Mob e.V. – Obdachlose machen mobil

Mittendrin

Die beiden also auch! Dabei sind sie doch das ideale Paar. Beide sehen gut aus, sie lächeln sich immerfort an, er ist erfolgreich im Beruf und sie kümmert sich um den Gemüsegarten hinter dem Haus, die Kinder machen beiden Freude und nun springt auch noch ein Hund in der Idylle herum: die Obamas. Vor ein paar Tagen lese ich nun, dass sie auch schon mal Zoff haben und es zu richtigen Krisen kommt. Aber sie vertragen sich ja immer wieder, und deshalb sehen wir nur immer ihre Sonnenseite.

Ich musste daran denken, als ich neulich am Kupfergraben lang ging und nach oben blickte. Gibt es da wohl auch manchmal Zoff? „Verdammt, warum ist denn kein Kaffee da?“ – „Wir haben Kaffee reichlich!“ – „Ach nee … Die Kaffeebüchse ist leer.“ – „Was bist du einfallslos! Der Kaffee ist doch jetzt in der Pfefferdose.“ – „Warum das denn?“ – „Weil die Pfefferdose kleiner ist, sieht es jetzt so aus als ob wir viel mehr Kaffee hätten!“ – „Und wo ist jetzt der Pfeffer?“ – „Der ist in der Mehldose, das sieht dann nach viel Pfeffer aus, und Pfeffer ist bekanntlich teurer als Mehl.“ – „Ich finde in unserem Haushalt nichts mehr wieder. Was soll der Unsinn?“ – „Das machen wir in der Regierung jetzt genauso. So was ist hoch modern und heißt Schattenhaushalt. Und von dem Geld, was wir so einsparen, machen wir eine schöne Reise.“ – „Damit ich die Übersicht behalte, werde ich von allem was abzwacken und mir in meinem Arbeitszimmer einen kleinen Vorrat anlegen.“ – „In deinem Schreibtisch?“ - „Ja, und das ist dann mein Nebenhaushalt, wie bei euch in der Regierung.“ Auf weitere Ausführungen über die Bedeutung von Ehe und Familie in Zeiten angespannter Haushaltslage verzichte ich mal aus Gründen der Diskretion.

Oder bei den beiden Turteltäubchen. „Franz, du gehst nie mit mir tanzen in Berlin. Du tanzt nicht gern?“ – „Natürlich tanze ich gern.“ – „Aber nicht in Berlin!“ – „Auch in Berlin. Du hättest mal sehen sollen, wie das war, wenn wir in den Sechzigern mit den sauerländischen Jusos nach Berlin gefahren sind. Da wurde jeden Abend getanzt – im Resi. Das war Klasse. Alles Plüsch, Tischtelefone, Wasserorgel. So was gab es ja nicht in Neheim-Hüsten nicht, und in Unna auch nicht.“ – „Mein Gott, das ist doch schon lange her. Wo ist denn dieses Resi? Ich hab nie davon gehört.“ – „Das war in Neukölln. Aber das gibt’s wohl nicht mehr. Schade!“ – „Da würde ich auch nie hingehen. Wir gehen heute Abend tanzen. Wir gehen ins Berghain.“ – „Das kenne ich nicht. Muss man da Stiefel anziehen? Da kenne ich sicher keine Leute.“ – „Dich kennt da auch keiner, selbst dann nicht, wenn du dir deinen roten Schal um den Hals bindest.“ – „Warum sollen wir dann in diesen Berghain gehen?“ – „Weil ich richtig tanzen will. Basta!“

Familien streiten ja oft miteinander. Da kann das schnell auch ins Politische gehen. „Ich habe doch gleich gesagt, dass du deinen guten Ministerposten verlierst, wenn du solchen Unsinn redest!“ – „Mama, das ist kein Unsinn, das ist ökonomisch notwendig, diese Rente mit 67.“ – „Wenn ich sehe, was unsereins für ne Rente kriegt, sehe ich nicht, warum das ökonomisch sein soll.“ – „Mama, die Leute werden immer älter, und deshalb muss die Rente …“ – „Wünschst du mir vielleicht den Tod? Schäm dich dafür! Und nun gebe ich dir einen guten Rat. Hör auf deine alte Mutter und nimm das mit der 67er Rente zurück. Dann kriegst du vielleicht einen guten Posten bei der SPD.“ – „Ja, Mama.“ - „Mein Gott, ein Jahr lang rede ich schon auf dich ein. Hoffentlich begreifst du jetzt, dass eine Krankenschwester mit 67 keinen Patienten umlagern kann, schon gar nicht, wenn er so ein Brocken ist wie du. Ein richtiger Umwälzminister …“ Die Quellen politischer Entscheidungen sind oft für den Bürger verborgen.
KptnGraubär

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