtlicher Teil von Görings Schätzen stammte aus beschlagnahmtem Kunstgut und wurde daher unrechtmäßig erworben.

Deutsche Industrielle „spendeten“ für Görings Kunstsammlung
Doch ist es richtig, wenn auch bei Kunstgegenständen, die er ordnungsgemäß käuflich erworben hat, immer wieder von Kunstraub gesprochen wird? Göring hat umfangreich gekauft. Damit stellt sich natürlich die Frage nach der Herkunft der dazu nötigen Mittel. Wie dokumentiert wird, hat er sich dafür nicht nur staatlicher Quellen bedient, sondern im großen Umfang auch einen eigens dazu gegründeten Fonds genutzt, der wesentlich aus Spenden deutscher Industrieller wie Siemens oder Reemtsma, der allein 14 Millionen Reichsmark stiftete, gespeist wurde.

Die Rolle der Alliierten
Betrachtet man schließlich das Umfeld der Bergung und Übernahme der Sammlung Görings im Jahre 1945, welche überwiegend aus dem Transportgut zweier in Berchtesgaden abgestellter Züge vonstatten ging, so ist die im Allgemeinen unkritisch übernommene Meinung der damaligen Alliierten zu korrigieren, sie hätten auf dem Territorium des ehemaligen Deutschen Reiches „versteckte“ Kunstgüter entdeckt, gerettet und für die „Nachwelt“ bewahrt.

Doch diese Kunstgüter waren noch nicht „versteckt.“ Andere wurden von deutschen Museen und Bibliotheken vor den Bombenangriffen eben jener Alliierten in Sicherheit gebracht. Damit sie der Nachwelt erhalten blieben. Und es gab in jedem Auslagerungsfall detaillierte Aufzeichnungen. Tatsache ist, dass die Alliierten sich mit dem Sieg über Hitlerdeutschland die Rechte an unwiederbringlichen Kulturgütern angeeignet haben. Und sich bis heute noch unzählige Kunstgüter auf den Territorien der Alliierten befinden.

Görings skrupellose Raubzüge
Göring war beim Aufbau seiner Sammlung von Luxusgütern äußerst rücksichtslos. Er arbeitete mit den als Kunsträuber bekannten Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR) zusammen und setzte eine eigene Organisation, die „Devisenschutzkommandos“ ein, die in seinem Auftrag in den annektierten Gebieten Kunst beschlagnahmten.

Wie dokumentiert ist, wurden die meisten Kunstgegenstände aus dem zeitweiligen Besitz Görings, zum Beispiel aus Beschlagnahmen bei jüdischen Sammlern, an die Eigentümer oder die Erben zurückgeführt. Ansonsten gingen sie in das Eigentum Israels über. Stücke, die europäischen Museen zuzuordnen waren, bekamen diese zurück – vorausgesetzt, sie stammten aus Beschlagnahme und nicht aus Verkauf oder Tausch. Der größte Teil, der darüber hinaus noch greifbar war und nicht in US-amerikanischen Privatbesitz übergegangen war, wurde dem Land Bayern übereignet.
Franz Behla

Literaturhinweis: Lynn Nicholas: Der Raub der Europa. Das Schicksal europäischer Kunstwerke im Dritten Reich. Knaur-Verlag, 1997.

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