Mob e.V. – Obdachlose machen mobil

Die Retterinnen der „Volksgemeinschaft“

Frauen in der rechten Szene

Er trägt eine Baseballkappe über seiner Glatze. Seine Füße stecken in Springerstiefeln, die mit weißen Schnürbändern zugebunden sind. Darüber bauscht sich die dunkle Bomberjacke – die Klischees von Rechtsextremisten sind ebenso eindeutig wie falsch. Die „Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin” (MBR) kennt sie alle. Mit Aufklärungskampagnen versucht sie gegen die veralteten Meinungen anzugehen und auf neue Gefahrenquellen hinzuweisen. Aktuell hebt sie besonders eine Gruppe unter den Rechtsextremisten vor, der bis dato wenig Beachtung geschenkt wurde: den Frauen der rechten Szene.

Die Rolle der Frau und ihr Auftreten
„Retterinnen der „Volksgemeinschaft“ – Frauen in der rechten Szene“ heißt der Vortrag, zu dem die Mobile Beratung am Donnerstag, dem 12. November, in das Berliner Café Multi-Kulti einlud. Wer sind die Frauen und Mädchen? Welche besondere Aufgabe übernehmen sie in rechtsextremistischen Organisationen? All das erklärt Juliane Lang, freie Mitarbeiterin der MBR, in einem einstündigen Vortrag. Dass sich die Rolle der Frauen und das „neue Frauenbild“ in den rechten Organisationen verändert haben, bringt die MBR auch mit dem verstärkten Engagement der Frauen und Mädchen in rechtsextremen Vereinen in Verbindung. Man spricht nicht mehr nur von Mitläuferinnen, die demonstrieren, oder Betreiberinnen von einschlägigen Kneipen und Läden. Die Formen, in denen sich die weiblichen Mitglieder engagieren, reichen von Führungsmitgliedschaften in Parteien bis zu Abgeordneten in Kommunal- und Landesparlamenten. Die Hintergrundarbeit, wie Aufmärsche und Treffen, wäre ohne Aktivistinnen nicht zu bewältigen. Aber auch die journalistische Arbeit für die „junge Freiheit“, eine rechtsextremistische Wochenzeitung, käme ohne weibliche Autorinnen nicht aus. Dabei gibt es weder einen Unterschied zwischen Westdeutschen noch Ostdeutschen, noch spiele die soziale Herkunft eine Rolle.

Gründe für die rechtsextremistische Aktivität der Frauen
Dass die Bedeutung, die von diesen Aktivitäten ausgeht, bisher unterschätzt wurde, sieht der MBR im vorherrschenden Frauenbild der Gesellschaft: „Frauen werden unterschätzt und gelten per se als friedfertiger und sanfter“, erklärt Lang. Daher würde ihnen gern die Funktion der Vermittlerin zugespielt, die innerhalb der Gruppierung Auseinandersetzungen schlichte und außerhalb potentielle neue Mitglieder anspreche. Als Vermittlerin hält sie auch die Gruppierung zusammen. Das gilt auch für rechtsextremistische Parteien wie die NPD. Die Gründe für die Beteiligungen der Frauen in einschlägigen Verbänden und Parteien sind ebenso vielfältig wie die der Männer: rechtsextreme Einstellungen, die rechtsextreme Sozialarbeit, die gezielt Jugendliche und junge Erwachsene anspricht. Das Gefühl, zu einer sozialen Gruppierung zu gehören, die Anerkennung für Leistungen innerhalb der Szene, sind Ansporn, sich aktiv zu beteiligen.

Die Themen und Ziele der Frauen
Dagegen unterscheiden sich die Interessen der Frauen von denen der Männer in den Verbänden. Mit Vereinen wie dem „Nationalen Frauenring“ (NFR), einer Unterorganisation der NPD, versuchen sie eigene Frauenräume zu schaffen. Mitglieder engagieren sich vermehrt für familienbezogene Themen, die Kinder und ihre Erziehung sowie Bildung mit einschließt. Einige ihrer Themen und Zielsetzungen erscheinen kontrovers: So wehren sich die Aktivistinnen gegen das Frauenbild des „Heimchens am Herd“, das ausschließlich auf eine konservative Frauenrolle beschränkt. Andererseits steht das Thema der Mutterschaft hoch im Kurs und wird die Frau in der Organisation als „Hüterin der weißen Rasse“ betrachtet. Klar grenzen sie sich von anderen Gruppierungen ab, die die Gleichstellung der Geschlechter, das so genannte „Gender“, fordern. Eine Karriere als Führungsmitglied in höheren Funktionen ist somit nur Müttern vorbehalten. Ein wiederum zusätzlicher Anreiz für Mädchen und jüngere weibliche Mitglieder, sich konservative Verhaltensrollen anzueignen. Ein „neues Frauenbild“, das der MBR mit dem verstärkten Engagement der Aktivistinnen auch als Erstarken des deutschlandweiten Rechtsextremismus bewertet.
Laura

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