Nicht schon wieder, denken die Fahrgäste in der U- und S-Bahn.
Da kommt schon der bekannte Typ mit der weinerlichen Stimme, der uns
ein Straßenmagazin verkaufen will. Oder diese Frau, die uns seit Jahr
und Tag erzählt, dass sie obdachlos ist und etwas Kleingeld braucht.
Oder diese Musiker, die uns und ihre Instrumente von Station zu Station
mehr quälen als unterhalten und dann die Hand aufhalten. Wir Berliner,
ob hart- oder warmherzig, kennen die meist freundlichen Quälgeister und
die Erfahrung zeigt, dass sie für ihre Ansagen nicht allzu reichlich
belohnt werden. Das Geld sitzt bei den meisten Fahrgästen nun mal nicht
locker. Viele schalten auf stur, wenn um eine kleine Gabe gebeten wird.
In diesen Tagen aber stellen wir fest, dass der Typ mit der
weinerlichen Stimme, die obdachlose Frau und die Musiker ein wirklich
dankbares Publikum haben. Sie verkaufen Magazine, sie scheffeln Münzen
und ihre Musik wird unter Bravo- und Zugaberufen beklatscht. Wie schön,
dass so viele Touristen in der Stadt sind. Die Berlin-Besucher freuen
sich über das bunte Berlin und wir Berliner sind froh, dass wir zu
Ostern ein paar Tage in Ruhe gelassen werden.
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/10.04.2007/3190263.asp